Das Theater startet ein Projekt gegen Mobbing. Ein Schauspieler setzt sich fünf Minuten lang dem Willen der Schüler aus.

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Halil Yavuz spielt Jürgen Rickert – ein Schüler, der von Klassenkameraden gemobbt wird. Für alle Beteiligten ist es ein Experiment, wie die Jugendlichen reagieren,

Halil Yavuz spielt Jürgen Rickert – ein Schüler, der von Klassenkameraden gemobbt wird. Für alle Beteiligten ist es ein Experiment, wie die Jugendlichen reagieren,

Matthias Stutte

Halil Yavuz spielt Jürgen Rickert – ein Schüler, der von Klassenkameraden gemobbt wird. Für alle Beteiligten ist es ein Experiment, wie die Jugendlichen reagieren,

Krefeld. Es erfordert schon etwas Mut: Denn auch wenn das Theaterstück "Die erste Stunde" von Jörg Menke-Peitzmeyer mit einem vorgegebenen Text arbeitet, gibt es viele Unwägbarkeiten. Die Produktion kann von Lehrern aus Krefeld, Mönchengladbach und Neuss für ihre Schüler gebucht werden.

Ein Schauspieler geht ins Klassenzimmer und stellt sich als neuer Mitschüler Jürgen Rickert vor, der die Schule zum wiederholten Male wechseln musste, weil er immer wieder Mobbing-Opfer wurde. "Ich sage denen dann, dass sie fünf Minuten lang mit mir machen können, was sie wollen", beschreibt Schauspieler Halil Yavuz das Vorgehen seiner Figur im Stück. Ein Experiment, denn bislang hat Jürgen Rickert den Weg aus der Mobbingfalle noch nicht gefunden, wie Regisseurin Julia Kunert berichtet.

Die Landesregierung unterstützt das Projekt finanziell

Der Schauspieler kommt vom Neusser Theater Am Schlachthof, mit dem die Vereinigten Städtischen Bühnen für diese Produktion kooperieren. "Die Landesregierung unterstützt dieses Projekt", sagt Dramaturg Martin Siebold. Deshalb kostet die Buchung nur 90 Euro pro Aufführung, die einen erheblichen logistischen Aufwand erfordert.

Julia Kuhnert bewirft den Schauspieler bei den Proben eifrig mit Papierkügelchen, auch die Mitglieder es Jugendclubs wurden schon mit eingespannt und stören durch laute Gespräche "oder sie ignorieren mich komplett", beschreibt Vavuz. Er hat bereits Erfahrungen mit mobilen Produktionen, genau wie Kuhnert, die bereits in der siebten Spielzeit für die Städtischen Bühnen Regie führt.

"Wie die Schüler reagieren werden, können wir nicht wissen."

Verwundert war man beim Theater über die Reaktion vieler Lehrer, als man im Frühsommer das Stück bei Lehrern vorstellte. "Viele haben gesagt, dass es so etwas bei ihnen nicht gibt", erinnert sich Kuhnert. "Doch das Bewusstsein schärft sich allmählich."

"Wie die Schüler reagieren werden, können wir nicht wissen", gesteht sie ein. "Man kann davon ausgehen, dass es immer wieder anders sein wird", ergänzt Yavuz. Er ist sich sicher, dass er im Laufe der Vorstellung herausfinden wird, wer das Mobbing-Opfer in der jeweiligen Klasse ist.

Die Grenze zwischen Spiel und Realität wird verschwimmen

Die Grenzen zwischen Spiel und Realität werden nach Einschätzung von Kuhnert und Yavuz allmählich verschwimmen, auch wenn die Schüler wissen, dass es sich um eine Theatervorstellung handelt. "Wir können den Lehrern den Text auch vorab zuschicken", sagt Dramaturgin Vera Ring. Der Lehrer und ein Mitglied der Theater werden bei den Aufführungen dabei sein. "Das ist schon wegen der Aufsichtspflicht nötig", so Ring.

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