Fotograf Jari Berger greift das Tabuthema Demenz auf. Seine unsentimentalen Fotos zeugen von Respekt und Fingerspitzengefühl.

Jari Berger zeigt alte Menschen und deren Hände, die im Wortsinn eine Erinnerung festhalten – berührende, eindrucksvolle Fotos.
Jari Berger zeigt alte Menschen und deren Hände, die im Wortsinn eine Erinnerung festhalten – berührende, eindrucksvolle Fotos.

Jari Berger zeigt alte Menschen und deren Hände, die im Wortsinn eine Erinnerung festhalten – berührende, eindrucksvolle Fotos.

Andreas Bischof

Jari Berger zeigt alte Menschen und deren Hände, die im Wortsinn eine Erinnerung festhalten – berührende, eindrucksvolle Fotos.

Krefeld. Die Themen Alter und Demenz werden gerne beiseite geschoben. Doch Jari Berger, Fotograf aus Leidenschaft, hat seinen Blick bewusst auf alte kranke Menschen gerichtet und eine einfühlsame Fotoserie daraus gemacht. Eine Auswahl ist jetzt unter dem Titel "Siehe, der Mensch" im Kulturpunkt Friedenskirche zu sehen.

Berger ist vor Jahren in der eigenen Familie mit Alzheimer konfrontiert worden. "Damals konnte ich damit nicht umgehen, was ich heute bedauere" sagt er. Für sein Projekt wandte sich Berger an die Alzheimer-Gesellschaft, die den Kontakt zum St.-Peter-Stift im Kempen vermittelte.

Fast ein Jahr lang besuchte der Fotograf das Seniorenheim und knüpfte behutsam Kontakte. Er versuchte, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen, was nicht immer einfach war.

Bei an Demenz erkrankten Menschen rufen oft einzelne Gegenstände Erinnerungen hervor. Dieses Prinzip findet sich auch in den Bildern wieder. Es sind Doppelporträts, die das Gesicht eines Menschen zeigen und als zweites meist die Hände mit einem Gegenstand.

Das kann ein altes Familienfoto, eine Puppe oder ein Lippenstift sein. Letzterer gehört zu einer aufgeweckt in die Kamera blickenden Dame, die in ihrem Berufsleben mit Mode zu tun hatte. Solche Hintergründe, das Alter und der abgekürzte Name der Person stehen auf einer kleinen Tafel neben dem Bild.

"Siehe, der Mensch" ist im Kulturpunkt Friedenskirche, Luisenplatz 1, zu sehen. Die Ausstellung wird finanziell von der Alzheimer-Gesellschaft unterstützt.

Die Ausstellung läuft bis zum 22. Februar.

In den Bildern geben die Menschen mal mehr, mal weniger von sich preis. Berger ist es eindrucksvoll gelungen, in den durch die Demenz verschütteten Persönlichkeiten individuelle Züge herauszuarbeiten.

Die Klarheit und zugleich leichte Körnigkeit der Schwarz-Weiß-Fotos beschönigt nichts. Sie zeigen Falten in den Gesichtern und an den Händen, die vom Leben an sich erzählen.

Das ist es, was den Fotografen fasziniert: "Menschen, die Geschichten erzählen, nicht Architektur oder Landschaften." Eine unsentimentale Geschichte erzählt er mit seinem Doppelporträt eines Paares, das sich im Heim angefreundet hat.

Neben den Einzelporträts sind die sich berührenden Hände zu sehen. Und die Frau, die dem Mann für den Fototermin den Hemdkragen richtet. Eine selbstverständliche und liebevolle Geste.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer