Zuletzt hat der Zoo schwarze Zahlen geschrieben. Durch Investitionen und Finanzkrise geht es nicht mehr so weiter, sagt Direktor Wolfgang Dreßen.

Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen möchte ein größeres, attraktives Café bauen.
Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen möchte ein größeres, attraktives Café bauen.

Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen möchte ein größeres, attraktives Café bauen.

Dirk Jochmann

Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen möchte ein größeres, attraktives Café bauen.

WZ: Herr Dreßen, wie haben Sie das Zoojahr 2008 abgeschlossen?

Wolfgang Dreßen: Wir werden voraussichtlich ein schwaches Plus von 60000 Euro verzeichnen. Das bedeutet: Wir haben im dritten Jahr in Folge schwarze Zahlen geschrieben. Allerdings haben in 2008 nur die hohen Zinsen aus den Kapitalrücklagen unser Plus gerettet.

Wird es in den nächsten Jahren ebenso rosig weitergehen?

Dreßen: Nein, wir erwarten ein Minus für die Jahre 2010 und 2011. Die Zinsen werden durch die Wirtschaftskrise nicht mehr so hoch sein, und wir werden viele Investitionen aus den Kapitalrücklagen tätigen. Außerdem kommen auf den Zoo höhere Kosten zu - und das bei einem gedeckelten städtischen Zuschuss: Auch der Zoo ist von der Tariferhöhung im öffentlichen Dienst massiv betroffen, aber auch von allgemeinen Steigerungen der Energie- und Sachkosten.

Dann ist wohl bald eine Preiserhöhung fällig.

Dreßen: Vorerst nicht. Wir werden erst investieren und neue Attraktionen schaffen. Nur so können wir gegenüber den Besuchern eine Preiserhöhung rechtfertigen. Die ist für das Jahr 2011 vorgesehen. Der Zoo ist ein florierendes und expandierendes Unternehmen. Wir müssen noch viel bei der Tierhaltung verbessern, aber auch das Personal muss endlich unter besseren Bedingungen arbeiten können. Da kommt noch viel Arbeit auf uns zu.

Wie wird es denn jetzt bei der Elefantenhaltung weitergehen?

Dreßen: Die große Lösung mit vier Elefanten können wir uns vorerst nicht leisten, bis 2012 ist dieses Ziel nicht realisierbar. Das kurzfristige Ziel ist es, Rhena und Mumptas Mahal von der Kettenhaltung zu befreien und sie in Boxen zu halten, die auf der jetzigen Stallfläche installiert werden. Weitere Umbauten betreffen neue Stahltüren für den Innenraum, neue Tore zur Außenanlage und Abtrenngatter. Der Trockengraben wird zugeschüttet, neue Absperrungen zu den Besuchern werden installiert. Die ganze Anlage soll elektromechanisch zu bedienen sein. Das Ganze wird um die 80000 Euro kosten. Wir haben bereits mit den Vorbereitungen begonnen. Der Umbau wird aber erst im Sommer starten, da die Tiere mehrere Tage draußen verbringen müssen.

Wie würde denn die langfristige Lösung aussehen?

Dreßen: Wir beginnen dieses Jahr, mehrere Großprojekte wie die Außenanlage für die Menschenaffen, die Afrikasavanne und die Großtieranlage zu planen. Die Afrikawiese soll vollkommen neu gestaltet werden. Sie kann gemeinsam mit den Menschenaffenanlagen zu einem Leuchtturmprojekt der Stadt Krefeld werden. Wir denken hier an eine neue Zusammensetzung der Arten, das wird noch eine spannende Entwicklung. Diese Vision wird zusammen mit einem Architektenbüro noch dieses Jahr entwickelt, so dass wir uns dann auf Sponsorensuche begeben können.

Kinder und Jugendliche warten auf das Forscherhaus. Wann ist es fertig?

Dreßen: Das Forscherhaus wird im Mai für unsere Jungforscher eröffnet. Die Kosten für die Sanierung und Ausstattung belaufen sich auf insgesamt 146000 Euro. Das Zooführer-Team wird dort zu Hause sein. Wir wollen mit diesem Angebot die naturkundliche Bildung der Kinder fördern und verbessern. Die Jungforscher werden den Zoo hinter seinen Kulissen kennen lernen, zum Beispiel Kot- und Wasserproben unter dem Mikroskop untersuchen, aber auch allgemein etwas über biologische Zusammenhänge erfahren - wie zum Beispiel das Ökosystem Regenwald oder gar der städtische Park funktionieren.

Wann wird denn das Bauernhaus fertig sein?

Dreßen: Damit rechnen wir ebenfalls im Mai. Für insgesamt 365000 Euro haben wir das Haus von Grund auf saniert. Es wird mit seinen 250 Jahren dann ein echtes Schmuckstück im Eingangsbereich des Zoos sein. Wenn es fertig ist, wird die Verwaltung dort vorübergehend einziehen. Dann ist sie nicht mehr auf dem ganzen Gelände verstreut und kann besser und effizienter zusammenarbeiten.

Was passiert denn dann mit dem Häuschen an der Zookasse, in dem sich momentan Ihr Büro befindet?

Dreßen: Die Planungen für eine Vergrößerung laufen bereits, damit bis spätestens 2010 ein Zoo-Shop dort einziehen kann. Hier werden wir endlich eigene hochwertige Produkte vom Zoo, gute Tierbücher und Tierfiguren auf einer schönen Verkaufsfläche anbieten. Außerdem werden wir Projekte aus der Dritten Welt unterstützen und die Produkte wie Schmuck oder Schnitzereien aus Afrika, Asien oder Südamerika vertreiben. Der Erlös aus dem Verkauf fließt dann in diese Projekte. Ich erwarte deutliche Mehreinnahmen aus dem Zoo-Shop, diese Quelle lag so lange brach - und sie muss und wird sprudeln.

