Ab Samstag müssen sich Sexarbeiterinnen beim Ordnungsamt anmelden. Unter anderem soll ihnen dort die Kondompflicht erklärt werden.

Ab heute müssen sich Sexarbeiterinnen beim Ordnungsamt anmelden. Für sie gibt es zukünftig eine Kondompflicht.
Eine gesundheitliche Beratung ist ab Samstag für alle Pflicht, die sexuelle Dienstleistungen anbieten.

Eine gesundheitliche Beratung ist ab Samstag für alle Pflicht, die sexuelle Dienstleistungen anbieten.

Eine gesundheitliche Beratung ist ab Samstag für alle Pflicht, die sexuelle Dienstleistungen anbieten.

Krefeld. Ab Samstag sind Prostituierte dazu verpflichtet, sich bei der Stadt anzumelden. Weil es bei der Verwaltung am Wochenende aber keine Sprechzeiten gibt, dürften vor Anfang der kommenden Woche keine Sexarbeiterinnen vorstellig werden. Mit einem Ansturm aufs Rathaus ist aber wohl auch danach nicht zu rechnen. Denn der Bund hat den Prostituierten, die bereits vor dem 1. Juli, dem Tag des Inkrafttretens des neuen Prostitutionsschutzgesetzes, ihrer Tätigkeit nachgegangen sind, eine Übergangsfrist bis zum 1. Oktober eingeräumt.

Bis zum 31. Dezember müssen sie einen Antrag auf Ausübung der Prostitution eingereicht haben. Bei Neuanmeldungen gibt es keine Übergangsfrist. Wer dem nicht nachkommt, darf keine sexuellen Dienstleistungen anbieten. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Es drohen Geldbußen.

Stadt stellt für Anmeldungen neue Mitarbeiter ein

Ziel der Maßnahme soll es sein, alle Formen der Prostitution in Krefeld zu erfassen und gleichzeitig die Sexarbeiterinnen über Rechte und Pflichten (wie Krankenversicherung, gesundheitliche Beratung, Kondompflicht) aufzuklären, um für mehr Transparenz zu sorgen und gegen die Ausbeutung der Frauen zu wirken. Das Gesetz gilt für alle sexuellen Dienstleistungen, wie zum Beispiel auch Tantra-Massagen oder Escort-Services.

In Nordrhein-Westfalen müssen Kreise und Städte die Durchführung der Gesetzesvorgaben selber stemmen. Für die Prostituierten ist die Behörde zuständig, in deren Gebiet sie ihre Tätigkeit vorwiegend ausübt. Bei der Anmeldung muss ein Informations- und Beratungsgespräch mit der Prostituierten geführt werden. Dafür schafft die Verwaltung eine halbe Stelle im Ordnungsamt – zusätzlich. Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin soll sich um Anmeldungen für die Tätigkeit als Prostituierte sowie die Anmeldung eines Gewerbes für sexuelle Dienstleistungen kümmern. Vor der Registrierung beim Ordnungsamt ist eine Gesundheitsberatung für alle Pflicht, die ihr Geld mit sexuellen Dienstleistungen verdienen. Für diese Beratung im Gesundheitsamt ist ebenfalls eine zusätzliche halbe Stelle eingeplant. „Zu Beginn versuchen wir, die Beratungsgespräche mit dem vorhandenen Personal zu absolvieren“, sagt Stadtsprecherin Angelika Peters.

Waren die Prostituierten sowohl beim Gesundheitsamt als auch bei der Ordnungsbehörde vorstellig, erhalten sie einen Ausweis, den sie mitführen und auf Nachfrage der Ordnungsbehörde vorzeigen müssen. „Auf Wunsch kann zusätzlich eine Aliasbescheinigung ausgestellt werden“, erklärt Angelika Peters.

Die Anmeldung für die Tätigkeit als Prostituierte / Prostituierter sowie die Anmeldung eines Prostitutionsgewerbes können im Fachbereich Ordnung, Am Hauptbahnhof 5, Zimmer 506, vorgenommen werden.

Die Gesundheitsberatung für Prostituierte findet im Gesundheitsamt, Gartenstraße 32, Zimmer 1.22, Telefon 863524, statt.

Da aber bis zu diesem Wochenende die nötigen Dokumente von der Bundesdruckerei noch nicht im Krefelder Rathaus angetroffen sind, können die Ausweise bislang noch nicht ausgestellt werden.

Zusätzlich zu diesem Dokument Ausweis müssen die Prostituierten in Zukunft auch eine Bescheinigung über die absolvierte Gesundheitsberatung mitführen. Nach Anmeldung der Tätigkeit muss diese Beratung alle zwölf Monate wiederholt werden. Prostituierte unter 21 Jahren müssen mindestens alle sechs Monate beim Gesundheitsamt vorstellig werden. Zu viel Bürokratie für das sonst so anonyme Geschäft mit den Liebesdiensten? Es scheint zumindest so.

Stadtdirektorin verspricht, diskret mit Anmeldungen umzugehen

„Bislang haben sich noch keine Personen zur Beratung beim Gesundheitsamt vorgestellt“, erklärt Angelika Peters. Ob es an den eingeräumten Übergangsfristen oder doch an dem ungeliebten Gang zur Verwaltung liegt? Immerhin verspricht Stadtdirektorin Beate Zielke, dass man vonseiten der Stadt diskret mit Anmeldungen umgehen würde. Alle Informationen zur gesundheitlichen Beratung oder Anmeldung im Ordnungsamt, sollen der Antragstellerin entweder in ihrer Landessprache oder einer ihr bekannten Fremdsprache zur Verfügung gestellt werden.

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