Während der Pächter das Lokal räumt, wirbt Stefan Kronsbein für Denkmalschutz.

Lehmheide
Letzter Tag im Kaffeehaus Schmitz: Mitarbeiter Franco Falduti räumt das Mobiliar aus.

Letzter Tag im Kaffeehaus Schmitz: Mitarbeiter Franco Falduti räumt das Mobiliar aus.

Stefan Kronsbein mit einer Kartierung von Krefeld durch Tranchot und von Müffling aus den Jahren 1804 und 1844.

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Letzter Tag im Kaffeehaus Schmitz: Mitarbeiter Franco Falduti räumt das Mobiliar aus.

Krefeld. Montag ist im Kaffeehaus Schmitz an der Martinstraße Schluss gewesen mit dem Gastronomiebetrieb. Nach mehr als 150 Jahren. „Das Erste, was dort ausgeschenkt worden ist, war Ziegenmilch“, sagt Gottfried Elfes, der als ein entfernter Nachfahre vieles über die Familie Schmitz, ihre Anfänge Mitte des 18. Jahrhunderts in Lehmheide als Bauern und spätere Gastwirte herausgefunden hat. Unerwartete Unterstützung erfährt er durch Stefan Kronsbein.

Der Krefelder Buchautor und Verleger sitzt für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz als beratender Bürger im Denkmalausschuss. Dort hatte der städtische Denkmalpfleger Gerhard Hanisch vergangene Woche erklärt, dass nach seinen Recherchen das Hauptgebäude des Kaffeehauses erst 1861 gebaut, der Saal daneben 1893/94 entstanden sei und es deshalb für das Ensemble keine Denkmalschutzwürdigkeit gebe.

Denkmalschutz bezieht auch historischen Kontext mit ein

„Ein öffentliches Interesse besteht, wenn Sachen oder Teile davon bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen sind oder volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen“, zitiert Kronsbein aus dem Denkmalschutzgesetz. Diesen Passus bezieht Kronsbein nicht in erster Linie auf das Gebäude, sondern auf den landschaftlichen und historischen Kontext des Traditionslokals.

Direkt vor der heutigen Tür des Kaffeehauses Schmitz hat 1758 die Schlacht von Krefeld stattgefunden. Auf der Fläche des heutigen Friedhofes kämpfte Ferdinand von Braunschweig gegen die französische Armee am Niederrhein – und besiegte sie.

Altes Landschaftsbild teilweise heute noch erkennbar

Die alte Tranchot-Karte zeigt das Krefeld der damaligen Zeit. Der französische Militär-Ingenieur hatte sie zwar erst 1804/1805 gemalt. Er bezieht sich aber auf eine noch ältere Karte von Krefeld aus dem Jahr 1723. Dort ist die Lehmheide mit Niederwald und späterer Busch- und Heidelandschaft gut zu erkennen. „Merkmale, die an ganz wenigen Stellen noch heute zu erkennen sind.“

Ursprünglich wurde die Gegend als Lehmheide bezeichnet, von 1876 bis Juli 1930 hieß sie laut Stefan Kronsbein Friedhofsstraße und ab dann Martinstraße.

Während Hanisch auf späteren Katasterkarten keinen Beweis für den Ursprung des Kaffeehauses Schmitz findet, zeigt Kronsbein auf die Stelle auf der Tranchot-Karte, die heute Martinstraße heißt. Das Grundstück ist leer, aber auf dem sogenannten Leuchtenberg gibt es nebenan Bebauung. Dort könnte die Familie Schmitz ursprünglich gewohnt haben, die etwa 1766 dort an der Lehmheide Land gekauft hat.

Die erste verbriefte Geburtsurkunde mit der Adresse Lehmheide ist für Johann Peters Schmitz, geboren am 3. Mai 1805, ausgestellt. Die liegt Gottfried Elfes vor. Ebenso wie viele weitere. „Das belegt doch, dass die Familie Schmitz dort schon seit mehr als zwei Jahrhunderten gelebt hat.“

Auch das Rätsel um die fehlende Bebauung in älteren Karten könnte sich lösen. „Der Familie gehörten Teile des heutigen Friedhofes und Land bis zur Heideckstraße. Sie hat auf der Lehmheide gewohnt und im 19. Jahrhundert dort möglicherweise neu gebaut“, sagt Elfes.

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