Beim Bau zweier Häuser am Steinrath soll der Baudezernent bestochen worden sein.

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Baudezernent Thomas Visser soll bestochen worden sein.

Baudezernent Thomas Visser soll bestochen worden sein.

Baudezernent Thomas Visser soll bestochen worden sein.

Krefeld. Die Ausnahme der Stadt beim Bau zweier Häuser im äußersten Süden Fischelns hat die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen: Sie ermittelt gegen Baudezernent Thomas Visser wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Hans Dieter Menden gestern auf WZ-Anfrage. Er wollte sich aber nicht weiter zu den Vorwürfen äußern.

Dass die Stadtverwaltung am Steinrath eine großzügige Ausnahme vom Baurecht gemacht hat, darüber hatte die WZ bereits im Januar 2009 exklusiv berichtet. Dort waren zwei Einfamilienhäuser mit Kellergaragen gebaut worden, die so nie hätten errichtet werden dürfen, wie die Bezirksregierung gut einen Monat nach der WZ-Berichterstattung erklärte: Die 2008 fertiggestellten und an ahnungslose Familien verkauften Häuser befinden sich im Landschaftsschutzgebiet.

Stadt sah ein: Baugenehmigung hätte nicht erteilt werden dürfen

Anwohner erkannten dahinter regelrecht System, da ein Bauträger aktiv war, der nach deren Ansicht schon seit Jahren bevorzugt werde. Auf die Intervention der Fischelner hin räumte die Bauaufsicht sogar ein, dass die Stadt für die beiden Häuser "keine Baugenehmigung hätte erteilen dürfen". Ein Abriss wurde aber ausgeschlossen, zumal es an gleicher Stelle bereits vor den Wohnhäusern eine Bebauung gegeben habe - ein zerfallener Hühner- und Schweinestall, wie ein Anwohner der Dohmenstraße empört sagt.

CDU-Fraktionschef Wilfrid Fabel hatte im April dieses Jahres Baudezernent Thomas Visser wegen der Bauten am Steinrath scharf angegriffen. Fabel warf ihm indirekt Einflussnahme auf die Baugenehmigung vor: "Hier ist ein fataler Eindruck entstanden. Das war sehr ungewöhnlich, wie das lief", polterte der Politiker. Wenige Wochen später hat die Polizei die Ermittlungen gegen den städtischen Beigeordneten aufgenommen. Die bestätigte auf WZ-Anfrage gestern lediglich, dass eine Strafanzeige gegen Visser vorliege. Damit ist unklar, wie genau der Vorwurf lautet, laut dem Visser "geschmiert" worden sein soll. Ob auch gegen den Bauträger ermittelt wird, blieb zunächst unklar. Wenn den Fahndern bekannt ist, wer den Baudezernenten bestochen haben soll, ist aber davon auszugehen.

Thomas Visser zeigte sich gestern Abend auf Anfrage der WZ völlig überrascht von der Strafanzeige und die Ermittlungen gegen ihn. Da er von offizieller Seite bisher keinerlei Informationen über die Vorwürfe habe, wolle er zurzeit keine Stellungnahme abgegeben, sagte er.

Der Stadtrat hat erst am 4. November mehrheitlich beschlossen, den Bereich Stadtplanung aus dem Zuständigkeitsbereich Thomas Vissers herauszulösen. Dies geschah auf Wunsch von CDU und Grünen, die bei der geheimen Abstimmung Unterstützung fanden. Laut beiden Fraktionen solle der derzeitige Beigeordnete entlastet werden. Für die Stadtplanung wird nun eine weitere Dezernentenstelle eingerichtet. Vissers achtjährige Wahlzeit als Bau- und Planungsdezernent endet am 31. Dezember 2011.

Thomas Visser war vor seiner Tätigkeit als Beigeordneter Leiter des Fachbereichs Grünflächen der Stadt Krefeld.