Die Sanierung kostet fast neun Millionen Euro. Bei der Spurensuche im Haus wird klar, wo all das Geld geblieben ist.

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Ein Seitenblick auf die Bühne: Bei der Sanierung der Untermaschinerie wurde auch der Bühnenboden erneuert. Das Holz wird noch schwarz gestrichen.

Ein Seitenblick auf die Bühne: Bei der Sanierung der Untermaschinerie wurde auch der Bühnenboden erneuert. Das Holz wird noch schwarz gestrichen.

Eva-Maria Eifert stößt im Labyrinth des Kellers des Öfteren auf Überraschungen.

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Ein Seitenblick auf die Bühne: Bei der Sanierung der Untermaschinerie wurde auch der Bühnenboden erneuert. Das Holz wird noch schwarz gestrichen.

Krefeld. Neun Millionen Euro sind eine Menge Geld. Wer wissen möchte, wo es bei der Sanierung des Stadttheaters geblieben ist, kann Klinker zählen. Aus 210.000 Stück besteht die Fassade des Hauses. Wacklig waren die Ziegel geworden und drohten auf die Straße zu fallen. Nun sitzen sie bombenfest, und allein diese Arbeiten haben 2,3 Millionen Euro gekostet.

"Das Haus war ein Schweizer Käse."

Monika Risse-Richter, Hochbauamt

Im Inneren des Theaters wuseln dutzende Handwerker durch die Gänge. Viele von ihnen kennen Monika Risse-Richter und grüßen freundlich. Die Frau vom Hochbauamt begleitet die Sanierung seit Monaten.

Inzwischen kennt sie hier jedes Kabel, und davon gibt es im Keller ziemlich viele. Sie hängen wirr von der Decke, das Ergebnis des jahrzehntelang gepflegten Prinzips: Oh, ein Hohlraum, legen wir doch mal ein Kabel durch. "Das müssen wir alles sortieren und in Trassen legen", erklärt Risse-Richter.

Manchmal kommt sich die Leiterin des Bereichs Gebäudeservice vor, als räume sie ein Schlachtfeld auf. Das 1962 erbaute Haus "war ein Schweizer Käse", wie Risse-Richter sagt.

Im Wirrwarr aus Leitungen, Rohren und Hohlräumen erlebt auch ihre Kollegin Eva-Maria Eifert "immer wieder Überraschungen", entdeckt tote Ecken und vergessene Schächte. Im Fall eines Feuers sind solche Häuser so sicher wie eine frisch befüllte Tankstelle.

Insgesamt stehen nun rund 8,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Der größte Posten verschlingt rund drei Millionen Euro.

Mit diesen Kosten hatte niemand gerechnet - bis das Mauerwerk bröckelte. Kosten für die Sanierung: 2,3 Millionen Euro.

Teil des Etats sind auch die Kosten für die Ersatzspielstätte TaZ und den Umzug: 1,1 Millionen Euro.

Das restliche Geld fließt in die Bestuhlung, den Aufzug, die Sanierung des Untermaschinerie, die Besuchertoiletten, den Bühnenaufzug und diverse Reinigungs- und Renovierungsarbeiten.

"Über die Lüftungsanlagen wäre bei einem Brand in kurzer Zeit das gesamte Theater verraucht worden", erklärt Risse-Richter. Ausgerechnet im Zuschauerraum hätte sich ein Horror-Feuer entwickeln können wie jenes, das 1996 im Flughafen Düsseldorf 17 Tote gefordert hat.

Nun verfügt das Haus über Rauchabschnitte und Fluchtwege, eine Sprinkleranlage, Rauchabsauger, Brandmelder. "Es kommt eine Menge Sicherheit dazu, die man nicht sieht", sagt Eifert. Diese Sicherheit hat ihren Preis: Allein der Brandschutz kostet rund drei Millionen Euro.

Allzu viel Geld bleibt da nicht mehr für den dritten Punkt auf Risse-Richters Liste: Maßnahmen an der Bühne und im Zuschauerraum. Das sind die Veränderungen, von denen Ensemble und Publikum direkt profitieren.

Da wäre der Aufzug, der 345 000 Euro kostet und von der Eingangshalle ins ehemalige Raucherfoyer führen soll. "Behinderte Menschen hatten bisher null Chance, dort hoch zu kommen", erklärt Ingrid Mevißen, stellvertretende Geschäftsführerin des Theaters. Künftig können auch sie dort Vorstellungen und Premierenfeiern besuchen.

"Im Moment kommt mir das Haus vor wie eine blutende Wunde."

Ingrid Mevißen, stellvertretende Geschäftsführerin des Theaters

Für andere Verbesserungen haben die Theaterleute monatelang gekämpft, zum Teil leisten sie die Arbeiten sogar selbst. So bauen sie in den eigenen Werkstätten eine Theke fürs Raucherfoyer.

"Dort können sich unsere Gäste viel schneller und bequemer versorgen als bisher", erläutert Martin Siebold, Pressesprecher des Theaters. Mehr Komfort und Kundennähe soll auch der neue Kassenraum bringen: Eine offene Verkaufstheke ersetzt die altmodischen Postschalter, die Denkmalschützern allen Ernstes bewahrenswert erschienen. Doch sie ließen sich umstimmen.

Erhalten wird auf jeden Fall das Design des Zuschauerraums: Die neuen Sessel haben den gleichen senfgelben Farbton wie die alten. "Den Stoff haben wir in Süddeutschland nachweben lassen", erzählt Monika Risse-Richter. "Den gab es gar nicht mehr zu kaufen." Die neuen Stühle sollen jedoch wesentlich bequemer sein.

Durch die größere Beinfreiheit sind 90 Plätze weggefallen. "Man wird den Komfort spüren", sagt Risse-Richter. "Aber einen echten Aha-Effekt sollte man nicht erwarten." Doch wer genau hinschaut, sieht das neue Eichenparkett glänzen, an der Holzvertäfelung ist der Staub von 40 Jahren verschwunden. Der Saal wird im Sommer wie neu aussehen.

Bei der Bühnentechnik hingegen bleibt vieles beim Alten. Für eine neue Untermaschinerie fehlte das Geld, immerhin wurde die alte gerichtet, mit "viel Schweiß, Klopfen und Hämmern", sagt Risse-Richter. Neue Toiletten und Duschen für das Ensemble waren nicht drin: Die alten Sanitäranlagen stinken weithin über die Flure. Doch diese Arbeiten lassen sich auch nachholen, wenn das Haus wieder offen ist.

Nach den Sommerferien soll sich dort wieder der Vorhang heben, und Ingrid Mevißen kann es kaum erwarten. Mit den hängenden Kabeln, frei liegenden Schächten, all dem Staub und Schutt kommt ihr das Theater vor "wie eine blutende Wunde". Die Heilung kostet Geld und Geduld - doch danach werden sich wohl alle wohler fühlen.

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