Bei einer Anhörung zum geplanten Erdwärme-Kraftwerk werden Sorgen laut.

Geothermie
Neun Fachleute standen bei der Bürgeranhörung im Audimax der Hochschule Rede und Antwort.

Neun Fachleute standen bei der Bürgeranhörung im Audimax der Hochschule Rede und Antwort.

Dirk Jochmann

Neun Fachleute standen bei der Bürgeranhörung im Audimax der Hochschule Rede und Antwort.

Krefeld. Das Interesse am geplanten Erdwärme-Kraftwerk ist groß und das Audimax der Hochschule beim öffentlichen Bürgerforum mit neun Fachleuten auf dem Podium entsprechend gut gefüllt. Applaus der Besucher gibt es sowohl für die Präsentation des Projekts „salvea – Lust auf grüne Energie“ von Initiator Wolfgang K. Hoever als auch für die vorgetragenen Sorgen im Hinblick auf die Auswirkungen des Kraftwerks und mögliche Beschädigungen umliegender Häuser. Das Reizwort lautet hier: „Erderschütterung“.

Umweltfreundliche Energie, Strom und Wärme lassen sich aus rund 5000 Meter Tiefe gewinnen. Dabei ist die Geothermie eine der sogenannten erneuerbaren Energien. „20 Prozent CO2-Reduktion bis 2020 schafft man nur hiermit“, sagt Erwin Knapek vom Wirtschaftsforum Geothermie. Er ist am Erdwärme-Projekt in Unterhaching beteiligt, das auch normale Haushalte mit Energie versorgt. Seine Aussagen sind eindeutig: „Wir sitzen auf einem warmen Reservoir, warum gehen wir es nicht an?“ Und an die Hörer: „Machen Sie das Projekt und führen Sie es zum Erfolg.“

Zu seinen Ausführungen sagt eine Bürgerin: „Bei Ihnen haben die Bürger etwas von dem Projekt, wir hier nicht.“ Dazu Hoever, der die Energie für sein Gesundheitszentrum Salvea in den denkmalgeschützten Immobilien an der Westparkstraße nutzen möchte, in denen nach eigenen Aussagen die Wärme zum Fenster ‘rausgeht: „Das ist noch nicht entschieden.“ Er kann sich auch einen Bürgerfonds vorstellen und den „Schlüssel“ an die Kommune abgeben. „Hauptsache, es läuft.“

Der Geologische Dienst versucht, Kritikern die Ängste zu nehmen

Die Erderschütterungen durch Bohrungen, die von 0 bis zu 3,5 auf der Richterskala betragen können, ängstigen die Bürger am meisten. Sie fürchten sich vor Gebäudeschäden und fragen, wer dafür aufkommt. Volker Wrede vom Geologischen Dienst versucht ihnen die Ängste zu nehmen: „Obwohl wir uns auf der erdbebengefährdeten Niederrheinischen Bucht befinden, haben wir keine ungünstigen Voraussetzungen. Wir werden den Prozess überwachen und können ihn jederzeit stoppen. Probebohrungen werden Erkenntnisse liefern.“

Versicherungsmanager Matthias Kliesch erklärt: „Es ist eine erprobte Technik, die in Italien über 100 Jahre läuft. Bei Schäden zieht das Bergbaurecht. Der Betreiber muss beweisen, dass er sie nicht verursacht hat.“

Aus 170 Grad Celsius heißem Wasser in rund 5000 Metern Tiefe – in Krefeld könnten 3900 Meter reichen – sollen etwa sechs Megawatt Strom erzeugt werden. Damit könnten circa zehn Prozent der Krefelder Haushalte versorgt werden.


Es wird an der Oberfläche einen Durchmesser von 50 bis 60 Zentimeter haben, unten sind es 25 Zentimeter.

Auch der Bohr-Standort, der irgendwo auf einem rund 357 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Aldekerk, Moers, Viersen und Meerbusch liegen könnte, ist noch nicht entschieden. Hoever: „Jeder Platz in Krefeld ist geeignet, der Bürgerakzeptanz findet.“ Probebohrungen werden ergeben, wie es weitergeht. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der Bau des Turnhallen großen Kraftwerks 2014 starten.

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