Es gab fristlose Kündigungen beim Tierfutterriesen. Die Gewerkschaft Verdi prüft eine Anzeige und möchte sich noch diese Woche äußern.

Nachgehakt
Fressnapf hat seine Firmenzentrale an der Westpreußenstraße in Linn. Archiv: Andreas Bischof

Fressnapf hat seine Firmenzentrale an der Westpreußenstraße in Linn. Archiv: Andreas Bischof

Der Generalsekretär von Verdi, Dominik Kofent (l.), und DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke. Archiv

Der Generalsekretär von Verdi, Dominik Kofent (l.), und DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke. Archiv

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Fressnapf hat seine Firmenzentrale an der Westpreußenstraße in Linn. Archiv: Andreas Bischof

Krefeld. Verdi will am Mittwoch entscheiden, ob es für eine Strafanzeige gegen den Tierfutterriesen Fressnapf reicht. Verdi-Generalsekretär Dominik Kofent und sein Team haben über den Sommer vergleichbare Urteile gesichtet, juristisch geprüft und Details gesammelt. Ein schwieriges Unterfangen.

Das Unternehmen hatte im Juli mit fünf fristlos gekündigten Mitarbeitern, die vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Entlassung vorgegangen waren, Einigungen erzielt. Der Deal: Fressnapf zahlt eine Abfindung und stellt ein ordentliches Zeugnis aus. Dafür dürfen die ehemals Beschäftigten nicht mehr behaupten, wegen der Vorbereitungen auf die Gründung eines Betriebsrats gekündigt worden zu sein. Verdi und auch der DGB wollen das nicht so auf sich beruhen lassen, sehen stark eingeschüchterte und über soziale Medien gestalkte Arbeiter, die wegen ihrer wirtschaftlichen und psychischen Situation letztendlich keine andere Chance gesehen hätten, als sich auf den Handel einzulassen.

Juristischer Maulkorb zwingt Betroffene, zu schweigen

Kofent ist sehr verärgert: „Fressnapf hat sich nach allen Regeln der Kunst freigekauft, das können wir nicht zulassen. Wir kennen die Geschichten und Abläufe und haben alles getan, um an belastbare Aussagen zu kommen.“ Ob es für eine Klage ausreicht, darum geht es jetzt. Die Betroffenen schweigen seither, versehen mit einem juristischem Maulkorb. Die Anwälte, heißt es, hätten die Faust in der Tasche. Für Verdi ist es so schwierig, an Material oder gar Kronzeugen zu kommen. Doch es ist ja nicht so, als hätten die Betroffenen ihre Geschichten nicht schon mehrfach erzählt, bevor Fressnapf in die Tasche griff. Dem Krefelder Arbeitslosenzentrum, den Anwälten, dem DGB.

DGB-Landesgeschäftsführer Ralf Köpke hatte den Skandal öffentlich gemacht. Er blickt heute mit „Verärgerung und Sorge auf die Entwicklung bei Fressnapf. Die fristlosen Kündigungen für mehrere Beschäftigte im Frühjahr diesen Jahres stehen auch nach Auffassung des DGB in direktem Zusammenhang mit einem Treffen außerhalb des Werkes, wo sich bis zu 17 Beschäftigte über die Gründung eines Betriebsrates bei dem Krefelder Unternehmen unterhalten haben.“ Egal, ob es nun zur Klage komme oder nicht: „Für uns bleibt ein bitterer Beigeschmack, es stünde Fressnapf gut zu Gesicht , wie zahlreiche anderen Krefelder Unternehmen nach den Spielregeln einer modernen und mitbestimmten Wirtschaft auch die Einrichtung eines Betriebsrates zu fördern“, schimpft Köpke, der nach wie vor Krefelder DGB-Vorsitzender ist. „Mitbestimmung tut nicht weh und nutzt in aller Regel auch dem Unternehmenserfolg, wie zahlreiche Studien aus der Vergangenheit belegen.“

Sieben Mitarbeitern wurde im März fristlos gekündigt

Die WZ hatte recherchiert, dass sieben Mitarbeiter am 23. März eine fristlose Kündigung im Briefkasten hatten, nachdem es wenige Tage zuvor eine Versammlung von 17 Fressnapf-Kollegen in einem auswärtigen Ladenlokal gegeben hatte. Grund der Zusammenkunft, die von eben jenen fünf Abgefundenen organisiert worden war: die Gründung eines Betriebsrats und der Eintritt in die Gewerkschaft.

Kofent sagt: „Wenn wir eine Aussicht auf Erfolg haben, werden wir in jedem Fall Strafanzeige stellen. Das Problem derzeit ist noch der Unterschied zwischen tatsächlichen Aktivitäten zur Gründung eines Betriebsrates und einer informellen Vorversammlung mit dem gleichen Ziel. Aber wir arbeiten daran.“

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