Wenn keine Mahnung hilft, klemmen die Stadtwerke die Zähler ab. Doch in einem Drittel der Fälle sind die Mieter dann schon weg.

Wenn keine Mahnung hilft, klemmen die Stadtwerke die Zähler ab. Doch in einem Drittel der Fälle sind die Mieter dann schon weg.
Erst die Rechnung, dann mehrere Zahlungsaufforderungen, am Ende die Mahnung: in einem Drittel der Fälle bleiben die SWK auf den Stromkosten sitzen. dpa

Erst die Rechnung, dann mehrere Zahlungsaufforderungen, am Ende die Mahnung: in einem Drittel der Fälle bleiben die SWK auf den Stromkosten sitzen. dpa

Erst die Rechnung, dann mehrere Zahlungsaufforderungen, am Ende die Mahnung: in einem Drittel der Fälle bleiben die SWK auf den Stromkosten sitzen. dpa

Krefeld. Erst kommt die normale Rechnung, dann folgen weitere Zahlungsaufforderungen, schließlich liegen die Mahnungen im Briefkasten. Wenn dieStadtwerke Krefeld (SWK) dann immer noch nichts von ihren Kunden hören, folgt ein Brief, in dem das bevorstehende Abklemmen des Stromzählers angekündigt wird. Knapp 3000 solcher Zähler-Sperrungen hat es im vergangenen Jahr in Krefeld nach Angaben der SWK gegeben.

Und trotzdem bleibt der Versorger in einem Drittel der Fälle am Ende auf den Rechnungen sitzen: „Das sind Stromschulden in sechsstelliger Höhe, die uns entgehen“, bilanziert Dirk Höstermann, stellvertretender Unternehmenssprecher der SWK. Denn in besagtem Drittel der Fälle stehen die Wohnungen bereits leer, wenn die SWK-Mitarbeiter zum Abklemmen kommen. Die Mieter sind inzwischen schon unbekannt verzogen. Bei dem Rest der Betroffenen, bei denen nicht nur Licht, Kühlschrank, Fernseher und Co. ausgehen, sondern auch nur noch kaltes Wasser fließt und in manchen Fällen die Heizung kaltbleibt, weil sie mit Strom betrieben wird, zeigt die Vorgehensweise recht schnell Wirkung.

Von den restlichen rund 2000 säumigen Kunden würden, so Höstermann, „bei etwa 70 Prozent die Sperren binnen weniger Tage bis maximal einer Woche wieder geöffnet, weil sich der Kunde dann meldet und wir eine Lösung – etwa in Form einer Ratenzahlungsvereinbarung – mit ihm gefunden haben. „Grundsätzlich ist die Sperrung eines Stromzählers für uns die ultima ratio“, sagt Dirk Höstermann.

Es gingen immer „mehrfache“ Zahlungsaufforderungen und Mahnungen raus, bevor dann die Sperrung wenige Tage vor dem anvisierten Termin schriftlich angedroht werde. Um zu vermeiden, dass sich bei Kunden Stromschulden aufbauen, beziehungsweise Sperren folgen, kooperieren die SWK seit einigen Jahren mit Sozialverbänden wie der Caritas oder dem Jobcenter und mit der Verbraucherzentrale im Rahmen des Projektes „NRW bekämpft Energiearmut“.

Jung, männlich, deutsch – und arbeitslos

„Bei diesen Institutionen wird mit den Kunden zum Beispiel eine Budgetberatung durchgeführt, sie lernen wie man ein Haushaltsbuch führt, ein Stromberater kann rauskommen und die Situation vor Ort analysieren, um zu klären, wo die Stromfresser bei den Haushaltsgeräten sitzen“, zählt Höstermann auf. „Wir appellieren daher genauso wie unsere Kooperationspartner, sich frühzeitig zu melden, wenn man merkt, es wird knapp mit der Abschlagszahlung jeden Monat oder dem Begleichen der Jahresendabrechnung.“

Frühzeitiges Melden helfe, dass es gar nicht erst zu einer Sperrung komme. „Denn in der Regel findet man gemeinsam eine Lösung.“ Was andere Kosten neben der Miete – wie für Wasser-, Gas- oder Ölverbrauch – angeht, gibt es in Krefeld keine belastbaren Zahlen, auf welchen Summe Vermieter sitzenbleiben. „Es gibt nur eine subjektive Einschätzung, dass eine zunehmende Häufung in der Stadt zwar nicht zu beobachten ist, aber es ein bestimmtes Klientel in einem bestimmten Bereich gibt, bei dem das sehr häufig vorkommt“, sagt Michael Heß, Geschäftsführer von Haus und Grund in Krefeld. „Für uns als Vermieter sind junge, männliche, deutsche Arbeitslose, die in der Innenstadt wohnen, oft eine schwierige Klientel“, sagt er in Bezug auf säumige Mieter und unbezahlte Nebenkosten.

„Es gibt einige mit einer Alles-egal-Einstellung, bei der eine Wohnung übers Jobcenter vermittelt wird, aber sie sich dann nicht mehr melden, keine Anträge stellen“, zählt Heß auf, „am Ende bleiben die Vermieter auf den Kosten sitzen.“ Denn es gebe keinen Direktanspruch der Vermieter an das Jobcenter, einen Anspruch gebe es nur über die Mieter.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer