Die Schäden des harten Winters 2009/2010 werden jetzt deutlich übertroffen. Immer mehr Stellen gleichen einer Kraterlandschaft.

Schlaglöcher
Kraterlandschaften auf Krefelds Straßen. Jetzt, wo Schnee und Eis getaut sind, kommen immer mehr Schäden zutage.

Kraterlandschaften auf Krefelds Straßen. Jetzt, wo Schnee und Eis getaut sind, kommen immer mehr Schäden zutage.

Dirk Jochmann

Kraterlandschaften auf Krefelds Straßen. Jetzt, wo Schnee und Eis getaut sind, kommen immer mehr Schäden zutage.

Krefeld. Was Schnee und Eis in diesen Tagen frei geben, werten Kritiker als Beleg für 20 Jahre verfehlter Kommunalpolitik. Straßen und Gehwege der Stadt gleichen einer Kraterlandschaft. Die Schäden des harten Winters 2009/2010 werden deutlich und für jeden Bürger der Stadt spürbar übertroffen.

Es rächt sich, dass aufgrund fehlender Mittel schon vor einem Jahr vom Fachbereich Tiefbau nur Flickschusterei betrieben wurde. Die damals vom SPD-Fraktionschef Ulrich Hahnen geschätzten 10 000 frostbedingten Schlaglöcher auf den rund 880 Kilometer Straßen der Stadt wurden aus Geldmangel vielfach nur notdürftig gestopft und boten der Witterung in diesem Winter noch größere Angriffsflächen.

Sofortbedarf für Reparaturen liegt bei 200 Euro pro Schlagloch

Der renommierte Straßenbauexperte Professor Bernhard Steinauer von der RWTH Aachen schätzt den Sofortbedarf für Schlaglochreparaturen auf rund 200 Euro pro Schaden. Für eine grundlegende Reparatur würden danach noch mal rund 500 Euro zu veranschlagen sein. Der Aufwand von 700 Euro pro Schadstelle würde bei der Hahnen-Schätzung rund sieben Millionen Euro betragen. Die Tiefbauer der Stadt hatten in den vergangenen Jahren dafür aber nur rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Politiker kennen das Problem. Im Finanzausschuss am 26. November 2010 wurde ein Antrag der Sozialdemokraten abgelehnt, für die Grundsanierung von Straßen und Radwegen im Stadtgebiet zusätzlich insgesamt 500 000 Euro bereitzustellen.

Vor fast genau einem Jahr rechnete die WZ nach, welche Investitionen in den vergangenen 20 Jahren für ein gepflegtes Straßennetz nötig gewesen wären.

Fehlbetrag wird auf fünf Millionen Euro pro Jahr beziffert

Unter gewissen Umständen muss die Stadt haften. Laut Sprecherin Angelika Peters müsse die Stadt die Kosten für den entstandenen Schaden dann übernehmen, „wenn das Schlagloch fünf Zentimeter tief und der Stadt bereits bekannt ist.“ Sollte die Stadt in einem angemessenen zeitlichen Rahmen nicht reagiert haben, muss sie für die Kosten aufkommen.

Der Antragsteller sei dabei aber in der Beweispflicht. Ersatzforderungen an die Stadt für Schäden, die sich aus dem Straßenzustand ergeben, sind deshalb nur schwer durchzusetzen.

Gestützt auf wissenschaftliche Zahlen beziffert sich der Fehlbetrag jährlich auf über fünf Millionen Euro. Fünf Millionen, die nicht in eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Instandhaltung des Straßennetzes investiert wurden. Und dieses Missverhältnis besteht seit rund 20 Jahren. Überschlägig (Inflation oder Preisentwicklung ausgeklammert) ergibt das eine Summe von mehr als hundert Millionen Euro (WZ vom 30. Januar vergangenen Jahres).

„Der Winter dauert bis zum 21. März“

Der Fachbereich Tiefbau wollte gegenüber der WZ nicht zum Ausmaß der Schäden Stellung nehmen. Er ließ durch das Presseamt der Stadt Krefeld mitteilen, dass „der Winter am 21. März endet, insofern ist er weder zu Ende, noch ist es ausgeschlossen, dass es noch weitere Frostzeiten und mehr Schneefall geben wird.“ Derzeit seien die sechs Straßenbegeher dabei, die Schlaglöcher digital festzuhalten.

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