Von Donnerstag bis Sonntag lädt der Nabu dazu ein, bei Deutschlands größter Vogelzählung mitzumachen.

Wie viele verschiedene Vogelarten verbringen eigentlich den Winter in hiesigen Breiten? Neben den besonders häufig zu beobachtenden Wintervögeln wie Amsel oder Rotkehlchen sind es noch mindestens 25 weitere – vom Bergfink über den Stieglitz bis hin zum Zaunkönig. „In Krefeld sind außerdem immer häufiger Gastvögel anzutreffen, die im Winter aus noch kälteren Regionen im Norden und Osten nach Mitteleuropa ziehen“, sagt Jochen Schages. Und der muss es wissen. Der Hülser ist hauptamtlich beschäftigt bei der Kreisgruppe Krefeld-Viersen beim Naturschutzbund Deutschland, kurz Nabu genannt.

Eine Stunde lang werden die gefiederten Gäste gezählt

Um einen genaueren Überblick über die häufigsten winterlichen Gartenvogelarten zu bekommen, lädt der Nabu von Donnerstag bis Sonntag zur größten Vogelzählung Deutschlands ein. Es ist ganz einfach: Wer mitmachen möchte, beobachtet die gefiederten Freunde bequem in seinem Garten oder vom Balkon aus und meldet dem Nabu online, was er innerhalb einer Stunde entdecken konnte. „Der Einstieg in die Ornothologie ist jetzt im Winter einfacher, weil weniger Tiere zu sehen sind und die Bäume und Sträucher kein Laub tragen“, sagt Schages ermunternd.

Wer sich nicht sicher ist, wie eine Haubenmeise, ein Feldsperling oder der Eichelhäher aussieht, findet auf der Seite des Nabu Bilder und Beschreibungen. Die Beschreibungen reichen aus, denn ihr Ruf ist im Winter nur selten zu vernehmen.

Wer unter fachkundiger Leitung die Tiere beobachten möchte, hat dazu am 9. Januar Gelegenheit. Schages bietet eine einstündige Wanderung an. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Niepkuhlen-Brücke (weitere Infos unter Telefon 74 36 86). Angemessene Kleidung, Handschuhe, feste Schuhe und ein Fernglas, falls vorhanden, sind den Teilnehmern zu empfehlen.

Der Nabu in Krefeld hat 1.300 Mitglieder, 40 bis 50 sind davon aktiv. „Viele davon sind älter“, beschreibt Schages die Altersstruktur. Das sei von Vorteil, weil die im Gegensatz zu Jüngeren mehr Zeit für ihr Engagement haben. Beispielsweise für die Wartung und Pflege der zahlreichen Nisthöhlen für Schleiereulen und Steinkauze, die die Kreisgruppe aufgehängt hat. Seit einem Jahr gibt es auch wieder eine Jugendgruppe (ab 13 Jahren). Die trifft sich alle drei Wochen im Umweltzentrum am Talring 45, wo der Nabu auch seine Geschäftsstelle hat.

Der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) e.V. wurde im Jahr 1899 als Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV) von der Unternehmersfrau Lina Hähnle gegründet. Er ist heute mit über 450.000 Mitgliedern bundesweit vertreten. Der Nabu Krefeld/Kreis Viersen wurde am 1. April 1976 als Bezirksverband des Deutschen Bundes für Vogelschutz in Hüls gegründet. Fünf Jahre später hatte der Verein bereits mehr als 1300 Mitglieder.

Der Nabu Krefeld/Kreis Viersen hat seine Mitgliederzahl seit 1981 gehalten. 1300 Mitglieder waren es im Jahr 2010.

Neben der Errichtung eines Lebensturmes im Kempener Feld und der gewünschten Ansiedlung von Weißstörchen (siehe Text) gibt es weitere Gruppen und Projekte im Nabu. Dazu zählen die Krog (Krefelder ornithologische Arbeits-Gemeinschaft), die vogelkundlichen Wanderungen, die Botanik-Gruppe, der praktische Naturschutz, die Vision eines grünen Gürtels in Krefeld sowie die „Uhlen“ auf den Süchtelner Höhen.


Aufgrund geringerer oder gestrichener Zuschüsse durch Kommune und Land hat der Nabu die Stiftung „Krefelder Natur- und Kulturlandschaften“ gegründet.

Die Jugendgruppe hat Großes vor. „Aus einem alten Trafo-Turm im Kempener Feld wollen sie einen Lebensturm machen“, erzählt Schages. Vorbild ist ein vergleichbarer Lebensraum auf dem Nabu-Naturschutzhof in Nettetal. Die Stadtwerke Krefeld haben dem Nabu diesen alten ausgedienten Turm geschenkt. Dessen Inneres haben die Jugendlichen mit Nisthilfen für Steinkauz, Schleiereule, Waldkauz, Turmfalke und Fledermaus bestückt. „Im Frühjahr wird von Außen noch ein Spatzenhotel angebracht.“ Schages hofft, bis dahin auch noch einen Spender zu finden, der eine Infotafel stiftet, die zur Erklärung am Turm angebracht werden soll.

Während es im Kreis Viersen gelungen ist, Weißstörche wieder anzusiedeln und im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als 100 Jahren wieder ein Storchenpaar in der Niersniederung erfolgreich gebrütet hat, lässt die Ansiedlung von Sindbad in Krefeld noch auf sich warten. „Das ist aber für die nächsten fünf Jahre eins der großen Ziele des Nabu Krefeld“, erklärt Schages. Im vergangenen August haben immerhin schon acht Weißstörche auf Häusern am Oelvebach für kurze Zeit Probe gesessen.

 

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