Gleichgeschlechtliche Paare konnten bisher in evangelischen Kirchen nur gesegnet werden. Jetzt dürfen Pfarrer wie Christoph Tebbe sie trauen.

Krefeld. Die rheinische Kirche traut als zweite evangelische Landeskirche künftig auch Homosexuelle. Damit müssen Pfarrer wie der Krefelder Christoph Tebbe gleichgeschlechtlichen Paaren in Zukunft keine Absage mehr erteilen. „Ich bedaure, dass wir bisher als Kirche Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben, vor den Kopf gestoßen haben“, sagt der 50-Jährige. Er arbeitet seit 1999 in der evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Nord und ist dort für die Lukaskirche zuständig. „Ich persönlich finde, wir sind ein Stückchen zu spät.“

Bisher gab es für ihn und seine Kollegen nur die Möglichkeit, Homosexuellen eine so genannte Segnung anzubieten. So wie im vergangenen Jahr, als zwei Frauen zu ihm kamen, um sich vor Gott ein Versprechen auf Lebenszeit zu geben.

Mit einem Bibeltext, einem Gebet für das Paar und dem Segnen der beiden habe er vieles getan, „was ich auch im Traugottesdienst tue“. Die beiden Liebenden hätten einander auch ein selbstformuliertes Versprechen gegeben. „Inhaltlich ist das sehr nah an dem, was auch zu einer Trauung gehört, aber ich persönlich habe es eben nicht Traugottesdienst genannt“, sagt Christoph Tebbe, „weil immer klar war, der kirchliche Konsens ist noch nicht so weit.“ Ausdrücklich sollte es keine Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Paaren geben. Nun darf es ab sofort aber auch ein Trauversprechen und ein „Ja, mit Gottes Hilfe“ geben. Und die spannende Frage wird sein, wie viele Trauungen gleichgeschlechtlicher Christen es nun geben wird.

Die gefühlte „Behandlung zweiter Klasse“ hat ein Ende

„Segnungen waren bei uns bisher eher selten“, sagt Tebbe, für ihn war dieses Fest im vergangenen Jahr sein erstes. Als Gründe gebe es bestimmt verschiedenen Aspekte. „Das mag einerseits daran gelegen haben, dass Paare, die keine so enge Bindung an ihre Kirche haben, vielleicht nicht wussten, dass es das gibt. Aber es war sicher auch andererseits für einige Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften so, dass sie keine Behandlung zweiter Klasse wollten.“

Seit den 1990er-Jahren habe sich die Kirche intensiv mit Bibelstellen beschäftigt, in denen die Homosexualität verurteilt werde. „Immer wurde sie aber in Beispielen einer Lebenspraxis genannt, die mit Unglaube verbunden war und deshalb per se als schlecht beurteilt wurde“, erläutert Tebbe. „Wir können das heute aufdecken und sagen: Gott, der Schöpfer, hat das in die Menschen hineingelegt, es ist seine Kraft der Liebe, die sich in der Beziehung dieser Paare zeigt.“

Die Synode der zweitgrößten evangelischen Kirche in Deutschland hatte Mitte Januar im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr mit großer Mehrheit eine Änderung der Kirchenordnung beschlossen. Schwule und lesbische Paare können ihre Ehe künftig nach der kirchlichen Trauung auch ins Kirchenbuch eintragen lassen. Bisher hatte das nur die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ermöglicht.

Die Trauung kann nun auch rückwirkend eingetragen werden. Voraussetzung der kirchlichen Eheschließung ist, dass mindestens einer der Lebenspartner Mitglied der evangelischen Kirche ist.

Tebbe betont, dass es keinen biblischen Grund gebe, zwischen einer Segnung und einer Trauung zu unterscheiden: „Es gibt keine Vorgaben in der Bibel, wie eine Trauung zu gestalten ist.“

Nach der Entscheidung der rheinischen Kirche kann sich jeder Pfarrer immer noch aus Gewissensgründen weigern, eine solche Trauung vorzunehmen. Dann würde der Superintendent jedoch für einen Ersatzpfarrer sorgen.

„Aber ich schätze das so ein, dass es die allermeisten Kolleginnen und Kollegen in Krefeld die Trauungen machen werden“, sagt Christoph Tebbe.

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