Bettina Lindgens (Weisser Ring) spricht über die hohe Hemmschwelle, eine Strafanzeige zu stellen.

Bettina Lindgens ist Vorsitzende der Opferhilfe Weisser Ring in Krefeld und betreut jährliche Hunderte Opfer von Gewaltverbrechen.
Bettina Lindgens ist Vorsitzende der Opferhilfe Weisser Ring in Krefeld und betreut jährliche Hunderte Opfer von Gewaltverbrechen.

Bettina Lindgens ist Vorsitzende der Opferhilfe Weisser Ring in Krefeld und betreut jährliche Hunderte Opfer von Gewaltverbrechen.

D. Jochmann

Bettina Lindgens ist Vorsitzende der Opferhilfe Weisser Ring in Krefeld und betreut jährliche Hunderte Opfer von Gewaltverbrechen.

Krefeld. Jedes Jahr wenden sich hunderte Betroffene an die Opferhilfe Weisser Ring in Krefeld. Die Vereinsvorsitzende Bettina Lindgens versucht, mit ihren elf ehrenamtlichen Mitarbeitern die benötigte Hilfe zu koordinieren. Ob häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe oder der Einbruch in den eigenen vier Wänden – Betroffene haben mit den schwerwiegenden Folgen eines Verbrechens oft auch noch Jahre nach der Tat zu kämpfen. Die Hemmschwelle sei aufseiten der Betroffenen aber auch bei Sexualstraftaten besonders hoch.

Frau Lindgens, wie hoch ist die Anzahl der Opfer von sexuellen Übergriffen, die Sie pro Jahr betreuen?

Bettina Lindgens: Im vergangenen Jahr haben wir in 74 Fällen Opfer von sexueller Gewalt betreut. Die Vorjahreszahlen lagen etwas darunter.

Woran könnte das liegen?

Lindgens: Ich denke, es liegt möglicherweise daran, dass die Hemmschwelle, eine Strafanzeige zu stellen, größer geworden ist. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.

Hilfe Opfer sexueller Gewalt können sich immer an die Polizei wenden, oder an Beratungsstellen wie den Weissen Ring (auch ohne Strafanzeige), an die Fachdienststelle Häusliche Gewalt des SKF oder an die Frauenberatungsstelle.

Telefon Das Opfertelefon (116 006) oder die Telefonseelsorge (0800/111 0111) sind immer erreichbar.

Straftaten Die Polizei verzeichnete 164 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Krefeld im Jahr 2015. Darunter fielen unter anderem 36 Fälle von Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen.

Vorfälle In der vergangenen Silvesternacht war es in Köln im Bereich des Hauptbahnhofs und des Kölner Doms zu zahlreichen sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Gruppen junger Männer gekommen, die vornehmlich aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammen sollen.

Wie häufig gibt es sexuelle Übergriffe auch im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt?

Lindgens: Sehr häufig ist die sexuelle Gewaltkomponente auch bei häuslicher Gewalt festzustellen, beides liegt sehr nahe beieinander. Auch hier ist die Hemmschwelle sehr hoch, weil die Opfer sehr lange aushalten, an der Familie festhalten und häufig aus wirtschaftlichen Gründen keine Alternative sehen.

Was sind die Folgen?

Lindgens: Das Selbstbewusstsein sinkt immer mehr und oft wird man erst tätig, wenn die Täter auch bei den Kindern übergriffig werden.

Wie sehr leiden die Opfer unter den Übergriffen?

Lindgens: Die Opfer leiden mitunter Jahre unter den sexuellen Übergriffen. Oft macht sich das aber auch erst nach Jahren bemerkbar, man verdrängt zunächst gerne. Später können die schrecklichen Ereignisse Traumata auslösen.

Wie genau helfen Sie den Opfern?

Lindgens: Wichtig ist meist die Vermittlung von Rechtsberatung und oft die notwendige psychologische Unterstützung. Des Weiteren gibt es immer einen Weg – auch bei wirtschaftlicher Not. Das Hilfenetzwerk in Krefeld funktioniert optimal.

Können Sie feststellen, dass es vermehrt sexuelle Übergriffe von Zuwanderern gibt?

Lindgens: Nein, dass es vermehrt sexuelle Übergriffe von Zuwanderern gibt, kann ich nicht feststellen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer