Als perfekte Ergänzung zu John Baldessari zeigen Allora & Calzadilla zwei Video-Arbeiten.

Allora & Calzadilla im Museum Haus Esters. Hinter ihnen frisst ein hungriger Bagger den Palast der Republik.
Allora & Calzadilla im Museum Haus Esters. Hinter ihnen frisst ein hungriger Bagger den Palast der Republik.

Allora & Calzadilla im Museum Haus Esters. Hinter ihnen frisst ein hungriger Bagger den Palast der Republik.

Andreas Bischof

Allora & Calzadilla im Museum Haus Esters. Hinter ihnen frisst ein hungriger Bagger den Palast der Republik.

Krefeld. Wo Allora & Calzadilla auftauchen, sind die Kamerateams längst verschwunden. Erst nachdem die Massenmedien mit ihren durchformatierten Bildern Orte und Ereignisse ins kollektive Gedächnis gebrannt haben, fängt die Arbeit der beiden Künstler an.

Zwei Video-Projektionen des schon biografisch interessanten Paares - Jennifer Allora ist Amerikanerin, Guillermo Calzadilla Kubaner - sind ab Sonntag in Haus Esters zu sehen. Sie bilden eine spannende, wenngleich zufällige Ergänzung zur grandiosen Baldessari-Ausstellung nebenan.

Ein zweiter Blick auf Hurrikan Katrina und auf den Palast der Republik

Beide Videos befassen sich mit den Spuren von Zerstörung und gestehen medial ausgeplünderten Orten einen zweiten Blick zu, einen, der tiefer geht.

Die Künstler haben zur Vorführung zwei Räume im Erdgeschoss der Villa abgedunkelt, die restlichen Zimmer bleiben leer und hell. "Der dritte Ort, um den es hier geht, ist das Haus selbst", sagt Sylvia Martin, Vize-Chefin der Kunstmuseen.

Die anderen beiden Schauplätze sind New Orleans und Berlin. Drei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan Katrina haben Allora & Calzadilla die Jazz-Metropole besucht. Sie zeigen friedliche Bilder des Mississippi - ein irritierender Kontrast zur Flut, die New Orleans verwüstet hat -, dann Details aus dem Inneren eines verlassenen Hauses, Schutt, eine verdreckte Toilette.

Die US-Amerikanerin Jennifer Allora (geb. 1974) und der Kubaner Guillermo Calzadilla, (geb. 1971) leben als Künstlerpaar auf Puerto Rico. Seit 1998 stellen sie weltweit gemeinsam aus.

In Krefeld zeigen sie "A Man Screaming Is Not a Dancing Bear" (2008) und das eigens erstellte Werk "How To Appear Invisible" (2009). Eröffnung: Sonntag, 11.30 Uhr; Di. bis So., 11 bis 17 Uhr.

Draußen steht ein Mann vor dem Fenster und trommelt rücklings auf der Jalousie herum. "Er scheint zu sagen: Lasst mich in Ruhe. Mein Leiden eignet sich nicht als Theater", erklärt Guillermo Calzadilla.

Noch eindrucksvoller die andere Arbeit: Sie zeigt den Abriss des Palasts der Republik. Vom sozialistischen Monument sind nur Trümmerberge übrig, Bagger machen sich wie hungrige Tiere über die noch stehenden Beton-Skelette her.

Dazwischen streunt als ironische Ikone ein deutscher Schäferhund herum, er trägt eine Werbung des Fast-Food-Multis "Kentucky Fried Chicken" als Halskrause.

Es ist, als suche der Hund mitten im kapitalistischen Erneuerungswahn die Spuren der sozialistischen Utopie. "Momentan hat man ja den Eindruck, dass beide Systeme am Rande des Kollaps’ stehen", sagt Jennifer Allora.

Das hintergründige Spiel mit den Symbolen der Verwüstung ist besonders reizvoll, wenn man es gedanklich mit Baldessari verbindet. Auch der eröffnet nebenan Ausblicke auf entfernte Orte und gefällt sich als großer Zerstörer, respektlos gegenüber den Zeugnissen der Vergangenheit.

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