Das Bremer Klarinettenquartett hat bei der Silvesterserenade mit einer perfekten Mischung für Begeisterung gesorgt.

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Der Rittersaal der Burg Linn war an Silvester ausverkauft.

Der Rittersaal der Burg Linn war an Silvester ausverkauft.

Andreas Bischof

Der Rittersaal der Burg Linn war an Silvester ausverkauft.

Krefeld. Eine der schönsten Möglichkeiten, sich musikalisch auf das neue Jahr einzustimmen, ist die Silvesterserenade auf Burg Linn. Bereits zum dritten Mal übernahm das Bremer Klarinettenquartett die angenehme Aufgabe, dem Publikum im ausverkauften Rittersaal einen beschwingten Jahresausklang zu bescheren.

Allan Ware, Martin Kratzsch, Barbara Rößler und Christian Dawid bilden seit über 20 Jahren ein Ensemble, das sich musikalisch keine Grenzen gesetzt hat. "Wir spielen alles, was Qualität hat und sich für Klarinette eignet", sagen sie. Der Bogen reicht von Bach bis zu den Comedian Harmonists und den Beatles.

Für die jetzige Serenade stellten sie ihr Programm unter das Motto "Alt trifft Neu". Im Wechsel erklang Musik des 18. und 20. Jahrhunderts. Die älteren Stücke hat der Bassklarinettist des Ensembles, Christian Dawid, kongenial arrangiert. Das wurde gleich beim ersten Programmpunkt deutlich. Die vier Sonaten von Scarlatti, ursprünglich für Cembalo geschrieben, fügten sich in der Fassung des Quartetts zu einem virtuosen viersätzigen Stück zusammen. Als erfrischend erwies sich auch der musikalische Spaziergang durch die Mozart-Opern "Don Giovanni" und "Figaros Hochzeit".

Trotz Goldberg-Variationen verpasst niemand seine Silvesterparty

Ein Werk der französischen Komponistin Claude Arrieu brachte die Moderne ins Spiel. "Cinq Mouvements" orientiert sich zwar locker an der barocken Tanzsuite, erzeugt aber ganz andere Klangbilder, die manchmal in schrille Tonlagen gleiten.

Höhepunkt im zweiten Teil waren die wunderbaren Bearbeitungen von Bachs Goldberg-Variationen. Angesichts des langen Originals scherzte Kratzsch: "Wir spielen eine Fassung en miniature, sie verpassen also ihre Silvesterparty nicht". Was man dann zu hören bekam, war alles andere als eine Miniatur. Drei in sich geschlossene Dreiergruppen mit zwei- bis vierstimmigen Variationen bildeten ein feinsinnig verwobenes Satzgefüge, das Bachs polyphone Klänge in neuem Licht erstrahlen ließ.

Eine Steigerung schien kaum noch möglich, doch mit den teuflisch schweren Variationen eines berühmten Paganini-Themas von Joseph Horovitz zeigte sich das Quartett einmal mehr auf höchstem Niveau. Die gefällige Zugabe, ein swingendes Stück des einstigen Bigband-Arrangeurs Alec Templeton, riss das Publikum zu Bravo-Rufen hin - mehr als verdient für die Musiker.

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