Die Kölner Meisterschülerin Bettina Meyer zeigt bizarre Skulpturen im Kunstverein.

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Bettina Meyer hinter einer ihrer eigenwilligen Bronzeskulpturen.

Bettina Meyer hinter einer ihrer eigenwilligen Bronzeskulpturen.

DJ

Bettina Meyer hinter einer ihrer eigenwilligen Bronzeskulpturen.

Krefeld. Dass die Realität ganz schön idiotisch sein kann, stellen wir ja alle früher oder später fest. Im Kunstverein sucht man "Die Idiotie des Realen" auf den ersten Blick vergeblich, doch genau deshalb fand die Künstlerin Bettina Meyer den Titel so treffend. Er soll eine Art Warnung sein für den Betrachter: "Gerade weil meine Skulpturen so klassisch wirken, wollte ich den Bruch deutlich machen. Die Leute sollen sich Zeit nehmen."

Der Besucher ist gezwungen, eigene Perspektiven in Frage zu stellen

In der Tat besteht gerade bei den Körpern aus makellos glänzender Bronze die Gefahr, sie auf ihre Oberfläche und die bizarre Form zu reduzieren. Doch Meyer steuert gegen: Sie hat die Sockel, auf denen die Skulpturen stehen, eigenwillig arrangiert, auf unterschiedlicher Höhe, mit geöffneten Seitenwänden. Der Besucher ist gezwungen, die eigene Perspektive infrage zu stellen.

Die Kölnerin arbeitet oft jahrelang an ihren Objekten, stellt sie zur Seite, fasst sie neu an. "Mir ist wichtig, nichts wegzulassen", erklärt sie. Und genau so wirken die Arbeiten - vollständig, als wären sie immer so gemeint gewesen.

Bettina Meyer hat in Düsseldorf bei Klaus Rinke Bildhauerei studiert. Die Meisterschülerin arbeitete zunächst nur mit Fundstücken. "Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass alle Geschichten erzählt sind", sagt sie. Sie entdeckte Zeichnung, Fotografie, Animation, sogar die figürliche Skulptur, die ihrem Professor Rinke doch nie wichtig erschienen war: "Immer wenn ich denke, ich bin angekommen, gibt es eine Veränderung", sagt Meyer.

Die Schau im Kunstverein bedeutet ihr viel - als Rückschau und Selbsterforschung: "Wo komme ich her, wo will ich hin?" Skulpturen, sinnlich und sinnstiftend, wie Meyer sie versteht, scheinen der richtige Weg zu sein, eher als die seltsam nichtssagenden Bilder an der Wand. Selbst Rinke mag Meyers Figuren trotz aller grundsätzlichen Skepsis. "Ich sehe dich darin", hat er seiner ehemaligen Studentin erklärt.

Krefelder Kunstverein, Westwall 124. Di.-Fr., 10-12 Uhr und 16-18Uhr, So., 11.30-14.30 Uhr. Bis 7. Januar. Im Obergeschoss sind parallel die Jahresgaben 2010 zu sehen.

 

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