Theater am Marienplatz zeigt im November Kagels „Présentation“.

Theater am Marienplatz zeigt im November Kagels „Présentation“.
Karsten Lehl gibt den Conferencier im Theater am Marienplatz.

Karsten Lehl gibt den Conferencier im Theater am Marienplatz.

Mark Mocnik

Karsten Lehl gibt den Conferencier im Theater am Marienplatz.

Ein Pianist als Begleiter, ein Ansager zur Vorstellung des Gesangsstars. Nur der kommt dann nicht, und das Vorstellungsgeplauder und die musikalische Introduktion laufen sich um diese Leerstelle herum nicht warm, sondern entblößen ihre eigene Hohl- und Verkrampftheit. Mauricio Kagel nimmt in „Présentation“ (1976) die Substanzlosigkeit der Unterhaltungsindustrie und ihrer Produkte aufs Korn, das Fischelner Theater am Marienplatz setzt mit der Inszenierung seine Spielzeit zur Erinnerung an den Autor und Komponisten Kagel (1931-2008) fort.

Karsten Lehl gibt den Conferencier im roten Frack, die schwarzen Schuhe glänzen. Schon das Kostüm ist des Abgeschmackten zuviel. Die hohlen Phrasen, die der Autor seiner prototypisch gemeinten Figur in den Mund legt, kommen Lehl obendrein viel zu übertrieben über die Lippen. Lehl und die Inszenierung (Pit Therre) begehen den Fehler, das Hohle auch noch lächerlich aussehen zu lassen.

Pollmann nudelt eine standardisierte Polka-Begleitung am Piano herunter und verlangt ab und zu danach, dass man ihm die Noten umblättern möge. Wenn das zu lange dauert, wird er ungehalten, staut sich der unablässig hüpfende Zwei-Viertel-Takt zu Triolen auf, bevor Lehl endlich das Blatt wendet.

Inszenierung driftet in die Klamotte ab

Florence, „der Komet am Chanson-Himmel“, wird mehrfach mit großer Geste in die Gasse hinein angekündigt, aber aus dieser Richtung kommen am Ende nur merkwürdige, vorproduzierte Geräusche, die einen froh seinlassen, dass Florence vielleicht zwar da, aber offenbar unpässlich ist.

Gewissermaßen aus Notwehr, um den eh schon dünnen Schein der scheiternden Vorstellung zu retten, schmeißt sich Lehl selbst ins lange Abendkleid der Sängerin, womit die Inszenierung vollends in die Klamotte abdriftet, die den kritischen Impuls des Autors bis zur Unkenntlichkeit konterkariert.

Insgesamt aber ist das Kernproblem des Stücks wohl noch ein anderes. Aus heutiger Sicht banalisiert es die Form dessen, was es kritisieren will, von vorneherein. Über 40 Jahre nach seiner Entstehung wäre aber wahrscheinlich auch der Autor Kagel überrascht, wie viel mehr spitzfindiger Aufwand inzwischen (wenigstens teilweise) in der Unterhaltungskunst betrieben wird, um den hohlen Kern zu verschleiern. „Présentation“ kann heutigen Machwerken kaum gerecht werden.

Weitere Termine: 17. und 24. November, jeweils 22 Uhr.

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