Bilanz: Die Retrospektive ist die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte der Häuser Esters und Lange. Sogar der Parkettboden hat gelitten.

wza_1500x1000_434796.jpeg
Als der Meister selbst vorbei kam, drückten sich die Krefelder an der Scheibe fast die Nasen platt. (Archiv

Als der Meister selbst vorbei kam, drückten sich die Krefelder an der Scheibe fast die Nasen platt. (Archiv

Lothar Strücken

Als der Meister selbst vorbei kam, drückten sich die Krefelder an der Scheibe fast die Nasen platt. (Archiv

Krefeld. Wer leichtsinnig genug war, an einem Sonntag die Gursky-Ausstellung zu besuchen, weiß es längst: Die Krefelder Werkschau des berühmten Fotografen bricht alle Rekorde. "Bis Sonntag werden rund 45 000 Besucher die Retrospektive gesehen haben", berichtet Museumsdirektor Martin Hentschel auf WZ-Anfrage. "Damit ist sie die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte der Häuser Esters und Lange."

So sehr Hentschel sich über diesen Erfolg freut, es gibt auch eine Kehrseite: Die Mies-van-der-Rohe-Häuser, die 1955 bzw. 1981 zu Museen umfunktioniert wurden, stoßen mit einer solchen Ausstellung an ihre Belastungsgrenze: "Mehr geht hier nicht", sagt Hentschel. "Die Leute stehen sich teilweise auf den Füßen."

Auch der historische Parkett-Fußboden der beiden Villen hat laut Hentschel massiv unter dem Andrang gelitten: "Gerade bei dem feuchten Wetter wird der Boden arg malträtiert. Er bedarf nun einer sorgsamen Pflege."

Gursky ist Zeitgeist, ein Phänomen der weltweiten Popkultur

Am Sonntag geht "Werke 80-08" zu Ende, die nächste Ausstellung mit John Baldessari beginnt erst im März. Gurskys Arbeiten werden in der Zwischenzeit abgehängt, verpackt und nach Schweden gebracht. Im Moderna Museet in Stockholm hat die Retrospektive ab Mitte Februar ihre zweite Station, angereichert durch sechs weitere Großformate. Dritte und letzte Anlaufstelle wird Vancouver sein.

In Krefeld hat Gursky zeitweise ein regelrechtes Fieber ausgelöst. "Selbst Mitarbeiter, die seit 20 Jahren dabei sind, können sich nicht an etwas Ähnliches erinnern", sagt Martin Hentschel. Besonders erfreulich findet der Museumschef, dass viele jüngere Leute in die Ausstellung strömen und viele Menschen, die sonst nichts ins Museum gehen. "Gurs-ky spricht nicht nur Kunstinteressierte an", erklärt Hentschel. "Er deckt den Zeitgeist ab, ist Teil der weltweiten Popkultur."

Auch die Stadt Krefeld profitiert von Gursky - nicht nur in Sachen Image. Denn neben ausländischen Besuchern und Artikeln in nationaler und internationaler Presse bringt die Ausstellung rund 100 000 Euro ins Stadtsäckel. Das entspricht dem Ausstellungs-Etat der Kunstmuseen für das ganze Jahr.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer