An die 1950er bei Lauer-Böhlendorff erinnerten sich Ex-Mitarbeiterinnen beim Besuch der Ausstellung „Deutsche Couture“ im Textilmuseum.

Hildegard Knef
Die «Sünderin» Hildegard Knef im Juli 1951 in New York. Foto: UPI/dpa

Die «Sünderin» Hildegard Knef im Juli 1951 in New York. Foto: UPI/dpa

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Die «Sünderin» Hildegard Knef im Juli 1951 in New York. Foto: UPI/dpa

Anlässlich der Ausstellung „Deutsche Couture – Kleiderwunder der 50er- bis 70er-Jahre“ haben sich 24 ehemalige Mitarbeiterinnen der Firma Lauer-Böhlendorff im Deutschen Textilmuseum Krefeld getroffen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Arbeiten des in Krefeld tätigen Couturiers Werner Lauer (1910 bis 1973), die erstmals in diesem Umfang in einem Museum präsentiert werden.

Die Museumsleiterinnen Annette Schieck und Isa Fleischmann-Heck begrüßten die Frauen, die sich zum Teil nach 40 oder gar 50 Jahren zum ersten Mal wiedersahen. Bei Kaffee und Kuchen gab es in der Museumsscheue einen ersten Austausch. „Der überwiegender Teil der Damen waren ehemalige Auszubildende, daneben Gesellinnen, Directricen und eine Textildesignerin“, berichtet Fleischmann-Heck.

Erste Stoffe nach dem Krieg waren eher „Fusselszeug“

Der Couturier Lauer kam 1947 aus Berlin nach Krefeld. Sein erstes Nähatelier eröffnete er an der Gladbacher Straße mit 15 Angestellten. In den Gesprächen erinnerten sich die Ex-Mitarbeiterinnen, dass die ersten Stoffe nach dem Krieg eher „Fusselszeug“ waren. Doch das änderte sich bald. „Die Entwürfe in den ersten Jahren orientierten sich stark am französischen New Look“, so Fleischmann-Heck.

In der geselligen Runde kamen manche Erinnerungen an die damalige Zeit auf. So erzählte eine der Frauen von ihrer Lehrzeit bei Lauer: Zwischen 1963 und 1965 durfte sie mehrmals zur „Berliner Durchreise“, zur Messe, jeweils im Frühjahr und Herbst mitreisen. Auch von der alltäglichen Arbeit berichteten die einstigen Angestellten: Seit den 50er-Jahren betrieb der Couturier mehrere Ateliers in Krefeld. Die Arbeit dort sei geprägt gewesen von korrekter, geradezu „pingeliger“ Schneiderei und Fertigung von Accessoires. Beispielsweise wurden Knöpfe jeweils selbst in den Ateliers eingefärbt. Lauer bezog mit seiner Firma dann Räume an der Kaiserstraße/Hüttenallee. Dort standen ihm ein Büro, Entwurfsatelier und Vorführräume zur Verfügung. Als erfahrener Couturier habe er großen Wert auf beste Schnitte und Materialien gelegt.

Neue Erkenntnisse sollen in Publikation einfließen

„Kundinnen der 1950er-Jahre waren unter anderem die Ehefrau von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, der mit seiner Frau im Wagen und Chauffeur zur Anprobe nach Krefeld kam, und die Schauspielerin Hildegard Knef“, sagt Fleischmann-Heck.

Gemeinsam besuchten die Mitarbeiterinnen jetzt noch die Ausstellung im Textilmuseum. Die bei diesem Treffen neu gewonnenen Erkenntnisse sollen in eine umfangreiche Publikation über Lauer-Böhlendorff einfließen, die im Laufe des Jahres 2019 erscheinen wird. Das Textilmuseum zeigt noch die Ausstellung „Deutsche Couture“ noch bis morgen. Dazu ist eine Ausstellungsillustrierte erschienen, die es für sechs Euro an der Museumskasse gibt. Red

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