In einem Vergleich der Tourismuswirtschaft am Niederrhein schneidet Krefeld schlecht ab.

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Fahrradausflügler in Uerdingen: In ihrer neuen Imagebroschüre betont die Stadt Krefeld die Nähe zum Rhein.

Fahrradausflügler in Uerdingen: In ihrer neuen Imagebroschüre betont die Stadt Krefeld die Nähe zum Rhein.

„Jeder kämpft für sich, anstatt Ressourcen zu bündeln“, sagt der Geschäftsführer der IHK, Dieter Porschen. Archiv

Andreas Bischof, Bild 1 von 2

Fahrradausflügler in Uerdingen: In ihrer neuen Imagebroschüre betont die Stadt Krefeld die Nähe zum Rhein.

Krefeld. Braucht die Stadt Krefeld Partner zur besseren Vermarktung des eigenen Tourismussektors? Nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein lautet die Antwort auf die Frage ganz klar ja. Eine von der IHK in Auftrag gegebene Studie hat die Tourismuswirtschaft am Niederrhein unter die Lupe genommen. Verglichen wurden die Kreise Neuss, Viersen, Kleve, Wesel und Heinsberg sowie die Städte Mönchengladbach und Krefeld. Die Ergebnisse für die Samt- und Seidenstadt fallen dabei wenig berauschend aus.

Krefeld generiert nur sieben Prozent des Bruttoumsatzes Lediglich sieben Prozent am generierten Bruttoumsatz von geschätzt 2,17 Milliarden Euro beträgt der Anteil, der am Niederrhein durch Tourismus in Krefeld im vergangenen Jahr erwirtschaftet wurde. Schlechter schnitt in der Studie nur der Kreis Heinsberg ab, dessen Anteil sich auf sechs Prozent beläuft. Im Vergleich dazu verbucht der Rhein-Kreis Neuss mit dem Anteil von 26 Prozent den touristisch bedingt höchsten Umsatz im Untersuchungsgebiet. Noch viel bedenklicher sollten hingegen die Zahlen stimmen, die die Studie für Krefeld im Bereich Tourismusintensität (Übernachtungen je 1000 Einwohner pro Jahr) zeigt. Hier belegt Krefeld nur den 31. Platz von 42 Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen.

Krefelder landet bei den Übernachtungen hinter Viersen Mit 1078 Übernachtungen je 1000 Einwohner pro Jahr siedelt sich die Stadt hinter dem Kreis Viersen (Platz 28), aber vor Mönchengladbach (Platz 33) an. Die IHK bezeichnet den Niederrhein im Vergleich zu anderen Regionen in Nordhein-Westfalen bei der Tourismusintensität als Region, die nicht mit Wachstumsdynamik Schritt halten kann. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, sieht die fehlende Bündelung der regionalen Kräfte als Ursache dafür, dass der Niederrhein im NRW-Vergleich der Übernachtungen pro Jahr nur den vorletzten Platz belegt: „Zurzeit kämpft jeder für sich, anstatt Ressourcen zu bündeln.“ Seit dem Ausstieg aus der Niederrhein Tourismus GmbH Anfang 2014 vermarktet sich Krefeld im Bereich Tourismus eigenständig.

Seit dem Ausstieg aus der Niederrhein Tourismus GmbH hat sich der Arbeitskreis Tourismus in Krefeld zur Aufgabe gemacht, Besucher in die Stadt zu locken und neue Konzepte zu entwickeln. Angesiedelt ist die Initiative bei Ulrich Cloos, dem Leiter des Stadtmarketings. 

Laut der von der IHK in Auftrag gegebenen Studie „Tourismuswirtschaft am Niederrhein“ lag die Zahl der Übernachtungen und Aufenthaltstage am Niederrhein bei rund 70 Millionen. Die Steuereinnahmen sollen bei geschätzt 52 Millionen Euro liegen.

Am Rande der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin hatte Ulrich Cloos, der Leiter des Stadtmarketing, Anfang März erklärt, durch eine Tourismus-Studie mit dem Rhein-Kreis-Neuss und der Stadt Mönchengladbach ein gemeinsames touristisches Profil herauszufiltern. Gleichzeitig gab die Stadt auf der ITB an, sich im Tourismusbereich auf die Leitthemen Architektur und Kultur zu besinnen. Giuseppe Buonanno, der Inhaber der Villa Medici, glaubt jedoch, dass Krefeld sich noch erfolgreicher und ressourcenschonender vermarkten könnte. „Krefeld hat viele Vorzüge – vor allem im Freizeit-Bereich und beim Geschäftstourismus“, sagt Buonanno. Als Grund für Krefelds schwache Tourismuszahlen führt die Studie übrigens keine Gründe ins Land. Außer einer Zusammenschließung der niederrheinischen Kreise und Städte wird zudem keine Lösung aufgezeigt.

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