Das Parma-Wallaby-Junge wurde von seiner kranken Mutter verstoßen. Zwei Tierpfleger tragen es nun herum.

Zoo
Norman wurde von seiner Mutter verstoßen. Im Leinenbeutel von Zoo-Tierpflegerin Yvonne Wicht fühlt er sich jetzt wohl.

Norman wurde von seiner Mutter verstoßen. Im Leinenbeutel von Zoo-Tierpflegerin Yvonne Wicht fühlt er sich jetzt wohl.

Andreas Bischof

Norman wurde von seiner Mutter verstoßen. Im Leinenbeutel von Zoo-Tierpflegerin Yvonne Wicht fühlt er sich jetzt wohl.

Krefeld. Yvonne Wicht öffnet ihre Jacke und schaut vorsichtig in den blauen Leinenbeutel, der sich darunter befindet. Langsam kommt ein Schwanz zum Vorschein, verschwindet wieder, doch dann schaut er aus verschlafenen Augen die große Schar von Besuchern an: Norman, das Känguru-Baby, das von seiner Mutter verstoßen wurde und nun das Beuteltier der Tierpflegerin im Krefelder Zoo ist (die WZ berichtete).

Fotografen und Kamerateams haben ihre Objektive auf das Parma-Wallaby-Junge gerichtet, das seinen ersten großen Auftritt gelassen hinnimmt. Nur als Yvonne Wicht den mittlerweile 900 Gramm schweren aus dem Beutel holt und auf ihren Arm setzt, zittert er ein wenig – es fehlt wohl die Nestwärme.

Die Tierpflegerin trägt Norman seit mittlerweile vier Wochen im Beutel umher und wird dabei von ihrem Kollegen Ronald Melcher unterstützt. Das Känguru-Junge war von seiner Mutter verstoßen worden, als diese eine Augenentzündung erlitt – die Schmerzen machten ihr wohl so sehr zu schaffen, dass sie ihren Nachwuchs nicht mehr versorgte. „Norman versuchte dann, im Beutel einer anderen Mutter unterzukommen, die ein noch jüngeres Kind hat“, berichtet Yvonne Wicht. Doch Norman wurde immer wieder rausgeschmissen – wäre er erfolgreich gewesen, hätte er das Leben des anderen Jungtiers gefährdet.

Australische Spezialmilch für eine gute Verdauung

Jetzt ist eine Tierpflegerin seine Ersatzmutter, und der vermutlich im April geborene Parma-Wallaby genießt es, sechsmal am Tag von ihr eine Flasche mit spezieller australischer Aufzuchtmilch zu bekommen. Das Pulver dafür wird im Zoo vorgehalten, seit 2002 nach einer Gepardenattacke im Revier der Grauen Riesenkängurus der kleine Lismore überlebte und lebensbedrohliche Schwierigkeiten mit der Verdauung hatte. Die gibt es bei Norman, der mittlerweile auch feste Nahrung – etwa Heu, Blätter oder Äste – zu sich nimmt, zum Glück nicht. Yvonne Wicht massiert dem Kleinen nach der Mahlzeit den Bauch, woraufhin dieser prompt abführt. Zoodirektor Wolfgang Dreßen, absoluter Känguru-Experte, nimmt prompt die Köttel in die Hand und schnuppert daran: „Alles so, wie es sein soll.“

Wenn Norman nicht gerade im Beutel getragen wird, dann hüpft er schon durch den Stall oder schläft in einer Hundebox zu Hause bei Yvonne Wicht. Um Mitternacht gibt sie ihm die letzte Flasche. Wenn sie den Kleinen unterwegs unter der Jacke im Beutel trägt, wird sie auch schon mal auf eine mögliche Schwangerschaft angesprochen. „Man hat mich sogar mal böse angeguckt, weil ich rauche. Es ahnt ja keiner, dass ich da ,nur’ ein Känguru habe.“

Die Tiere leben in Eukalyptuswäldern an der Ostküste Australiens. Die Art galt als ausgestorben, ehe sie 1966 auf einer Insel vor Neuseeland wiederentdeckt wurde. Dort war sie im 18. Jahrhundert ausgewildert worden. Einige Jahre später entdeckte man weitere Restpolulation an Australiens Ostküste. Die Parma-Wallabys sind zurzeit nicht bedroht. Ein Zuchtprogramm gibt es in deutschen Zoos nicht. Norman wird den Krefelder Zoo in etwa einem dreiviertel Jahr verlassen müssen, um Inzucht zu vermeiden.

Neben den Parma-Kängurus gibt es im Krefelder Zoo noch eine Gruppe Grauer Riesenkängurus aus dem Osten Australiens mit zurzeit neun Tieren, darunter zwei Jungtiere. Im Jahr 2002 hatte es in deren Gehege ein Blutbad gegeben, als Einbrecher den Gepardenkäfig öffneten und eine Gepardin mehrere Kängurus tötete. Zwei überlebende Jungtiere wurden auch damals von Hand aufgezogen: Lismore überlebte durch Menschenhand, Leonora starb nach drei Wochen.

Den Beutel wird es allerdings in wenigen Wochen schon endgültig verlassen. „Das geschieht bei einem Gewicht von etwa einem Kilo“, erläutert Dreßen. Dann kommt Norman, der einmal rund fünf Kilo wiegen dürfte, zu seinen sechs Artgenossen ins Gehege und wird von seiner Pflegemutter entwöhnt.

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