Erstmals wurden Zahlen genannt und das Vorgehen verteidigt.

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Armin Willutzki und seine Kinder Michaela, Stefan, Tobias, Nikita, Stephanie und Sabrina (von links) sind froh, dass die Krätze erst einmal ausgestanden ist.

Armin Willutzki und seine Kinder Michaela, Stefan, Tobias, Nikita, Stephanie und Sabrina (von links) sind froh, dass die Krätze erst einmal ausgestanden ist.

Andreas Bischof

Armin Willutzki und seine Kinder Michaela, Stefan, Tobias, Nikita, Stephanie und Sabrina (von links) sind froh, dass die Krätze erst einmal ausgestanden ist.

Krefeld. Armin Willutzki hat viel zu tun. Wäschewaschen steht auf dem Programm. "20 Maschinen warten noch", erzählt der Familienvater. Seine sechs Kinder hatten sich mit der Krätze infiziert.

Zwar gab am Freitag ein Hautarzt Entwarnung, der Nachwuchs ist geheilt. Doch weitere Vorsichtsmaßnahmen müssen trotzdem getroffen, Bettwäsche und Kleidung noch einmal extra gewaschen werden. Ist der Fall damit ausgestanden? Der Uerdinger ist verunsichert - wie so viele Eltern.

Insgesamt gab es 20 Fälle in Krefeld

Seit einigen Wochen hält die Hautkrankheit, medizinisch Scabies, vor allem die Uerdinger auf Trab. Der Fachbereich Gesundheit ging am Freitag in die Offensive und lud zur Pressekonferenz. Sicherlich auch als Reaktion auf die Kritik von Seiten der Elternschaft. "Wir wollen dem Eindruck entgegen treten, wir hätten etwas zu verbergen", stellte Gesundheitsdezernent Manfred Abrahams gleich zu Beginn klar. Man wolle keine Unruhe, die der Sache vielleicht nicht angemessen sei.

Erstmals präsentierte Gesundheitsingenieur Dirk Hagenräke Zahlen. Demnach waren zehn Familien in Krefeld betroffen, 20 Kinder hatten sich mit Krätze infiziert. Die Fälle verteilten sich auf vier Schulen und zwei Kindertagesstätten. Die Zahl der Verdachtsmomente sei wesentlich höher gewesen. Vor allem, nachdem die ersten Fälle in der Öffentlichkeit bekannt wurden, riefen viele besorgte Eltern beim Gesundheitsamt an.

Die erste Erkrankung Anfang Februar sei als Einzelfall eingestuft worden, Maßnahmen wie das Säubern der Räume und die Attestpflicht für einen Teil der Schüler deshalb erst nach den weiteren Erkrankungen getroffen worden - was bei vielen Eltern auf Unverständnis stieß. "Was hätten wir machen können?", fragte Abrahams gestern. Eine direkte Schließung der Schule wäre seiner Meinung nach sicher auch auf Kritik gestoßen, "nach nur einem Fall."

Anfang Februar trat an der Paul-Gerhardt-Schule der erste Krätze-Fall auf. Vor Karneval gab es weitere Erkrankungen. Als Reaktion wurden die Räume desinfiziert, Schüler aus betroffenen Klassen durften nur mit Attest zum Unterricht. Weitere Einzelfälle wurden auch von anderen Schulen gemeldet. Dort wird seitdem auch mit Desinfektionsmaßnahmen reagiert, betroffene Klassen sollen ebenfalls informiert werden.

Der Fachbereich Gesundheit hat ein Merkblatt zum Thema herausgegeben. Es steht im Internet zum Download bereit, Link siehe unen.

Man müsse immer abwägen, so Abrahams. Dass die Stadt nicht an die Öffentlichkeit getreten sei, habe nicht nur mit dem Schutz der erkrankten Kinder, sondern auch der betroffenen Schule zu tun gehabt. "Wir wollten nicht stigmatisieren." Noch immer habe Krätze einen schlechten Ruf und werde schnell mit Hygienemangel in Verbindung gebracht. "Das stimmt aber nicht", betonte Dirk Hagenräke noch einmal.

Und so leicht sei die Ansteckung auch nicht: "Einfaches Händeschütteln reicht nicht." Aber er räumt ein: "Die mehrwöchige Inkubationszeit arbeitet gegen uns." Die Krankheitshäufigkeit, in der Fachsprache Prävalenz, bekomme man nicht auf Null.

Deshalb ist auch Armin Willutzki noch vorsichtig. Seine Kinder - die vorerst letzten akuten Fälle in Krefeld - sind zwar geheilt und sollen nächste Woche wieder in die Schule. "Was aber, wenn sie sich wieder anstecken?"

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