In Museum Burg Linn wird deutlich, wie die Stadt wächst.

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Sie puzzeln Krefeld zusammen: Christoph Dautermann mit Ingrid Kamphausen und Heide Gerritzen von den Museumsfreunden.

Sie puzzeln Krefeld zusammen: Christoph Dautermann mit Ingrid Kamphausen und Heide Gerritzen von den Museumsfreunden.

Andreas Bischof

Sie puzzeln Krefeld zusammen: Christoph Dautermann mit Ingrid Kamphausen und Heide Gerritzen von den Museumsfreunden.

Krefeld. Wer das Konstrukt Krefeld nie so recht verstanden hat, dem wird jetzt geholfen. Im Museum Burg Linn wird die Stadt zum Puzzle, das man beliebig auseinander nehmen und zusammensetzen kann.

Den Krefelder Eingemeindungen des 20. Jahrhunderts ist eine Ausstellung im dritten Obergeschoss gewidmet. Programmatischer Titel: "Krefeld wächst".

Vor 80 Jahren wurden Uerdingen, Gellep-Stratum, Fischeln, Traar, Teile von Ossum-Bösinghoven, Nierst und Lank-Latum aus dem Kreis Kempen und von St. Hubert mit Krefeld vereinigt.

Linn war bereits 1901 eingemeindet worden, Bockum, Oppum und Verberg 1907. Hüls kam erst 1975 dazu, nachdem es fünf Jahre lang Teil von Kempen war.

Um die Entwicklung "begreiflich" zu machen, haben Hans Jürgen Granzow und Paul Schroers das überdimensionale Puzzle gebastelt. Für Christoph Dautermann vom Museum ist dies bereits das erste Modul für die jüngere Stadtgeschichte.

"Krefeld wächst", Museum Burg Linn, Rheinbabenstraße, Di. bis So., 10 bis 18 Uhr. Über Pfingsten geschlossen. Führungen: Ruf 57 00 36.

Der Historiker Reinhard Feinendegen ist von der Ausstellung sehr angetan. Die in den Vitrinen präsentierten Originalverträge und -schreiben, teils noch in Handschrift verfasst, vermitteln für ihn einen direkten Eindruck.

Feinendegen, der viele Jahre lang Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde war, hofft, dass "es sich hier um einen Baustein für die im Aufbau befindliche stadtgeschichtliche Abteilung handelt." Sie soll ihren Platz in der Remise der Burg finden. Dort wären 320 Quadratmeter ein Anfang.

Die Dokumente hat Dautermann vom Stadtarchiv ausgeliehen. Dorthin kommen sie in einigen Monaten zurück, wenn er die nächste Ausstellung "Krefelder Köpfe" zeigt. Aber bis dahin will Dautermann exakte Kopien ziehen, die dann in Linn bleiben.

Um die Eingemeindungen ranken sich zahlreiche Geschichten und Anekdoten, die nicht alle in den Urkunden zu finden sind.

Feinendegen weiß, dass der Uerdinger Bürgermeister Wilhelm Warsch, später auch Oberbürgermeister von Krefeld und Regierungspräsident in Köln, 1928 beim Besuch einer Regierungskommission einen Möbelwagen am Stadteingang postieren ließ, der beim Eintreffen der Düsseldorfer Beamten ganz langsam losfuhr.

So zwang er sie, die vielen Protestplakate wie "Oeding blivt Oeding" zu lesen. Das hatte schließlich seine Wirkung: Uerdingen wurde nicht eingemeindet, sondern mit Krefeld vereinigt, "einmalig", weiß Feinendegen.

Dafür wurde sogar eigens ein Paragraf 13 der Gemeindeordnung geschaffen, der 1975 Vorbild war für die Bildung von Bezirksvertretungen im Land.

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