Biologische Sensation in Krefeld: Nach dem Tod von Lea kümmert sich der Kater um die Jungen.

Krefeld.Die Raubtierpfleger Thomas Hamma und Eike Kück können es selbst noch nicht so ganz glauben, was sich im Schneeleoparden-Gehege abspielt: Der 15-jährige Kater Leonardo, seit rund drei Wochen Witwer, tollt mit seinen Jungen Tara und Patan herum, kuschelt mit ihnen und zeigt ihnen auch schon mal sanft ihre Grenzen auf, wenn sie über die Stränge schlagen. "Er ist außerordentlich souverän, ruhig und entspannt", berichtet Hamma. "Man muss sagen: ein echter Ausnahmevater."

"Leonardo vermittelt den Jungtieren ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit."

Thomas Hamma, Raubtierpfleger

Leonardo ist damit so etwas wie eine biologische Sensation. Denn das pädagogische Verhalten, das er an den Tag legt, wurde so weder in anderen Zoos noch in der freien Wildbahn beobachtet. Die in Asien lebenden Schneeleoparden sind nämlich eigentlich strikte Einzelgänger, die Mutter duldet den Vater nicht in der Nähe ihres Nachwuchses.

"Wir haben damit Glück im Unglück gehabt", sagt Hamma. "Denn nach dem Tod von Lea hatten wir die Befürchtung, dass die jetzt viereinhalb Monate alten Jungtiere verwildern und den Kontakt zu uns komplett verweigern." Über den Vater, zu dem die Pfleger ein sehr gutes Vertrauensverhältnis haben, kommen sie nun auch an die Kleinen heran.

Denn die Zoomitarbeiter wollten auch vermeiden, dass sich Tara und Patan zu sehr an den Menschen gewöhnen. "Das wirkt sich immer negativ auf das Sozialverhalten der Tiere aus", erklärt Zoosprecherin Petra Schwinn.

Auf Muttermilch sind die Jungen nicht mehr angewiesen. Deshalb konnten sie auf feste Nahrung umgestellt werden. "Eine Handaufzucht war damit nicht nötig", sagt Hamma. "Und Leonardo bringt ihnen jetzt bei, wie sich echte Schneeleoparden zu verhalten haben. Außerdem vermittelt er ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit."

Die Zucht der seltenen Raubkatzen war viele Jahre sehr erfolgreich in Krefeld, der Nachwuchs gilt weltweit als gut sozialisiert. Jetzt hofft man auf eine Fortsetzung: Der kleine Kater Patan wird - wenn der Zuchtbuchführer das erlaubt - in Krefeld bleiben und in Zukunft eine junge Partnerin an seine Seite bekommen. "Da weiß man, was man hat", sagt Hamma lächelnd.

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