Krefeld. Seit Jahren muss sich Gregor Kathstede den Vorwurf gefallen lassen, ein Zauderer zu sein, der die Stadt zwar ansehnlich repräsentiert, aber nicht führt. Falsch ist diese Sicht der Dinge nicht. Krefelds Oberbürgermeister gelingt es zu selten, Vorhaben zu formulieren und politische Mehrheiten zu organisieren.

Kathstede will das ändern. Auf der Immobilienmesse Expo Real in München hat der CDU-Politiker klare Kante gezeigt. Er hat seine Vorstellungen zur Umgestaltung der Innenstadt nicht nur deutlich benannt, sondern auch die rasche Umsetzung seiner Ideen versprochen. Damit setzt er sich selbst und den Rat unter Druck. Folgt mir oder der Stillstand in Krefeld hält an - so lautet die neue Botschaft.

Noch ist die Finanzpanne in der Verwaltung nicht vollständig aufgearbeitet. Aber nach Lage der Dinge geht der Oberbürgermeister gestärkt aus dem Wirrwarr hervor. Andere und nicht er müssen Verantwortung übernehmen. Das beflügelt. Kathstede scheint zudem gewillt, sich durch das schwierige Verhältnis zu seinem Fraktionschef Wilfrid Fabel nicht länger hemmen zu lassen. Er will die Führungsrolle übernehmen.

Inhaltlich liegt der Oberbürgermeister mit seinem Konzept richtig. Das Stadthaus aufzugeben, um in der City weitere 600 Mitarbeiter der Stadtverwaltung anzusiedeln, wäre ein entscheidendes Signal. Sowohl Sparkasse als auch Volksbank könnten mit diesem Konzept ihre Neubaupläne verwirklichen. Aber Kathstedes Offensive geht weiter: Offen spricht er vom Abriss des Seidenweberhauses, hält ein Kongresszentrum mit Hotel auf dem Theaterplatz für machbar. Wunschvorstellungen seien das nicht, versichert der Oberbürgermeister. An Investoren fehle es nicht, sondern am politischen Willen zur Gestaltung. Starke Worte. Kathstede hat sich aus der Deckung gewagt. Aus dem Zauderer ist aber erst dann ein Macher geworden, wenn die Mehrheit im Rat mitgeht.

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