Mit ihm verliert die Stadt einen exzellenten Kenner der Kunstszene des 20. Jahrhunderts.

Mit ihm verliert die Stadt einen exzellenten Kenner der Kunstszene des 20. Jahrhunderts.
Die Ausstellung „Drahtskulpturen“ war die letzte von Galerist Christian Fochem. Am Wochenende starb er nach schwerer Krankheit. Archiv

Die Ausstellung „Drahtskulpturen“ war die letzte von Galerist Christian Fochem. Am Wochenende starb er nach schwerer Krankheit. Archiv

Andreas Bischof

Die Ausstellung „Drahtskulpturen“ war die letzte von Galerist Christian Fochem. Am Wochenende starb er nach schwerer Krankheit. Archiv

Krefeld. Die Krefelder Kunstszene ist um eine Persönlichkeit ärmer. Galerist Christian Fochem ist am Wochenende nach schwerer Krankheit verstorben. Über dreißig Jahre prägte der Krefelder mit einem hochwertigen Galerienprogramm das Kulturleben der Stadt. Zugleich war seine Galerie, in der er regelmäßig nachmittags und immer Samstagvormittag anzutreffen war, eine beliebte Anlaufstelle.

In seinem kleinen Büro konnte man bei einem Kaffee mit ihm und anderen Besuchern über Gott und die Welt, die Kunst und die Stadt plaudern. Jahrelang gehörte auch das Neujahrstreffen bei Fisch und Wein in der Galerie zu einem festen Treffpunkt der Kunstszene.

1983 gründete Christian Fochem gemeinsam mit Ralph Kleinsimlinghaus eine Galerie am Ostwall. Bereits nach einem Jahr war die Partnerschaft beendet und Fochem machte unter seinem Namen alleine weiter. 1985 eröffnete er eine zweite Galerie an der Bogenstraße, wo er vier Jahre lang vor allem „Dreidimensionales“ ausstellte. 1990 wechselte er von der Bogenstraße an den heutigen Standort Wallstraße, wo er mit einer Schau von Georg Ettl eröffnete. Bis 1998 stellte Fochem an zwei Standorten aus.

Vom Ostwall wechselte er 1993 an den Westwall. Dort zeigte er vor allem Grafik und Bilder von Krefelder Künstlern aus Vergangenheit und Gegenwart. Fochem war ein exzellenter Kenner der Krefelder Künstlerszene des 20. Jahrhunderts und verwaltete auch mehrere Nachlässe, so von Rudolf Perpéet und Hugo Ziegler.

Am Westwall bot er auch aktiven Künstlern wie Paul Kamper und Klaus Peter Noever ein Forum. 1998 gab er diesen Standort auf und konzentrierte sich auf die Wallstraße. Die großzügigen hellen Räume boten vor allem für große Skulpturen und Installationen vielfältige Möglichkeiten. In einem dichten Ausstellungsprogramm waren hier hochkarätige Ausstellungen zu sehen, die sich stets durch eine noble Zurückhaltung auszeichneten. Denn vordergründige Effekte waren Fochems Sache nie. Konsequent verfolgte er seine eigene Linie. Für ihn zählte Qualität und nicht, dass etwas gerade angesagt war.

Fochems Galerie war eine feste Größe bei „Kunst in Krefeld“

Trotzdem konnte man bei ihm immer wieder besondere Entdeckungen machen und die Entwicklung von Künstlern, wie Sandro Antal, Klaus Gärtner oder Ingo Ronkholz verfolgen. Die Galerie war auch Ort für so spektakuläre Arbeiten wie die von Annette Sauermann, die Papier mit Beton in Verbindung brachte.

Und die Krefelder Künstlerin Monika Nelles verwandelte den Raum sogar in eine Art Laden. Die Galerie war auch eine feste Größe bei „Kunst in Krefeld“ und einige Male nahm sie auch an der Art Cologne teil. Ab dem Jahr 2000 reduzierte Fochem seine Ausstellungstätigkeit durch eine jährliche längere Sommerpause. Diese verbrachte er mit seiner Frau Dagmar in Griechenland, wo er bei der Olivenernte und anderen häuslichen Tätigkeiten vom Kunstbetrieb Abstand gewinnen konnte. Die Wintermonate widmete er weiter seiner Galerie, bis 2015 ein Wasserschaden und die sich daraus ergebenen juristischen Auseinandersetzungen vorerst keine weiteren Ausstellungen möglich machten.

Dass die Ausstellung „Drahtskulpturen“ im Herbst 2014 insgesamt Schlusspunkt einer langjährigen Galerietätigkeit geworden ist, ist durch den Tod Christian Fochems jetzt leider traurige Gewissheit geworden.

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