Die französische Opernfassung des Shakespeares-Dramas Hamlet feiert am 25. November Premiere im Stadttheater.

Die französische Opernfassung des Shakespeares-Dramas Hamlet feiert am 25. November Premiere im Stadttheater.
Das Bild zeigt Kostümentwürfe von Kostümbildnerin Susanne Hubrich.

Das Bild zeigt Kostümentwürfe von Kostümbildnerin Susanne Hubrich.

Stadttheater

Das Bild zeigt Kostümentwürfe von Kostümbildnerin Susanne Hubrich.

„Sein oder Nichtsein“ – dieses Zitat aus dem Shakespeare-Drama „Hamlet“ kennt wohl jeder. Wesentlich unbekannter ist die französische Opernfassung des Werkes, die ab Samstag, 25. November, auf dem Spielplan des Krefelder Theaters steht. Komponist ist Ambroise Thomas, der mit seiner 1869 in Paris uraufgeführten Oper einen Hit landete. Obwohl Thomas viele weitere Opern schrieb, blieb dieses Werk neben seiner „Mignon“ der einzige nachhaltige Erfolg. Im Untertitel als „grand opéra“ bezeichnet, folgt das Stück inhaltlich in wesentlichen Zügen dem Drama Shakespeares.

Hamlets ermordeter Vater fordert als Geist seinen Sohn zur Rache auf

Hamlets Vater, Herrscher über Dänemark, ist plötzlich verstorben. Sein Bruder und Mörder besteigt den Thron und heiratet Hamlets verwitwete Mutter. Der Geist des Vaters fordert den Prinzen auf, seinen Tod an dem mörderischen Paar zu rächen. Hamlet zögert, täuscht Wahnsinn vor, und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Für die Opernfassung wurde der Text vom berühmten französischen Schriftsteller Alexandre Dumas („Die drei Musketiere“) bearbeitet, darauf basiert das Libretto von Michel Carré und Jules Barbier. „Für den französischen Zeitgeschmack wurde etwas an der Oberfläche poliert“, erklärt Operndirektor Andreas Wendholz.

Eine wesentliche Veränderung zum Schauspiel ist die stärkere Gewichtung der Figur der Ophelia. Ihr Wahnsinn und der daraus resultierende Selbstmord werden auf der Opernbühne zum großen Thema. Vorbild ist die populäre Wahnsinnsszene aus Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“. Doch bei aller Theatralik ist „Hamlet“, dessen Interpretationen ganze Bibliotheken füllen, vor allem ein Seelendrama. Als „Forschungsreise“ bezeichnet Regisseurin Helen Malkowsky ihre Auseinandersetzung mit dem Stoff. Mit ihren Inszenierungen der Opernraritäten „Mazzepa“ und „Stifelio“ hat sie sich in Krefeld als Spezialistin für differenzierte Interpretationen erwiesen.

Die komplexe Innenschau der Titelfigur, die philosophischen Betrachtungen, die Gedanken über das Theater und das Infragestellen fast sämtlicher moralischer Werte, all’ das sind für die Regisseurin Puzzleteile, die ineinandergreifen. „Man kann das Stück aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählen“, sagt Malkowsky. Sie hat die Vater-Sohn-Thematik in den Mittelpunkt gestellt. Die zentrale Frage war für sie dabei, wofür die Figur des Geistes steht. In ihrer Deutung spielt auch die Person des Narren eine Rolle. Im Schauspiel erinnert sich Hamlet an den verstorbenen Narren, dessen Schädel er in einer zentralen Szene in Händen hält.

Eine große Herausforderung war für das Regieteam, zu dem neben Malkowsky Hermann Feuchter (Bühne) und Susanne Hubrich (Kostüme) gehören, die optische Umsetzung. „Wir machen einen Spagat zwischen Grand Opera und Globe-Theatre“ sagt die Regisseurin dazu. Bei den Kostümen wird die Farbe Gold eine wichtige Rolle spielen, die Figuren wechseln zwischen Prunk und einer Art Urzustand. Mit effektvollen Chorszenen und virtuosen Gesangspartien geht es auch musikalisch opulent zu. Ambroise Thomas hat die Rollen speziellen Sängern auf den Leib geschrieben, und auch in Krefeld ist man auf die Besetzung stolz. „Wir können alle Partien aus dem Haus besetzen“, sagt Wendholz. Rafael Bruck verkörpert die Titelpartie, Sophie Witte ist Ophelia, Matthias Wippich und Janet Bartolova sind als Königspaar und Andrew Nolen als vielschichtiger Geist/Narr zu erleben. Gesungen wird in der französischen Originalsprache, dazu spielen die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Mihkel Kütson. Für die Premiere gibt es noch Karten.

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