Die Kampagne „Saufen bis der Arzt kommt“ soll Jugendlichen ihre Grenzen und die Konsequenzen eines Vollrauschs zeigen.

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Im Alkoholvollrausch fällt koordiniertes Handeln schwer. Ohnmacht und Erbrechen sind häufige Folgen. (Archiv

Im Alkoholvollrausch fällt koordiniertes Handeln schwer. Ohnmacht und Erbrechen sind häufige Folgen. (Archiv

dpa

Im Alkoholvollrausch fällt koordiniertes Handeln schwer. Ohnmacht und Erbrechen sind häufige Folgen. (Archiv

Krefeld. Ein Kinderkrankenhaus am frühen Abend. Ein völlig betrunkener Junge wird eingeliefert. Er hängt am Tropf und liegt leblos auf einer Trage. Auf die Frage der Krankenschwester, was er zu sich genommen hat, weiß er keine Antwort. Sie hält ihm die Schüssel, als der 15-Jährige anfängt, sich zu übergeben. Am nächsten Morgen erwacht der junge Mann und hat eine Lektion erteilt bekommen: Ihm wurde eine Windel angelegt.

Diese Filmszene hätte auch im Helios-Klinikum in Krefeld gedreht werden können. Hier werden jährlich um die 50 betrunkene Kinder und Jugendliche eingeliefert. Jedem einzelnen wird in der Nacht von einer Krankenschwester eine Windel angelegt. Laut Tim Niehues, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin, werden monatlich ein bis zwei Jugendliche mit mehr als zwei Promille im Blut eingeliefert.

"Einer von euch müsste dabei sein! Das ist Statistik", warnt er die jungen Zuschauer im Cinemaxx. Die rund 400 Schüler des Berufskollegs Vera Beckers und der Marienschule betrachten die Szene im Kino mit Entsetzen. Sie sitzen nicht etwa im falschen Film, sondern sind Zuschauer der Veranstaltung "Saufen bis der Arzt kommt". Diese Kampagne wird von der AOK, Caritas, Kinderklinik des Klinikums, Krefelder Rettungsdienst, Sparkasse und Cinemaxx veranstaltet, um über die Gefahren des Alkohols aufzuklären und potenzielle Komasäufer abzuschrecken.

Das wichtigste ist es, rechtzeitig mit dem Trinken aufzuhören

"Das ist wirklich nicht mehr so cool, wenn man so wie der Junge im Film mit Windeln aufwacht. Sehr peinlich", meint die 14-jährige Sarah. Auch wenn die Neuntklässlerin aus der Marienschule und ihre Freundinnen noch keinen Alkohol trinken dürfen, haben sie eine klare Meinung zu der Veranstaltung: "Ich fand es sehr gut, dass gesagt wurde, dass man im Notfall in einer Gruppe zusammenhalten muss und dass man auf seine Grenzen achten soll."

Und tatsächlich verteufelt Andreas Franke von der AOK, der durch das Programm führt, nicht etwa jeglichen Alkoholkonsum, sondern legt den Schwerpunkt auf die Fähigkeit, sich selbst oder anderen rechtzeitig sagen zu können: "Stopp, du hast genug!"

Die Plakatkampagne mit den Sprüchen "Zuviel Alkohol bedeutet nix los in der Hose!" und "Zuviel Alkohol macht dich sicher nicht zum Star des Abends!" sorgt für ein Schmunzeln in den Zuschauerreihen. Als Ulrich Lenssen, Leiter des Krefelder Rettungsdienstes, allerdings Fotos von einem Mann zeigt, der in seinem Erbrochenen liegt oder von einem Mädchen, das sich selbst eingenässt hat, machen die jungen Zuschauer ihrem Ekel Luft.

Dass es auch ganz anders geht, beweist die fünfköpfige Tanzgruppe QLG. Die drei Jungs und zwei Mädels zeigen mit einer erfrischenden Hip-Hop-Performance, dass man auch ohne Alkohol viel Spaß haben kann.

Alle Schüler ab der siebten Klasse können sich noch bis zum 5. Juni an einem Wettbewerb zum Thema "Komasaufen" beteiligen. Es sind alle kreativen Ideen rund um das Thema willkommen. Die Ergebnisse werden dann am 6. Juni bei dem School Dance Battle "Abtanzen statt Absaufen" in der Kulturfabrik präsentiert.

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