Anna Gleen ist nach dem Abitur aus ihrer Heimatstadt geflohen. Nun zeigt sie den ewigen Meckerern deren schöne Seiten.

Fotografin Anna Gleen mit zwei von 18 Blickwinkeln auf Krefelds Innenstadt. Die Fotos haben alle das Extremformat 20 mal 110 Zentimeter.
Fotografin Anna Gleen mit zwei von 18 Blickwinkeln auf Krefelds Innenstadt. Die Fotos haben alle das Extremformat 20 mal 110 Zentimeter.

Fotografin Anna Gleen mit zwei von 18 Blickwinkeln auf Krefelds Innenstadt. Die Fotos haben alle das Extremformat 20 mal 110 Zentimeter.

A. Bischof

Fotografin Anna Gleen mit zwei von 18 Blickwinkeln auf Krefelds Innenstadt. Die Fotos haben alle das Extremformat 20 mal 110 Zentimeter.

Krefeld. Hätte die Fotografin Anna Gleen dem Teenager Anna Gleen von den Schönheiten Krefelds erzählt, sie hätte wohl auf Granit gebissen. "In der Jugend findet man hier alles doof und möchte nur weg", erinnert sich Gleen. Gleich nach dem Abi floh sie aus ihrer Heimat - und ist nun zurück, um den Krefeldern die Augen für die Schönheit ihrer Stadt zu öffnen.

"Es fällt auf, dass hier mehr gemeckert wird als anderswo", sagt Gleen. "Und dagegen habe ich eine Abneigung." Also ist sie mit ihrer Kamera durch die Innenstadt gestreift und hat wunderschöne Häuser entdeckt. 18 Bilder von Fassaden sind dabei entstanden, in Schwarz-Weiß und im Extremformat auf Aluplatte gezogen. Hieße die Ausstellung nicht "Blickwinkel Krefeld", man könnte sich in Paris wähnen.

Die Idee dahinter: Jeder soll seine vier Lieblingsmotive frei zusammenstellen und sein eigenes Bild von Krefeld komponieren. Die Fotos sind so geschickt verdichtet, dass sie selbst Ortskundigen Rätsel aufgeben. Mit dem Bildschnitt durchbricht Gleen bewusst die täglichen Sehgewohnheiten.

Ihre Bilder sagen: Seht genau hin, dann erkennt ihr ungeahnte Pracht. "Natürlich ist bei der Aktion auch Idealismus dabei", erklärt Gleen. "Ich habe ja bewusst die Innenstadt gewählt. Dass es am Stadtwald schön ist, weiß doch jeder."

Ein bisschen ärgerlich findet die Fotografin, dass die Stadt Krefeld nun eine ganz ähnliche Kampagne gestartet hat. "Die Postkarten-Aktion hat mir ein bisschen den Wind aus den Segeln genommen."

Geboren 1981 in Uerdingen, aufgewachsen in Oppum, besuchte Gleen die Montessori-Gesamtschule. Nach dem Abitur ging sie nach Köln, um Grafik- und Kommunikationsdesign zu studieren. 2006 kehrte sie zurück

2008 gründete Anna Gleen mit ihrem Bruder Boris und den Kollegen Judith Jughenn, Bastian Müller und Axel Stamm die Designapotheke.

Doch obwohl die Idee dadurch scheinbar an Originalität verliert, so ist Gleens Ansatz doch ein ganz anderer. Sie zeigt kein wahlloses Sammelsurium, sondern blickt gezielt und konzentriert auf ihre Stadt. Dass sie zurückgekommen ist, hat sie nicht bereut: "Wenn alle Kreativen weggehen, wird Krefeld ja auch nicht interessanter."

Ausstellungsort: Designapotheke, Hubertusstraße 113, 14., 15., 21., 22. Februar, 11 bis 17 Uhr, unter der Woche einfach klingeln

www.gleendesign.de

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