Dr. Hans Hoorn setzt auf private und öffentliche Gelder, autofreie Städte und Magnetwirkungen.

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Dr.Hans Hoorn setzt auf private und öffentliche Gelder.

Dr.Hans Hoorn setzt auf private und öffentliche Gelder.

Dr.Hans Hoorn setzt auf private und öffentliche Gelder.

Krefeld. In Europa gibt es derzeit einen harten Wettkampf der Städte um Investoren, neue Arbeitsplätze, Einwohner und Besucher. Die gewinnt man laut Dr. Hans Hoorn durch Attraktivität. Eine Ansicht, die 48 Prozent aller Leser bei der WZ-Umfrage "2020" teilen. Der frühere Stadtplaner von Maastricht veranschaulicht im Gespräch, wie eine Stadt attraktiv wird.

Lassen Politiker in Maastricht der Verwaltung freie Hand?

Hans Hoorn: Ja, sie haben das Vertrauen in die Kompetenz und Qualität der Arbeit der Stadtplanung. In vielen deutschen Städten fehlen hingegen das Vertrauen oder kompetente Menschen im Bereich Stadtentwicklung. In Maastricht sind dafür allein 250 Mitarbeiter eingesetzt, von Planung über Bau- bis hin zur Verkehrsplanung.

Wie hat Maastricht in den vergangen Jahren die zahlreichen Maßnahmen finanziert?

Hoorn: Diese kostenintensiven Vorhaben sind nur möglich mit Public-Private-Partnership und finanzieller Unterstützung aus Den Haag und Brüssel. Eine Stadt braucht dazu eine Lobby-Politik. Um die richtige Frage nach Unterstützung zur richtigen Zeit an die richtige Person zu richten. Noch wichtiger ist es, Investoren zu finden, die Qualität selbst groß schreiben, nicht das Lenkrad der Gemeinde übernehmen wollen und die sich langfristig an die Stadt binden wollen.

Maastricht hat die Autos weitgehend aus der Innenstadt verbannt. Gab es Proteste?

Hoorn: Es ist eine Wahn-Idee, dass eine Innenstadt ohne Autos nicht attraktiv ist. Die CIMA (das deutsche Kompetenzzentrum für Stadt- und Regionalentwicklung und für Marketing) hat 2007 untersucht, wieso Menschen Städte besuchen. Sie haben dabei festgestellt, für Besucher zählen andere Werte als für Politiker. 80 Prozent schätzen besonders eine hohe Aufenthaltsqualität, einen guten Warenmix, eine schöne Architektur, das Vorhandensein einer Fußgängerzone. Das Angebot von Parkmöglichkeiten rangiert erst auf Platz 9.

Haben Einkaufszentren wie Mosae Forum und Entre Deux in Maastricht kleinere Geschäfte zerstört?

Hoorn: Es gibt keinen unmittelbaren kausalen Zusammenhang. Das Thema ist viel komplexer. Immer hochwertiger und damit teurer werdende Lagen vertreiben kleinere Händler. Dagegen muss eine Stadt Maßnahmen ergreifen. Einkaufszentren sind jedoch eine Bereicherung, wenn sie am richtigen Platz als Magnet für die Einkaufsstraßen fungieren. In Deutschland wird dagegen oft an falscher Stelle gebaut. Eine Folge, wenn Investoren zuerst mit Politikern sprechen.

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