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Ein Kommentar von Karl-Gerhard Deußen.

Ein Kommentar von Karl-Gerhard Deußen.

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Ein Kommentar von Karl-Gerhard Deußen.

Krefeld. Falls das, was von vielen Beobachtern für den Wochenbeginn vorausgesagt wird, wirklich eintritt, muss man für den Stahlstandort Krefeld das Schlimmste befürchten: Die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp wird an den finnischen Konzern Outokumpu verkauft, und in einigen Jahren gibt es in Krefeld keinen einzigen von jetzt 2100 Arbeitsplätzen bei Nirosta mehr. Das ist nicht aus der Luft gegriffen, das hat Outokumpu mit einem kleineren Bereich, der Quarto-Sparte von Thyssen-Krupp, vor Jahren bereits gemacht. Falls der jetzige Verkauf zustande kommt, werden die Finnen wohl zur Schadensbegrenzung wegen der europaweiten Überkapazitäten beim Edelstahl zuerst und schnell die Schmelzöfen in Krefeld und Bochum dicht machen. Dann stehen die ersten 500 Krefelder Stahlarbeiter vor dem Arbeitsplatzverlust. Und ob die Finnen bereit sind, das übrige Werk in Krefeld bei den deutschen Energiepreisen zu halten, darf angezweifelt werden.

Dass Thyssen-Krupp Verlust ausweisen muss, haben die Stahlarbeiter in Krefeld nicht zu verantworten. Die Fehler wurden anderswo gemacht. Zum Beispiel in Brasilien, wo der Konzern beim Bau eines neuen Stahlwerks Milliarden versenkt hat. Da hilft es leider nicht weiter, dass Nirosta in neue Werkstoffe und die Kohlendioxid-Reduzierung investiert. Es nutzt auch nichts, dass die Nirosta-Arbeiter Zugeständnisse beim Schichtbetrieb gemacht haben.

Der neue Konzernchef Heinrich Hiesinger will weg vom Stahl. Der Manager hat beim Elektro-Riesen Siemens Karriere gemacht und möchte Thyssen-Krupp als Technologieunternehmen etablieren. Den Anlegern gefällt das, der Aktienkurs steigt.

Und was wird aus den Arbeitnehmern? Thyssen-Krupp wird Farbe bekennen müssen. Unternehmerisches Handeln hat eben nicht nur mit Profitmaximierung, sondern auch mit sozialer Verantwortung zu tun. Der Konzern hat sich verpflichtet, dass die Trennung vom Edelstahl nicht dazu führen wird, diesen Bereich ausbluten zu lassen. Heinrich Hiesinger steht im Wort.

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