Das Passions-Konzert des Bach-Ensembles in der Kreuzkirche Hüls überzeugt die Zuhörer.

Hüls
Sphärische Klänge und überraschend modern: Das Bach-Ensemble bekam viel Applaus.

Sphärische Klänge und überraschend modern: Das Bach-Ensemble bekam viel Applaus.

Andreas Bischof

Sphärische Klänge und überraschend modern: Das Bach-Ensemble bekam viel Applaus.

Krefeld. Für das Passions-Konzert des Bach-Ensembles Niederrhein war es dem Chorleiter Uwe Schulze wichtig, kein „depressives“ Programm zusammenzustellen. „Wir betrachten das Ganze vom Happy End aus, vom positiven Ende und dem Ausblick nach vorne.“ Johann Michael Bach (1648 bis 1694), ein Verwandter aus der Erfurter Linie des berühmteren Johann Sebastian Bach, bringt es im Titel „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“.

In der Leidensgeschichte Jesu das Positive herausstreichen

Mit weitgehend unbekannten Komponisten – neben dem Hauptwerk des Konzerts, der Johannespassion von Heinrich Schütz – gestaltete der Chor sein österliches Konzert in der Kreuzkirche in Hüls. Felice Anerio (1560 - 1614) und John Hilton (1560 - 1608) stellen die ältesten Komponisten dar, die das Bach-Ensemble Niederrhein dem Publikum präsentiert.

Die Auswahl dieser Stücke zeigt auch, dass hier musikalisch eine gewisse positive Stimmung in der Leidensgeschichte Christi den Schwerpunkt bildet. Dies wird auch in der gelungenen Interpretation durch den Laienchor deutlich.

Präzise und klar kommen die Stimmen und Inhalte herüber. In „Cruzifixus“, einer Motette zu zehn Stimmen, bieten die 16 Sängerinnen und Sänger ei-ne schöne Transparenz der vielen Stimmen. Da wird fast jeder zum Solisten.

Sehr sphärisch wie überraschend modern klingt dieses Werk des italienischen Hochbarocks und trotz der zehn verschiedenen Stimmen gelingt es dem Chor, einen meditativen Charakter herauszuarbeiten. Die solistischen Auftritte einzelner Ensemblemitglieder bestimmen auch die Johannespassion – im vollständigen Titel „Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi nach dem Evangelisten St. Johannes“ von Heinrich Schütz (1585 - 1672).

Für den Part des Evangelisten hat man den Tenor Christopher Winter engagiert, der sich gerade zum Opernsänger ausbilden lässt. Seine Passagen lassen jedoch eine stärkere Anteilnahme am gesungenen Geschehen, eine ergreifendere Präsentation vermissen.

Überzeugender ist da die Präsentation des Jesus durch den Absolventen der Folkwang-Hochschule und international auftretenden Bariton Christian Palm. Das Ensemblemitglied Bernhard Zanders ragt in seiner Rolle als Pilatus heraus, aber auch der Chor glänzt besonders im zweiten Teil der Johannespassion durch eine sehr lebendige und ausdrucksstarke Interpretation. Nach seinem ergreifenden Vortrag braucht es erst eine Weile, bis das Publikum wagt zu klatschen. Doch dann folgt ein langanhaltender Applaus.

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