Das Ende einer Ära – nach mehr als 40 Jahren werden am 15. Dezember die Türen an der Friedrichstraße 49 geschlossen.

Geschäftsführer Marc-Andreas Berger in der Galerie Peerlings.
Geschäftsführer Marc-Andreas Berger in der Galerie Peerlings.

Geschäftsführer Marc-Andreas Berger in der Galerie Peerlings.

Lothar Strücken

Geschäftsführer Marc-Andreas Berger in der Galerie Peerlings.

Krefeld. Die bunte Einladungskarte auf der zwölf unterschiedliche Bilder zu sehen sind, täuscht über den traurigen Anlass hinweg. Am letzten Novemberwochenende hat die Galerie Peerlings zu einer Ausstellungseröffnung eingeladen, die das Ende einer Ära markiert. Nach über vierzig Jahren schließt die Galerie an der Friedrichstraße ihre Türen. Geschäftsführer Marc-Andreas Berger hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sieht den Tatsachen nüchtern ins Auge: „Es lohnt sich nicht mehr, das Interesse tendiert gegen Null.“

Bereits im August hatte sich die Galerie um die Hälfte verkleinert, zuvor war sie wegen längerer Renovierungsmaßnahmen an der Fassade optisch überhaupt nicht präsent. Die Gründe liegen allerdings woanders. Berger, der seit zwanzig Jahren dort tätig war und seit zehn Jahren die Geschäfte allein führt, sieht den Kunsthandel allgemein geschwächt. „Die Menschen sind flexibler, recherchieren selbst im Internet“. Auf eine gute Beratung werde immer weniger Wert gelegt.

Die ältere Generation sammelt nicht mehr, weil sie die Wände voll hat, bei den Jüngeren zählen oft andere Werte. „Da hängen große Flachbildschirme anstelle von Bildern“, sagt Berger dazu. Er selbst schätzt den direkten Kontakt zu den Künstlern aber auch zu Galerien, denen er in ganz Deutschland bis nach Österreich hochwertige Kunst anbietet. Auf seinen Reisen bekommt er mit, dass die Situation überall schwieriger geworden ist. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer von sieben Prozent auf 19 Prozent, sowie die fünf Prozent Pflichtabgaben an die Künstlersozialkasse setzen gerade den Galerien, die nicht in der oberen Liga spielen, besonders zu.

„Es lohnt sich nicht mehr, das Interesse tendiert gegen Null.“

Marc-Andreas Berger, Geschäftsführer der Galerie Peerlings

Dabei ist jede Ausstellung ein besonderer Aufwand. Mit Originalgrafik und eher traditioneller zeitgenössischer Malerei hat die Galerie Peerlings viele Jahre den Publikumsgeschmack gut bedient. Berger hat beides gemacht, die Tradition weiter gepflegt aber auch mal Neues gezeigt. Nur einem allgemeinen Trend hat er sich nicht angepasst. „Ich wollte nicht machen, was alle machen“, betont der gelernte Banker, der eher zufällig zur Kunst kam.

Der Krefelder kannte die Galerie seit seiner Kindheit. Als dort 1996 ein Mitarbeiter gesucht wurde, der auch mit Zahlen umgehen kann, hat er die Branche gewechselt. Inzwischen macht ihm die Beschäftigung mit der Kunst so viel Freude, dass er unter eigenem Namen weiter tätig sein wird. Allerdings ohne die Belastungen durch Räumlichkeiten und Ausstellungen.

Thema Die Galerienlandschaft in der Stadt wird immer überschaubarer. 1983 wurde der Galerien-Sonntag „Kunst in Krefeld“ ins Leben gerufen. Aus einer Interessensgemeinschaft wurde 2003 der Verein „Kunst in Krefeld“, der sich 2011 durch den Austritt von drei Galerien spaltete. 2010 nahmen noch insgesamt 18 Aussteller teil. In einer Serie erklärt die WZ, welche Galerien noch wie in Krefeld aktiv sind.

Viele Jahre hat Peerlings sich auch am legendären Krefelder Galeriensonntag „Kunst in Krefeld“ beteiligt. „Das hat lange gut ohne Kämpfe funktioniert“, meint Berger lächelnd. Irgendwann war der Schwung raus, es gab organisatorische Probleme und gemeinsam mit den Galerien Heidefeld und Fochem verabschiedete sich Peerlings 2011 aus dem Verein „Kunst in Krefeld“. Die lange Schließung des Kaiser-Wilhelm-Museums sei für die Szene insgesamt nicht gut gewesen, findet er. Allerdings sieht er durch die Wiedereröffnung auch keinen positiven Effekt für sein Geschäft. „In Krefeld interessieren sich zu wenige für Kunst“ stellt er fest. Seit Bekanntgabe der Schließung hat sich das wieder geändert. Zum angekündigten Ausverkauf haben wohl viele ein letztes Mal die Räume an der Friedrichstraße betreten.

Keine Schleuderpreise sondern „interessante Sonderpreise“ waren auf der Einladung angekündigt. Den Respekt vor der Kunst bewahrte sich das Traditionsunternehmen bis zum Schluss.

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