Einen würfelspielenden Amor aus Bronze hat ein Bauer aus Gellep 1852 entdeckt.

Dr. Christoph Reichmann, Sonderausstellung Alea iacta est, Museum Burg Linn; Ausstellung
Museumsleiter Christoph Reichmann über der Vitrine, in der ein römischer Fußbodenziegel mit einem aufgemaltem Spielbrett liegt.

Museumsleiter Christoph Reichmann über der Vitrine, in der ein römischer Fußbodenziegel mit einem aufgemaltem Spielbrett liegt.

Bischof, Andreas (abi)

Museumsleiter Christoph Reichmann über der Vitrine, in der ein römischer Fußbodenziegel mit einem aufgemaltem Spielbrett liegt.

Krefeld. Der Knabe hat Glück gehabt: Er hat beim Würfelspielen mit Tierknochen gewonnen. Für ihn sind die Würfel glücklich gefallen. „Alea iacta est. Glück und Spiel in der Antike“ heißt die neue Ausstellung im Museum Burg Linn. Der Knabe ist eine kleine bronzene Figur, die auf dem zugehörigen Plakat in die Sonderschau einlädt.

Der würfelspielende Amor gehört in die Sammlung des Düsseldorfer Stadtmuseums, gefunden wurde er allerdings 1852 von einem Bauern aus Gellep. „Dieser Fund ist die einzige überlieferte Kleinplastik aus Bronze mit der Darstellung eines würfelspielenden Amors“, sagt Museumsleiter Christoph Reichmann. Kulturgeschichtlich ist die Darstellung auf die Sage vom Goldenen Vlies zurückzuführen. In der Antike spielte man auch mit anderen, selbst gefertigten Würfeln, und auch um viel mehr: Manchen Germanen führte das Verlieren zum Verlust der Freiheit, in die Sklaverei. Das Spiel also als Glücksspiel, als Unterhaltung, als Zeitvertreib, als Wettkampf, und sogar als zukunftweisendes Orakel – zu allen diesen Aspekten werden Grabbeigaben und Funde in der Ausstellung gezeigt.

Spielfelder wurden in die Sitzbänke eingeritzt

Zu den Unterhaltungsspielen zählen die Brettspiele. Mühle wird immer noch gespielt, das „Soldatenspiel“ liegt zwischen Dame und Schach; und das „Zwölflinienspiel“ ähnelt Backgammon. Spielbretter aus Holz sind naturgemäß nicht erhalten, aber es gibt eine Steinplatte aus einem Gelleper Grab. In einem römischen Amphitheater waren Spielfelder in die Sitzbänke eingeritzt: Dort vertrieb man sich die Wartezeit mit einem kleinen Spielchen.

Die blutigen Spiele in den römischen Arenen werden hier mit einem gläsernen Zirkusbesucher, einer Tonschüssel und einem Bronzebecher gezeigt. Neben sechsseitigen Würfeln, Würfelbechern, seltenen Glasmurmeln und ganz vielen Spielsteinen sind auch Orakelsteine zu sehen. In Rhede im Kreis Borken fand man in einem Grab 13, von denen einige figürlich sind: Etwa ein Pferdebein, eine Sichel oder eine kleine Schale gehören dazu. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Steine zur Vorhersage der Zukunft verwendet wurden“, sagt Reichmann.

Besonders beeindruckend ist ein Bronze-Körper, der aus zwölf gleichmäßigen Fünfecken zusammengesetzt ist, die alle ein Loch in der Mitte haben. An den Ecken hat der sogenannte Pentagondodekaeder kleine Füßchen: Warf man den Körper, fielen unterschiedliche Orakelstäbchen aus den Löchern und dienten so der Weissagung.

Die Sonderausstellung „Alea iacta est. Glück und Spiel in der Antike“ ist vom 31. Mai bis 2. August im Museum Burg Linn zu sehen. Die Eröffnung ist am morgigen Sonntag um 11 Uhr in der Museumsscheune an der Rheinbabenstraße 85, die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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