Der Kastanienhof hat als einziges Kinderheim in Krefeld eine Säuglings- und Kleinkindergruppe.

Betreuung
Conny Nowak ist eine der ständigen Betreuerinnen der Gruppe im Kastanienhof, die sich um die Kinder kümmern.

Conny Nowak ist eine der ständigen Betreuerinnen der Gruppe im Kastanienhof, die sich um die Kinder kümmern.

Dirk Jochmann

Conny Nowak ist eine der ständigen Betreuerinnen der Gruppe im Kastanienhof, die sich um die Kinder kümmern.

Krefeld. Anna (Name von der Redaktion geändert) ist sieben Monate jung und für ihr Alter eigentlich viel zu klein. Weil ihre Mutter auch während der Schwangerschaft Drogen und Alkohol konsumierte, konnte das Wachstum ihrer Tochter nicht normal verlaufen.

Seit zwei Monaten ist das kleine Mädchen nun in der Obhut des Kinderheims Kastanienhof an der Kaiserstraße. Zusammen mit acht weiteren Kindern im Alter von bis zu drei Jahren, ist sie in der Säuglings- und Kleinkindergruppe des Heims untergebracht. „Wenn die Grundversorgung nicht mehr geleistet wird, muss das Kind aus der Familie geholt werden“, sagt Jens Lüdert, Leiter des Kinderheims.

2006 sorgte der Fall Kevin für Aufsehen im ganzen Land

Seit 2006 der Fall Kevin für Aufsehen sorgte, werden Kinder, die in Not sind, schneller aus ihrer familiären Umgebung heraus genommen. Der zweijährige Kevin aus Bremen war trotz vieler Hinweise auf Missbrauch und Misshandlung, in der Obhut seiner drogenabhängigen Eltern geblieben, bis er von der Polizei tot im Kühlschrank aufgefunden wurde.

Seit diesem Fall sind mehr Kinder in Heimen oder Bereitschafts-Pflegefamilien untergebracht. Säuglinge und Kleinkinder werden, wenn möglich, für die Dauer der Klärung der elterlichen Verhältnisse, in Familien aufgenommen – vorgesehen sind dafür sechs Monate. „Die Verweildauer ist aber meistens länger als sechs Monate“, sagt Lüdert. Denn in dieser Zeit müssen Gutachten erstellt, Prozesse geführt und Überlegungen angestellt werden, ob das Kind wieder zurück in die Familie oder für immer in eine Pflegefamilie kommt.

14 Bereitschafts-Pflegefamilien gibt es in Krefeld. Sind diese Plätze besetzt, werden die Kinder in der Säuglings- und Kleinkindergruppe untergebracht. „Wir sind mittlerweile prädestiniert für Säuglinge und Kleinkinder“, sagt Raimund Haider, weiterer Leiter des Kinderheims.

Das Kinderheim Kastanienhof ist aus dem Krefelder Frauenverein für Kinder- und Altenfürsorge, der 1827 gegründet wurde, entstanden. 1953, nach dem Zweiten Weltkrieg, eröffnete der Frauenverein ein Säuglingsheim. 1971 entstand daraus das Kinderheim Kastanienhof.

Die Säuglings- und Kleinkindergruppe ist integriert in den Gebäudekomplex des Kinderheims und bietet in vier Zimmern Platz für acht Kleinkinder von bis zu drei Jahren.

Bereitschafts-Pflegefamilien nehmen, anders als Pflegefamilien, Kinder für einen begrenzten Zeitraum bei sich auf. In dieser Zeit wird über den Verbleib des Kindes entschieden. Danach geht es zurück zur eigenen Familie oder kommt auf Dauer in eine Pflegefamilie.

Der Kastanienhof sucht Bereitschafts-Pflegefamilien, die Kindern ein Zuhause auf Zeit schenken. Bei Interesse steht die Heimleitung des Kinderheims zur Verfügung unter Telefon 50 73 10.

Die Kinder kommen auch aus anderen Städten wie Duisburg, Mönchengladbach, Moers, Düsseldorf und sogar aus Frankfurt und Dortmund, nach Krefeld.

„Bei Säuglingen kommen immer mehr Eltern aus dem Drogenmilieu“, so Haider. Hinzu kommen psychisch Kranke und unfähige Eltern. „Bei allen Kindern, die bei uns leben, haben Eltern in irgendeiner Art versagt“, sagt Haider. Merkmale dafür sind optische Verwahrlosung und Vernachlässigung des Kindes sowie Unterentwicklung. Bei kleinen Kindern zappelt man nicht lange“, sagt Lüdert. „Allerdings prüft man genauer und ist auch vorsichtiger“, ergänzt sein Kollege

Kinder ab dem ersten Tag werden im Kinderheim aufgenommen

Pro Schicht stehen in der Säuglings- und Kleinkindergruppe drei Pflegepersonen zur Verfügung. Hinzu kommen Praktikanten. „Der Pflegeaufwand ist sehr hoch“, so Lüdert.

Auch ein eine Woche altes Baby, ist zur Zeit in der Gruppe. Die auffällige Familie benötigte nach der Geburt Hilfe. „Es drohte eine Kindeswohlgefährdung“, erzählt Raimund Haider.

„Kinder ab dem ersten Lebenstag kommen zu uns.“ Besonders schwer fällt es den Pädagogen, bei Kindes-Missbrauch oder -Misshandlung noch mit den Eltern zusammenzuarbeiten. „Für Eltern ist es aber auch immer schwierig, besonders bei Säuglingen“, so Lüdert. Der Kontakt von Eltern und Kindern beschränke sich meist auf drei bis vier Besuche pro Woche. „Die Eltern haben oft keine Struktur, sonst könnten sie sich ja kümmern“, sagt Haider.

Die Heim-Etage auf der die Säuglinge und Kleinkinder leben ist hell und freundlich. Vier Zimmer mit jeweils zwei Betten, eine Küche, eine Spielecke und ein Wohnzimmer bieten viel Platz und ein heimisches Umfeld. Bilder und Fotos dekorieren die Wände. „Hier werden Geburtstage gefeiert und auch der Nikolaus kommt her“, sagt Raimund Haider. Die Betreuerinnen gehen mit den Kindern spazieren und spielen mit ihnen. Auch therapeutische Maßnahmen finden hier statt. „Die Damen sind für den gesamten Bereich der Entwicklung und Gesundheit zuständig“, so Haider weiter.

Alle Betreuer der Gruppen haben 20 oder 30 Jahre Berufserfahrung

„Die Kinder sind so dankbar“, erzählt Krystyna Rothe, die sich liebevoll um die kleine Anna kümmert. Die Arbeit macht der Kinderpflegerin trotz Nachtschichten und Doppelfütterungen immer noch Spaß. Alle Betreuerinnen der Gruppe haben 20 bis 30 Jahre Berufserfahrung. „Wir versuchen das hier so freundlich wie möglich zu gestalten und ich denke das gelingt uns ganz gut“, so Haider. Demnächst geht es mit den Kleinen in den Urlaub.

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