Am Wochenende nutzten rund 800 Bürger die Chance, die Baustelle unter der St. Töniser Straße zu erkunden.

Kanalbau
Zu Gast in der Krefelder Unterwelt: Am Wochenende konnten Besucher den Stollen unter der St. Töniser Straße begehen.

Zu Gast in der Krefelder Unterwelt: Am Wochenende konnten Besucher den Stollen unter der St. Töniser Straße begehen.

Andreas Bischof

Zu Gast in der Krefelder Unterwelt: Am Wochenende konnten Besucher den Stollen unter der St. Töniser Straße begehen.

Krefeld. Warme Sonnenstrahlen empfangen Tim Vogel, als er die Holztreppe aus der Einstiegsgrube an der Ecke St. Töniser Straße/Gutenbergstraße hinaufsteigt. Als einer von hunderten interessierten Bürgern nutzte er die Gunst der Stunde, sich von den Mitarbeitern der SWK den Stollen zeigen zu lassen. „Ich habe höchsten Respekt vor den Arbeitern. Unfassbar, dass das alles in Handarbeit geschieht. Im Grunde ist das Arbeit, die vor hundert Jahren schon so gemacht wurde“, sagt Vogel sichtlich beeindruckt.

„Um einen Meter pro Tag wird der Stollen vorwärts getrieben.“

Andreas Horster, SWK

In dem Tunnel, der rund drei bis fünf Meter unter der Erde verläuft, sinken die Temperaturen merklich. Es wird ruhig. Selbst der Verkehr, der genau über dem Stollen fließt, ist nicht mehr wahrnehmbar. Es ergibt sich ein Bild, das dem Besuch eines Bergbaumuseums ähnelt. Es geht vom Einstiegspunkt an der Gutenbergstraße Richtung Innenstadt. „Was sie hier sehen, ist alles in Handarbeit reingebracht oder herausgeholt worden. Das hat tatsächlich etwas vom Bergbau“, sagt Andreas Horster, Leiter der Abwasserentsorgung bei den SWK.

Der Tunnel ist durchaus geräumig und bei einer Höhe von bis zu 2,40 Meter brauchen sich die Besucher keine Sorgen zu machen, sich den Kopf zu stoßen. Alle 50 Zentimeter steht ein Stahlbogen. Eine Holzverkleidung trennt das Innere des Tunnels vom Erdreich. Nach einem kurzen Fußmarsch ist das bisherige Ende des Stollens in Richtung Innenstadt erreicht. An der Front halten waagerecht eingesetzte Holzbretter das vor dem Tunnel liegende Erdreich zusammen.

Andreas Horster erklärt, wie hier gearbeitet wird. „Hier arbeiten drei bis vier Männer gleichzeitig. Mit Schaufeln wird das Erdreich von oben nach unten weg geschaufelt. Um einen Meter pro Tag wird der Stollen so vorwärts getrieben.“ Mit dem Hammer wird die Holzverkleidung, die auf den Stahlbögen liegt, nach vorne geschlagen. Das Erdreich, das auch mit dem Presslufthammer bearbeitet wird, kommt mittels Förderband in den Anhänger einer E-Lok. Diese zieht das Material bis zur Einstiegsgrube an der Gutenbergstraße. Dort wird es mit einem Kran an die Oberfläche gezogen.

Durch den Stollenbau entfallen Verkehrsbehinderungen

„Wir haben uns für das Stollenbauverfahren entschieden, damit wir keine Verkehrsbehinderungen haben“, erklärt Horster. Bei einer offenen Baugrube hätte eine Fahrspur der St. Töniser Straße gesperrt werden müssen. „Ich fand die Führung sehr interessant, da ich auch in der Nähe wohne. Ich war überrascht, wie still es dort unten ist“, sagt Stevie Beckhaus, der noch schnell ein Erinnerungsfoto von der Einstiegsgrube macht.

Zwischen Preußenring und Weeserweg bauen die SWK im Stollenbauverfahren einen neuen Kanal für Mischwasser (Abwasser und Niederschlagswasser). So soll auch bei schweren Regenfällen der Niederschlag problemlos abfließen können. Ohne Einsatz von Pumpen wird das Wasser später von Westen bis zur Kläranlage nach Elfrath fließen. Ein Video zu den Arbeiten am Stollen gibt es im Internet: www.swk.de/freizeit-schluff/aktuelle-veranstaltungen/tag-des-offenen-kanals.html

Fakten 300 Tonnen an Verschalungsholz und 200 Tonnen Stahlbögen werden in dem Stollen verbaut, der zurzeit zirka 600 bis 700 Meter lang ist. Gearbeitet wird mit Schaufeln und Presslufthammer. Über ein Förderband wird das Erdreich in den Anhänger einer E-Lok befördert. Der Stollen soll 2016 fertig werden und dann zirka 1100 Meter lang sein. Er ist drei bis fünf Meter tief. Der Kanal wird einen Durchmesser von bis zu 1,60 Meter haben. Kosten: 6,2 Millionen Euro.

Zwei Tage lang konnte der Tunnel besichtigt werden. Teilweise haben die Besucher in einer langen Schlange gestanden, um an einer Führung teilnehmen zu können. Die Resonanz sei durchweg positiv. „Die Leute waren überrascht und sehr interessiert. Manche Besuchergruppen mussten wir nach oben rufen, weil sie so viele Nachfragen gestellt haben“, sagt SWK-Sprecherin Dorothee Winkmann.

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