Die Stadt hat kein Konzept, um von der benachbarten Kulturhauptstadt zu profitieren.

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Die Burg Linn ist Außenstelle der Ausstellung „Aufruhr 1225“, die in Herne beheimatet ist. (Archiv

Die Burg Linn ist Außenstelle der Ausstellung „Aufruhr 1225“, die in Herne beheimatet ist. (Archiv

Dirk Jochmann

Die Burg Linn ist Außenstelle der Ausstellung „Aufruhr 1225“, die in Herne beheimatet ist. (Archiv

Krefeld. 2010 wird das Jahr des "Potts": Die Metropole Ruhr wird Kulturhauptstadt Europas. Über 300 Projekte mit mehr als 2500Veranstaltungen werden viele Menschen nach Essen, Duisburg und Co. locken. Die Frage ist: Wird auch Krefeld von den Besucherströmen auf der rechten Rheinseite profitieren?

Ein besonderes Konzept hat die Stadt zumindest nicht auf die Beine gestellt. "Wir haben eine sehr gute Kultur-Infrastruktur", sagt Kulturdezernent Roland Schneider. "Unser interessantes Angebot steht jedem offen, und das reicht vollkommen aus."

Das Theater hätte sich gerne beteiligt, wurde aber nicht gefragt

Auch Martin Hentschel, Leiter der Krefelder Kunstmuseen, sieht keine Notwendigkeit, auf den Zug Ruhr 2010 aufzuspringen: "An mich ist niemand herangetreten", berichtet er. "Aber unser Programm ist so gut, dass es sich nicht unter den Schirm der Kulturhauptstadt stellen muss." Außerdem seien Beteiligungen von Städten außerhalb der 53 zur Metropole Ruhr zusammengeschlossenen "ein Faß ohne Boden: Wo soll das aufhören?"

Gerne dabei gewesen wäre das Theater. "Generalintendant Jens Pesel bedauert es sehr, dass wir nicht von den Veranstaltern der Ruhr 2010 angesprochen wurden", sagt Theater-Sprecher Martin Siebold. "Wir hätten uns gerne in irgendeiner Form beteiligt und eingebracht." Selbst an die Macher heranzutreten, sei nicht in Frage gekommen: "Das ist die falsche Reihenfolge, der Veranstalter muss die Kultureinrichtungen kontaktieren."

Die Gründe, warum Krefeld die Ruhr 2010 in ihren Planungen ignoriert, findet Pressesprecher Marc Oliver Hänig "nicht besonders überzeugend". Man solle die möglichen Synergieeffekte nicht unterschätzen.

Zum ersten Mal wird mit dem Ruhrgebiet eine Metropol-Region mit 5,3 Millionen Einwohnern den Titel Kulturhauptstadt Europas tragen. In bisher beispielloser Weise haben sich die 53 Städte für das ehrgeizige Projekt zusammengeschlossen. Der Europäische Rat hatte den Titel im November 2006 an die Stadt Essen stellvertretend für das ganze Ruhrgebiet vergeben.

Dieses Jahr trugen Linz (Österreich) und Vilnius (Litauen) den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Deutschland wurde zuletzt 1999 durch Goethes Heimatstadt Weimar vertreten.

"Düsseldorf zum Beispiel, das noch weiter vom Ruhrgebiet entfernt ist als Krefeld, hat auf die Kulturhauptstadt reagiert. So wurde das Kunstfestival Quadriennale zeitlich vorgezogen und die Mittel wurden erhöht." Man wolle all die Kunst- und Kulturbegeisterten auch in die Landeshauptstadt locken "und nicht im Schatten des Ruhrgebiets stehen".

Krefeld ist trotzdem ein Teil der Ruhr 2010 - und zwar mit der Burg Linn. Die Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert ist Außenposten von "Aufruhr 1225", einer Ausstellung des Westfälischen Museums für Archäologie in Herne über Tatorte im Mittelalter.

"Die Ausstellung müssen wir selbst finanzieren, aber wir gehen davon aus, dass sich das lohnen wird", sagt Museumsleiter Christoph Reichmann. "Wir sind kostenlos in allen Prospekten und in einem Reiseführer mit der Burgenroute vertreten. Außerdem dürfen wir uns auch in Herne präsentieren."

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