Professor der Hochschule Niederrhein kritisiert den Auftritt der Stadt.

Besser, aber nicht richtig gut – so bewertet Design-Professor Thorsten Kraus die neue Homepage der Stadt.
Besser, aber nicht richtig gut – so bewertet Design-Professor Thorsten Kraus die neue Homepage der Stadt.

Besser, aber nicht richtig gut – so bewertet Design-Professor Thorsten Kraus die neue Homepage der Stadt.

Besser, aber nicht richtig gut – so bewertet Design-Professor Thorsten Kraus die neue Homepage der Stadt.

Krefeld. Krefeld ist blass. Zumindest werde dies dem Internet-Besucher vermittelt, findet Thorsten Kraus, Professor für Web-Design an der Hochschule Niederrhein.

Auf Bitte der WZ hatte sich Kraus im Sommer 2008 den Netz-Auftritt der Stadt angeschaut. Das relativ vernichtende Urteil war nicht ohne Folgen geblieben. Die Stadt hat die Web-Seite mittlerweile überarbeitet. Begeisterung ruft das Ergebnis beim Professor aber nicht hervor. "Das Design könnte in den 1990er Jahren entstanden sein."

Lob gibt es für die aufgewertete Suchfunktion

Doch gemach: Es gibt auch Positives zu berichten. Allem voran die neue Möglichkeit, dass Sehbehinderte sich nun Texte der Seite vorlesen lassen können. Auch die Startseite gefällt Kraus deutlich besser. "Sie macht einen wesentlich aufgeräumteren Eindruck", lobt er. Die "Slide-Show" mit den vorbeischwebenden Bildern sei ganz nett. "Aber die Fotos sind schlecht. Immerhin kann man sie jetzt größer klicken." Extrem aufgewertet sei zudem die Suchfunktion. "Die ist besser als bei anderen Seiten."

Doch was hilft eine solch gut arbeitende Funktion, wenn sie sich hinterher in Kleinteiligkeit verliert? Es gebe weiterhin mehrere Ebenen mit der so genannten L-Navigation, kritisiert Kraus. Sprich: Links wird ein Thema angeklickt, rechts öffnet sich ein Fenster. "Das macht aber keinen Sinn, wenn die Informationstiefe zu groß wird", so die Erfahrung des Experten. Schließlich ist der User schlechthin an schneller, übersichtlicher Information interessiert.

"Man klickt eine ganze Menge."

Thorsten Kraus, Professor für Web-Design an der Hochschule Niederrhein

Insgesamt fehlt Kraus eine klare Idee für den Auftritt. Das beginne schon mit der "willkürlich gewählten Farbskala" mit ihren verschiedenen blässlichen Blau-, Gelb- und Grautönen. Wichtig für eine solche Internet-Präsenz seien Erlernbarkeit, Effizienz, Einprägsamkeit und Zufriedenheit.

Das Design der Seite stammt auf Basis der Krefelder Corporate Identity von einer Designagentur.

Im Content-Management-System stehen mehrere Layouts zur Verfügung, die die Fachbereiche verwenden können. Die Navigationsstruktur ist laut Stadt grundlegend überarbeitet worden.

Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung ist umgesetzt worden etwa für Menschen mit Sehbehinderung.

Die Stelle eines Online-Redakteurs ist bei der Stadt vorgesehen, aber noch nicht besetzt.

Schon bei der Erlernbarkeit hapere es. "Jede Seite funktioniert anders." Auch die Gestaltungsraster seien unterschiedlich. Und die Effizienz lasse ebenso zu wünschen übrig. "Man klickt eine ganze Menge."

Kraus als frisch zugewanderter Krefelder fehlt eine Ansprache von Neubürgern mit gezielten Informationen, wo befindet sich was in der Stadt. Überhaupt: "Für wen ist diese Seite eigentlich gemacht?", fragt sich der Designer. Krefeld habe doch eine Menge zu bieten wie etwa die ungewöhnlich große Ansammlung der Mies-van-der-Rohe-Häuser. Nicht zuletzt das selbstverordnete Image "Stadt wie Samt und Seide" kommt ihm zu wenig rüber.

Sein Fazit: "Die alte Struktur ist hier im Großen und Ganzen neu angestrichen worden. Dann hätte das wenigstens modern daher kommen müssen."

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