Krefeld. Die Berliner Straße ist vierspurig ausgebaut und - ungewöhnlich für Krefeld - frei von Schlaglöchern. Sie bringt viele Pendler morgens in die Stadt und abends wieder zur A57. Wie unsinnig und lebensfremd Tempo 50 auf dieser Strecke ist, werden die nächsten Wochen zeigen. Die Radar-Knöllchen werden manches Loch im städtischen Haushalt stopfen, immerhin.

Das Grundproblem ist ein anderes, typisch deutsches. Hier dürfen neue Gesetze niemandem weh tun, weshalb wir auch das einzige Land in Europa sind, das ein Rauchverbot mit Hilfe von Raucherclubs durchsetzen möchte und beim Dosenpfand die Apfelschorle ausklammert.

Wenn wir in Deutschland die Luft verbessern möchten, tun wir zunächst das, was wir traditionell am besten können: Wir erfinden eine neue, gigantische Bürokratie, die Umweltzonen auf Stadtpläne zeichnet, bunte Plaketten auf Autos klebt und Durchgangsstraßen in Kriechspuren verwandelt. Auf diese Weise erzielt man minimalen Ertrag bei maximalem Aufwand und schraubt nebenbei die Akzeptanz in der Bevölkerung auf null.

Umwelt und Gesundheit zu schützen, ist alternativlos - aber bitte konsequent. Mit autofreien Innenstädten, horrenden Steuern für Abgasschleudern, billigem Nahverkehr, Anreizen für Industrie und Bürger, sparsame Autos zu produzieren und zu nutzen. Das Tempolimit auf der Berliner Straße ist eine von vielen Versuchen, einen Tsunami aufzuhalten, indem man Playmobil-Zäune am Strand verteilt.

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