Theodor Pelster hat seine Tätigkeit als Literaturvermittler bei der Volkshochschule beendet.

Theodor Pelster hat seine Tätigkeit als Literaturvermittler bei der Volkshochschule beendet.
In seinem Zuhause ist Theodor Pelster von Büchern umgeben. Literatur ist seine große Leidenschaft. Archiv

In seinem Zuhause ist Theodor Pelster von Büchern umgeben. Literatur ist seine große Leidenschaft. Archiv

abi

In seinem Zuhause ist Theodor Pelster von Büchern umgeben. Literatur ist seine große Leidenschaft. Archiv

Auf bewährte Weise begann die Volkshochschule (VHS) ihr neues Semester mit einer Lesung: Büchner-Preisträger Jan Wagner las eigene Lyrik und Prosa. Und das zur großen Begeisterung seines Publikums. Der Muche-Saal der VHS war nahezu ausverkauft. Die Zuhörer mochten die Art des Vorlesens – Wagner hat eine wunderbare Stimme. Sie mochten seine Gedichte und ihre Assoziationen, sie mochten die sprachlich fein gefeilten Essays, die „Postkarten“ aus der Ferne und die biografischen Skizzen. Und Wagners klugen Humor. Jan Wagner ist ein Dichter, bei dessen Vortrag Klang und Bedeutung eine wundervolle Verbindung eingehen. Das gefiel ausnehmend.

Die Einführung zu diesem Abend hielt der Lehrer und Literaturwissenschaftler Theodor Pelster, der auch die anschließende Fragerunde moderierte. „Wagners Gedichte sind Wiedergebrauchstexte“, formulierte er, „man kann sie immer wieder lesen und findet auch immer wieder etwas Neues darin.“ Für Theodor Pelster war es die 50. Vorstellung eines Schriftstellers – und zugleich seine letzte. Der 80-Jährige hat seine Tätigkeit an der VHS damit beendet. Andreas Gräbner von der VHS würdigte Pelsters langjährige Mitarbeit: „Eine Ära geht zu Ende“, sagte er, „wir danken Dr. Pelster sehr herzlich für die langjährige Tätigkeit der Literaturvermittlung.“ Das tat auch das Publikum mit einem Applaus, der etwas länger war als der für Jan Wagner.

„Eine Ära geht zu Ende. Wir danken Dr. Pelster sehr herzliche für seine langjährige Tätigkeit der Literaturvermittlung.“

Andreas Gräbner von der Volkshochschule

Mit einem Vortrag zur „Sprache im geteilten Deutschland“ beim Krefelder Bildungswerk, Vorgängerin der VHS, hat 1967 alles angefangen. Pelsters erstes Thema brachte den DDR-Schriftsteller Stefan Heym dazu, eine Lesung vorzuschlagen. Er kam und las aus „5 Tage im Juni“. Das Buch wurde dann später bei Bertelsmann, also im Westen, veröffentlicht. Dieser Tradition blieb Pelster verpflichtet: Gute, große, interessante Schriftsteller nach Krefeld zu holen und ihre Werke der Leser- und Zuhörerschaft zu vermitteln.

Von den 50 Autoren in 50 Jahren hat er Widmungen bekommen; ihre Werke füllen mehrere Regale in Pelsters Haus. Bei Günther Wallraff waren Polizisten in Zivil dabei: „Ein harmloser Abend“, sagt Pelster. „Glänzend“ war es mit Walter Kempowski und „toll“ mit Andreij Szczypiorsky (1998). „Das war der erste, der sich bei mir bedankt hat“, erinnert sich Pelster. Genauso Ulla Hahn, die 2015 in Krefeld zu Gast war.

Ein neues Feld der Literatur eröffneten ihm beispielsweise Navid Kermani und Guntram Vesper, mit dessen Werken er sich erst in der Vorbereitung befasst hat. Die Schriftsteller haben Pelster und Andreas Gräbner gemeinsam ausgewählt: „Das war eine großartige Zusammenarbeit“, sagen beide. Pelster hat – immer in Ergänzung zu seiner Lehrertätigkeit – in der VHS 150 Vorträge gehalten. Dabei hat er sich nie wiederholt, wenn auch manches Lieblingsthema wie etwa Theodor Fontane in unterschiedlicher Ausführung mehrfach vorkam.

Er hat sich verdient gemacht um die deutsche Literatur, indem er mit einem Deutsch-Leistungskurs nach Weimar reiste und damit diesen Weg auch für andere Gruppen öffnete. In Krefeld hat Pelster die Idee des Niederrheinischen Literaturpreises auf den Weg gebracht und dazu das Buch „Ausgezeichnet?!“ verfasst. Er gehörte bis 2009 zur Jury. Außerdem hat Pelster eigene Bücher verfasst, die einen starken autobiografischen Anteil besitzen. Darin kommt auch ein Mensch vor, der Pelster immer zur Seite steht: „Ich habe alles mit meiner Frau Dorothea gemeinsam gemacht“, sagt er, „wir führen ein zufälliges, glückliches Leben.“

» Büchner-Preisträger Jan Wagner las aus seinem Lyrikband „Selbstporträt mit Bienenschwarm“, 2015, „Der verschlossene Raum. Beiläufige Prosa“, 2017, und aus Manuskripten.

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