Der katholische Pfarrer Johannes Sczyrba braucht nur ein paar Stichpunkte und sucht damit nach dem richtigen Gefühl.

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Will die Menschen berühren: Johannes Sczyrba von St. Anna.

Will die Menschen berühren: Johannes Sczyrba von St. Anna.

Bischof, Andreas (abi)

Will die Menschen berühren: Johannes Sczyrba von St. Anna.

Krefeld. Ein Din-A5-Blatt – mehr braucht Johannes Sczyrba nicht, um seine Gedanken zur Weihnachtsgeschichte zu formulieren. Notiert werden nur Stichpunkte, manchmal ein Satz, den er genau so sagen will. Alles handschriftlich, versteht sich. „Anders könnte ich es gar nicht“, sagt der katholische Pfarrer von St. Anna.

„Es reicht mir, wenn nur ein Zuhörer berührt wird.“

Johannes Sczyrba, Pfarrer

Die Predigt an Weihnachten ist für ihn besonders schwierig, „weil die Menschen so große Erwartungen haben“. Was suchen vor allem die Gottesdienst-Besucher, die sonst nie zur Kirche gehen? „Wahrscheinlich ist es ein nostalgisches Erinnern an das, was man verloren hat, eine Sehnsucht nach Geborgenheit“, sagt er. „Die Weihnachtslieder, das Krippenspiel – alles ist wichtig, weil es mit einem bestimmten Gefühl zu tun hat.“

Deshalb versucht Sczyrba, nicht darüber nachzudenken, was die meisten Besucher heute Abend bewegt, was der kleinste gemeinsame Nenner sein könnte. Er sinniert vielmehr darüber, was die biblischen Worte, die er so oft gelesen hat, in ihm auslösen. „Der erste Entwurf der Predigt ist an mich selbst gerichtet. Ich frage: Was sagt der Text dir?“

Dabei handelt er frei nach dem Kirchenlehrer und Philosophen Augustinus, der sagte: In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst. „Es ist mir nicht wichtig, dass ich alle erreiche, das geht auch gar nicht“, sagt der Pfarrer. „Es reicht mir schon, wenn nur einer meiner Zuhörer berührt wird und weiterdenkt.“

Sczyrbas Predigten entstehen meist über mehrere Tage. Am Anfang steht die Lektüre des Evangeliums. „Dabei stolpere ich über ein Wort oder einen Gedanken, den ich manchmal bis kurz vor der Predigt weiterspinne“.

Es sind persönliche Assoziationen, die dabei entstehen. Vergangenes Jahr war Bethlehem das Thema, weil es übersetzt „Haus des Brotes“ bedeutet. „Sofort musste ich daran denken, dass Jesus die Menschen speist.“ Und so gab es in der Familienmesse Weckmänner für die Kinder.

„Das Predigen ist für mich auch nach 31 Jahren nicht zur Routine geworden“, sagt Sczyrba. „Ich bin jedes Mal nervös. Aber an Heiligabend weiß ich: Wenn ‚Stille Nacht’ erklingt, muss ich eigentlich nichts mehr machen, um die Menschen zu berühren.“

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