Der Dezernent Thomas Visser nimmt Stellung zu den Schäden an Bäumen und Befürchtungen von Baumschützern.

Interview
Bauarbeiten im Stadtgarten: Die Bäume an der St.-Anton-Straße im Schotterbett.

Bauarbeiten im Stadtgarten: Die Bäume an der St.-Anton-Straße im Schotterbett.

Thomas Visser bezieht Stellung zu der in die Kritik geratenen Umgestaltung des Stadtgartens.

Andreas Bischof, Bild 1 von 2

Bauarbeiten im Stadtgarten: Die Bäume an der St.-Anton-Straße im Schotterbett.

Krefeld. Vor Ort im Stadtgarten haben sich Vertreter der Bezirksvertretung West, des Fachbereichs Grünflächen, der Bauplanung und Bürger getroffen. Grund hierfür ist WZ-Berichterstattung „Umbau Stadtgarten: Bäume leiden“ und das WZ-Mobil, bei dem Bürger und Baumschützer ihre Sorge über die geplante Asphaltierung und mögliche weitere Baumschäden äußerten. Nach Rücksprache mit Verantwortlichen und eigenem Augenschein beantwortet Beigeordneter Thomas Visser die bereits vor Tagen gestellten Fragen der WZ.

Laut Aussage der Verwaltung ist die 90 Jahre alte Linde auf dem früheren Spielplatz trotz der Verletzungen im Wurzelbereich stand- und verkehrssicher. Wieso ist der Baum dann mit einem Drahtseil gesichert?

Thomas Visser: Der Baum wurde von einem Gutachter eingehend untersucht. Die Standsicherheit ist gegeben. Durch den Wurzelverlust muss der Kronenmantel reduziert werden, um einen Ausgleich herzustellen. Nach dem Kronenschnitt wird die Seilsicherung entfernt. Ein Baumnährsubstrat im Wurzelbereich dient der besseren Versorgung.

Da die Fördermittel des Landes auch wegen des alten Baumbestandes fließen, muss dessen Schutz garantiert sein. Nach Informationen der WZ sollen durch die Baggerarbeiten und die Verlegung eines neuen Stromkabels bereits mehrere Bäume stark geschädigt sein, unter anderem eine Esche „Am Stadtgarten“ und ein Feldahorn (beide zirka 100 Jahre alt). Ist Ihnen das bekannt?

Visser: Nein. Aufgrund des Schadensvorfalls an der Linde wurden die Baumschutzmaßnahmen noch differenzierter abgestimmt, dies gilt auch für die Verlegung des Stromkabels.

Laut Ratsfrau Anja Cäsar von den Grünen sei das Grünflächenamt beim Ortstermin im Stadtgarten um sachliche aufklärung über die Ursachen der Schäden bemüht gewesen. Es sei deutlich geworden, dass die beauftragte Fachfirma wider besseren Wissens nicht die erforderliche Sorgfalt habe walten lassen.

Für die in Folge dieser Fehler notwendig gewordenen umfangreichen Baumpflegemaßnahmen müsse die Firma laut Thomas Visser und Anja Cäsar die Kosten tragen.

Der beauftragten Firma wird ab sofort ein sachkundiger Mitarbeiter des Grünflächenamtes zur Seite gestellt, der den Fortgang der Arbeiten im Stadtgarten kontrollieren und fehlerhaftes Arbeiten verhindern soll.

Laut Beobachtungen ist der Boden einer rund 100 Jahre alten Hainbuche durch Radlader-Fahrspuren im gesamten Wurzelbereich extrem verdichtet worden. Solche Bäume sterben überwiegend in den nächsten zehn Jahren ab. Ist Ihnen die Bodenverdichtung bekannt?

Visser: Der Wurzelbereich der Hainbuche ist abgesperrt. Außerhalb des Wurzelbereiches wurde gefahren.

Werden von dem beauftragten Unternehmen die Vorgaben der Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingung Baumpflege (ZTV) eingehalten? Falls ja, sollte der Wurzelraum der Altbäume möglichst nicht befahren werden oder es müsste zumindest mit einer druckverteilenden Abdeckung gearbeitet werden. Ist das der Fall?

Visser: Die ZTV Baumpflege ist eine Fachrichtlinie für die Baumpflege. Als relevante Vorschriften zum Schutz von Bäumen auf dem Baugrundstück sind die DIN 18920, die RAS LP 4 und auch die Baumschutzsatzung der Stadt Krefeld zu nennen. Die genannten Vorschriften werden bei der Baumaßnahme berücksichtigt.

Ist tatsächlich geplant, Teile des Stadtgartens drei Meter breit asphaltieren zu wollen?

Visser: Jeweils eine Nord-Südachse und eine Ost-Westachse werden in 2,5 Meter Breite als eingestreute Asphaltwege hergestellt. Durch die seitliche Entwässerung werden die Wurzelbereiche versorgt.

Können durch das Aufbringen einer mindestens 30 Zentimeter hohen Kalkstein-Schotter-Schicht weitere Bodenverdichtungen und damit einhergehende Wurzelschäden ausgeschlossen werden?

Visser: Die Kalkstein-Tragschicht ist wasserdurchlässig und durchwurzelbar.

Durch Versiegelung mit Asphalt sollen 30 Prozent der Wurzeln eines jeden Allee-Baumes vom Wassereintrag abgeschnitten werden. In Folge müsse laut Baumexperten mit einem Absterben der Kronen (bis zu 30 Prozent) gerechnet werden. Über die abgestorbenen Wurzeln könnten sich in Folge holzzerstörende Pilze im Baum breitmachen. Ist das geprüft und bei den Planungen und Umsetzungen berücksichtigt worden? Wäre nicht auch eine Alternative zu Asphalt möglich und denkbar?

Visser: Die Verlegung der Stromleerrohre in der Allee-Mitte hat keine relevante Durchwurzelung gezeigt. Das heißt: Die Wegetrasse wurde von den Baumwurzeln gemieden. Das Hauptwurzelwachstum geht in die Rasenflächen. Der vorhandene, alte wassergebundene Weg weist starke Verdichtungsebenen auf, die kaum noch eine Durchlässigkeit von Wasser und Luft ermöglichen. Mit dem Asphaltweg findet künftig eine bessere Lastverteilung beim Befahren und Begehen statt, somit können solche Verdichtungen vermieden werden.

Hat ein Baumsachverständiger den Architektenplan überarbeitet?

Visser: Die Plangestaltung und Bauausführung ist an den jeweiligen Baum und die Wurzelsituation angepasst. Aussparungen und höhere Einfassungen, zum Schutze der Baumwurzeln sind schon jetzt vor Ort erkennbar.

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