Sara Dahlem (24) hat in einem Fotogeschäft erschreckende Entdeckungen gemacht. Gegen den Willen ihres Chefs gab sie eine Anzeige auf.

Sara Dahlem hat mit ihrer mutigen Entscheidung Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs ins Rollen gebracht.
Sara Dahlem hat mit ihrer mutigen Entscheidung Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs ins Rollen gebracht.

Sara Dahlem hat mit ihrer mutigen Entscheidung Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs ins Rollen gebracht.

Jochmann, Dirk (dj)

Sara Dahlem hat mit ihrer mutigen Entscheidung Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs ins Rollen gebracht.

Krefeld. Es ist ein Großauftrag, den Sara Dahlem im Oktober vergangenen Jahres im Fotogeschäft entgegennimmt: Gut 1000 Fotos bringt ihr ein Kunde auf einem Speicherstick, will sie jeweils einmal abgezogen haben. Unbearbeitet. Doch die 24-Jährige muss schon kurz darauf feststellen, dass es ohne Bearbeitung nicht geht: „Das Format der Bilder stimmte nicht. Sonst wären beispielsweise die Köpfe abgeschnitten worden.“ Was sie dann zu sehen bekommt, verschlägt ihr den Atem: Ganz offensichtlich waren Kinder gegen ihren Willen nackt fotografiert worden.

„Mir war richtig schlecht, ich hatte Bauchschmerzen.“

Sara Dahlem

Zunächst begann der Kundenauftrag wie so viele. Beim Bearbeiten blickt Sara Dahlem auf Familienfotos, auf denen auch zwei Kinder zu sehen sind. Das ändert sich irgendwann. Dann sieht die Krefelderin in ausdruckslose oder traurige Gesichter von Kindern. Nackten Kindern. „Immer wieder gab es auch Fotos, wo eindeutig das Geschlechtsteil im Mittelpunkt stand“, sagt die 24-Jährige. Sie ruft ihren Chef hinzu. Erst einmal, dann wieder bei einem derartigen Bild. „Er hat gesagt, da könnten wir nichts machen. Es wäre ja kein direkter Missbrauch zu sehen.“

So schaut sich Sara Dahlem schließlich alle Fotos an, gut drei Stunden lang, findet immer mehr derartiger Abbildungen. „Mir war richtig schlecht, ich hatte Bauchschmerzen“, schildert die junge Frau. Ihr Chef sieht dennoch keinen Grund, zu handeln. Den Vorschlag der Mitarbeiterin, die Polizei zu alarmieren, lehnt er ab.

Die Polizei nahm den Vorfall sehr ernst

Doch Sara Dahlem lässt das alles keine Ruhe. „Das ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.“ Kurz vor Feierabend speichert sie die Fotos auf eine Karte und geht damit zur Polizei. Im Präsidium am Nordwall wird eine Anzeige aufgenommen – und die Angelegenheit sehr ernst genommen. Schon am nächsten Tag sind Ermittler bei ihrem Chef. Der zum Erstaunen der Mitarbeiterin das alles für richtig und wichtig hält. Die 24-Jährige erfährt das erst später, sie hat an dem Tag frei. Der Ladenbesitzer ruft sie daher an, und sie muss sich harsche Worte anhören. Aber auch, dass die Polizei die Angelegenheit als harmlos ansehe. Die junge Frau ruft daraufhin erneut bei den Ermittlern an und erfährt, dass dies dort im Gegenteil als sehr ernst eingestuft wird.

Als Sara Dahlem am nächsten Tag wieder zur Arbeit kommt, erhält sie die Kündigung. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sah mein Chef als nicht mehr gegeben an. Womit er natürlich Recht hatte“, schildert sie. Weil er ihr für die Arbeitsagentur bescheinigt, dass sie während des Arbeitsverhältnisses Daten gestohlen und das Vertrauen missbraucht habe, bekommt sie auch noch Probleme mit dem Jobvermittler. „Aber da hat sich die Polizei unglaublich reingehängt und mir geholfen. Hinterher war beim Arbeitsamt alles klargestellt.“

Polizei: Verdacht des Kindesmissbrauchs hat sich bestätigt

Arbeitssuchend ist die 24-Jährige immer noch. Zurzeit engagiert sie sich als Tänzerin in Jugendzentren und unterstützt die Aktion „Tanzen statt Prügeln“. Wenn alles klappt, will sie sich mit dem Tanz in zwei bis drei Monaten selbständig machen.

Von der Polizei bekommt sie für ihr Verhalten ein Riesenlob. „Unsere Ermittlungen haben den Verdacht des Kindesmissbrauchs bestätigt“, sagt Behördensprecher Wolfgang Weidner. Das Verfahren liege derzeit bei der Staatsanwaltschaft.

Für ihre Zivilcourage ist Sara Dahlem am Montag gemeinsam mit anderen Krefeldern von Stadt und Polizei geehrt worden.

Von weiteren Krefeldern, die sich für andere stark gemacht haben, lesen Sie in der Dienstagsausgabe der WZ Krefeld.

Ein Hinweis der Redaktion zum Foto: Das Bild wurde in der Uerdinger Fußgängerzone aufgenommen. Das ist jedoch kein Hinweis auf den Standort des Fotoladens. Um welches Geschäft es sich handelt, ist auch der Redaktion nicht bekannt.

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