Die Premiere der Wagner-Oper „Lohengrin“ begeisterte das Publikum mit außergewöhnlichen Hörerlebnissen.

Die Beziehung zwischen Lohengrin (Peter Wedd) und Elsa (Izabela Matula) bleibt oberflächlich.
Die Beziehung zwischen Lohengrin (Peter Wedd) und Elsa (Izabela Matula) bleibt oberflächlich.

Die Beziehung zwischen Lohengrin (Peter Wedd) und Elsa (Izabela Matula) bleibt oberflächlich.

Matthias Stutte

Die Beziehung zwischen Lohengrin (Peter Wedd) und Elsa (Izabela Matula) bleibt oberflächlich.

Krefeld. Am Ende siegt die Politik und der Traum von einer bedingungslosen Liebe ist zerbrochen. Das Scheitern einer Utopie steht im Mittelpunkt von Richard Wagners „Lohengrin“, einem Werk, das im Untertitel die Bezeichnung „romantische Oper“ trägt. Doch gerade mit der Romantik des Stoffes haben sich Regisseure immer schwergetan, so auch jetzt am Krefelder Theater. Trotzdem gab es nach einer fast vierzigjährigen Abwesenheit vom Spielplan am Osterwochenende eine umjubelte Premiere. Das ist vor allem der Musik und ihrer Interpretation geschuldet, die das Publikum im ausverkauften Theater vier Stunden lang verzauberte und überwältigte.

Der Chor ist auf 73 Sänger aufgestockt

Von den überirdisch anmutenden Klängen des Vorspiels bis zum dramatischen Schluss leisten die Niederrheinischen Sinfoniker unter ihrem Generalmusikdirektor Mihkel Kütson Großartiges. Sensibel und kraftvoll, differenziert und klar entfaltet sich ein sorgfältig gewebter Klangteppich, der den Zauber und die Dramatik dieser Musik wunderbar zum Ausdruck bringt. Auf gleichem Niveau und mit großem Klangvolumen agiert der auf 73 Personen aufgestockte Chor. Im Zusammenspiel mit dem Orchester entstehen so außergewöhnliche Hörerlebnisse. Die Musik trägt auch das großartige Sängerensemble, das selbst bei den lauten Stellen nie überdeckt wird.

Peter Wedd, der als Gast die Titelpartie mit Bravour verkörpert, erfüllt mit seinem hell strahlenden Tenor gesanglich alle Anforderungen und ist auch optisch ein idealer Wagnerheld. Alle weiteren Rollen sind vom Haus besetzt. Als Elsa glänzt Izabela Matula mit ihrem warm und sinnlich klingenden Sopran und intensivem Spiel.

Der dunkle Charakter Telramunds spiegelt sich in der kraftvollen Stimme von Johannes Schwärsky perfekt wider, auch darstellerisch überzeugt der Sänger wieder sehr. Eva Maria Günschmann bewältigt die mörderische Partie der Ortrud eindrucksvoll, bleibt aber darstellerisch auf stereotype Bewegungen festgelegt. Dass sie in Kostüme von Jackie Kennedy gekleidet ist, erleichtert die Interpretation so einer komplexen Rolle eher nicht. Was die elegante amerikanische Präsidentengattin mit der dämonischen Ortrud zu tun hat, gehört zu den fragwürdigsten Regieeinfällen des Abends.

Regisseur Robert Lehmeier bebildert schon die wunderschöne Musik des Vorspiels. Elsa und ihr kleiner Bruder Gottfried treten vor den geschlossenen Vorhang. Pantomimisch wird die Vorgeschichte von der Entführung Gottfrieds durch Ortrud erzählt und Elsa träumt von ihrem Retter. In ihrer Vision ist er kein Held in schimmernder Rüstung, sondern ein gut proportionierter nackter Mann. Elsas Sehnsucht ist also vor allem erotischer Natur. Entsprechend kokett lächelnd bewegt sich im bunten Blumenkleid vor König Heinrich und dem versammelten Volk, das sie des Brudermordes anklagt.

Die Oper „Lohengrin“ dauert vier Stunden, es gibt zwei Pausen. Weitere Aufführungen sind am 22. April, 7., 20. Mai, 25. Juni, 2. Juli, Beginn jeweils 17 Uhr. Kartentelefon: 80 51 25. theater-kr-mg.de

In einem hellblau tapezierten Raum mit Zinnen tagt die politische Versammlung an einem Verhandlungstisch (Bühne Tom Musch). Entsprechend einförmig sind alle in Anzüge und Kostüme gekleidet, es wird viel mit Papier herumgewedelt. Auch der Heerrufer, den Rafael Bruck eindrucksvoll verkörpert, verkündet seine Botschaften am Rednerpult. In diese nüchterne, aber wenig bedrohliche Atmosphäre platzt Lohengrin im Silberanzug mit Schwert und einem albernen Blütenkranz herein. Wie ein Filmdarsteller erscheint er auf einer kleinen Bühne, die durch einen Vorhang im Saal abgetrennt ist. Ob das ein Wunder oder nur Theaterzauber ist, bleibt irgendwie offen. Am Schluss geht er einfach seitlich ab und überlässt die Bühne dem zurückgekehrten Gottfried.

Als bewaffneter Kindersoldat mischt sich dieser unter das Volk, das seit dem zweiten Akt ebenfalls militärische Kleidung trägt. Das Aufeinanderprallen der Welten, der politischen und der von einer Sehnsucht nach Liebe gekennzeichneten, wird so karikaturhaft überzeichnet, das Scheitern wird schnell zur vorhersehbaren Konsequenz. Als Parodie kann man nur den berühmten Brautchor bezeichnen, der weiß verschleierte Kitsch-Bräute mit Maschinenpistolen zeigt.

Doch es gibt auch starke Momente, wie die psychologisch interessante geführte Szene Ortrud-Telramund und die Gralserzählung. Sie ist vor allem als intime Ansprache Lohengrins zu Elsa gestaltet. Doch insgesamt bleibt die Beziehung der beiden so oberflächlich, so dass ihr Scheitern nicht wirklich berührt. Glücklicherweise können die Mängel der Regie den Abend nicht kaputtmachen und so triumphieren am Ende doch die Musik und ihre Interpretation.

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