Schauspielerin Martina Gedeck liest Briefe der Schriftstellerin Brigitte Heimann.

Krefeld. Von jetzt an wird man immer denken, Brigitte Reimann habe die Stimme von Martina Gedeck. So eindringlich las die bekannte Schauspielerin ("Das Leben der Anderen", "Der Baader Meinhof Komplex") am Samstag in der Friedenskirche aus Reimanns Briefen an ihre Eltern.

Mehr als 400 Mal hat die Schriftstellerin in ihrem kurzen Leben an die Lieben zu Hause geschrieben. Der Berliner Aufbau-Verlag hat die Briefe unter dem Titel "Jede Sorte von Glück" herausgegeben. Es gibt wunderbar anrührende, fröhliche und traurige, zärtliche und lustige Passagen in diesen Schreiben.

Der Vater versandte regelmäßig seine "Familienrundschreiben"

In der Familie Reimann waren alle Kinder gehalten, wöchentlich nach Hause zu berichten, was geschehen war: Daraus machte der Vater dann die FRS - Familienrundschreiben. Sie enthielten alles Wichtige und wurden an die ganze Familie versandt.

Martina Gedeck verlieh nun in der Friedenskirche diesen Briefen einen heiteren, zärtlichen, gefühlvollen Ton. Sie weiß sehr viel über Brigitte Reimann, denn sie hat die DDR-Schriftstellerin 2004 in dem Fernsehfilm "Hunger auf Leben" gespielt. Da war Brigitte Reimann schon mehr als 30 Jahre tot; gestorben 1973 an Krebs.

Ihr berühmtestes Buch "Franziska Linkerhand" wurde erst posthum veröffentlicht. Ebenso ihre Briefe an Freunde und Familie. Von 1960 bis 1973 schrieb Brigitte Reimann regelmäßig an "Mu" und "Vati". Sie berichtete von dem Umzug nach Hoyerswerda, der Bewältigung des Alltags, über Geldsorgen, die Sehnsucht nach einem eigenen Auto, die Geburtstagsgeschenke und über ihr Schreiben. Durch die Auswahl der Briefe wird eine große Dekade gerade auch in der politischen Dimension deutlich.

Doch ebenso erfährt man von den Beziehungen der Brigitte Reimann; am Ende ist sie zum vierten Mal verheiratet. Sehr eindringlich ist ihre zärtliche Liebe zu den Eltern spürbar. Auch ihr Bruder Lutz kommt häufig vor, er ging 1960 in den Westen. Seine Republikflucht bleibt Thema. Anfangs glaubt Reimann an die Zukunft einer sozialistischen DDR, am Ende ihrer Tage, nach dem Einmarsch in der CSSR, wankt ihre Überzeugung.

Dass sie Schriftstellerin ist, merkt man ihren Formulierungen an: Sie ist immer bereit zur Auseinandersetzung, oft wendet sie die Sätze ins Heitere. Sie klagt und jammert nicht, selbst kurz vor ihrem Tod schreibt sie den Eltern liebevoll und dankbar.

Eine informative Einführung zu Leben und Werk von Brigitte Reimann gab Dr. Angela Drecher vom Aufbau-Verlag in der ausverkauften Kirche. Momente zum Nachsinnen ermöglichten die Musikstücke der Harfenistin Ulla van Daelen.

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