Der Wirtschaftshof wird von den Zoomitarbeitern sehnlichst erwartet. Steht die Finanzierung?

Dreßen: Der Aufsichtsrat hat für den ersten Bauabschnitt 3,05 Millionen Euro bewilligt. 2,55 Millionen wird der Bau der Futtermeisterei kosten, die wir ganz dringend benötigen, 500000Euro die Erschließung des Geländes. Der Neubau ist in drei Phasen aufgeteilt: 1. Bau der Futtermeisterei, 2. Bau der Werkstätten, der Gärtnerei und der Lager 3. Bau der Personalgebäude. Leider liegt bisher nur Geld für Phase eins bereit.

Gibt es denn schon eine Lösung für den Radweg?

Dreßen: Nein. Aber eins müssen wir klarstellen: Der Wirtschaftshof ist das Herz des Zoos, er muss eine direkte Anbindung an das Zoogelände haben. Der Ascheplatz ist ideal, weil er am Rand des Zoogeländes liegt, aber trotzdem zentral. Den Radweg dort zu lassen, wo er ist, wäre unverantwortlich. Auf dem Wirtschaftshof herrscht permanent Betrieb, viele Fahrzeuge, darunter auch große Lkw, fahren ein und aus. Eine mögliche Lösung mit Toren ist nicht tragbar. Ich werde für die permanente Unfallgefahr keine Verantwortung übernehmen. Auch eine große Brücke zu bauen, ist utopisch, denn sie müsste riesige Ausmaße annehmen. Für den Zoo wäre die beste Lösung, den Weg zu verlegen. Dann wären wir auch die leidige Fußgängerbrücke los, mit der wir immer wieder Probleme haben. Alleine in den vergangenen Jahren hatten wir etwa 30 Fälle von Vandalismus, weil sich Unbekannte einfach über die Brücke in den Zoo abgeseilt haben. Hier erwarte ich neue städteplanerische Lösungen, denn der Zoo darf in seiner derzeitigen rasanten Entwicklung nicht gebremst werden.

Wie sieht der Zeitplan der Bauarbeiten aus?

Dreßen: Wir erwarten die Übergabe des Ascheplatzes in der zweiten Hälfte 2009. Dann kann mit der Erschließung des Geländes begonnen werden, die bis Ende 2009 abgeschlossen ist. Wir rechnen mit 13 bis 14 Monaten Bauzeit, so dass im Frühjahr 2011 die Futtermeisterei einziehen kann. Die jetzige Futtermeisterei, die von der Bausubstanz in Ordnung ist, wird anschließend saniert und zum Personalgebäude für Gärtner, Handwerker und Pfleger. Die einzelnen Kleingebäude drumherum werden dann nach und nach abgerissen.

Der Gorilla-Garten ist nach der Raubkatzen-Anlage das nächste große Projekt der Zoofreunde. Wann wird er realisiert?

Dreßen: Der Gorilla-Garten ist nur die erste Phase unseres Großprojektes "Außenanlage Menschenaffen". Dieses Jahr werden wir in die Planung des eine Million Euro teuren Projekts gehen, im Frühjahr werden wir unsere Pläne gemeinsam mit den Zoofreunden präsentieren. 2010 beginnen wir mit dem Um- und Neubau, für Frühjahr 2011 haben wir die Eröffnung angepeilt. Die Zoofreunde haben bereits einen Großteil des Geldes zusammen, mindestens 700000 Euro. Die Hulman-Languren werden abgegeben, die Kraniche umgesiedelt. Die Ameisenbären sind ja bereits umgezogen. So haben wir dann ein 1200 bis 1400 Quadratmeter großes Areal frei.

Wie sehen die anderen Phasen aus?

Dreßen: Wir würden gerne direkt im Anschluss mit der Außenanlage der Schimpansen weitermachen. Dafür fehlen aber noch die Finanzmittel, und es müssen zudem vorher die Kängurus und Pelikane umgesiedelt werden. Für die Kängurus muss eine neue Anlage voraussichtlich auf der jetzigen Nyala-Antilopenanlage gebaut werden. Dann, in Phase drei, sollen die Orang-Utans eine Außenanlage bekommen. Wo die hin soll, steht aber noch in den Sternen. Da der Kunstrasenplatz im Westen des Zoos eine Ausdehnung unmöglich macht, wissen wir derzeit nicht, wie es langfristig mit dieser Art weitergeht. Fest steht aber, dass wir in diesem Jahr für alle drei Menschenaffen-Arten Anlagen planen, auch wenn die Finanzierung und die Flächen noch nicht vorliegen.

Im Moment versuchen Sie, den Sanierungsstau zu beheben. Wann werden denn die Arbeiten abgeschlossen sein?

Dreßen: 2009 stehen noch zwei große Projekte an: Die Feuchtigkeitsschäden an den Holzträgern und am zentralen Dachtrichter des Regenwaldhauses zu beseitigen, wird rund 980000 Euro kosten. Damit verknüpft ist die Dachsanierung, die aufgrund des Hagelschadens dringend notwendig ist. Die Kosten hierfür übernimmt die Versicherung. Auch die Dächer des Affen- und Vogelhauses werden ausgetauscht. Wir werden mit Vierfachstegplatten arbeiten, die eine bessere Isolierung bieten und langfristig Energie sparen. Die Sanierung der Dächer birgt allerdings ein großes Risiko für die Tierhaltung. Unsere fliegenden Tierarten wie Fledermäuse und tropische Vögel dürfen ja durch das offene Dach nicht entweichen. Da bekomme ich schon etwas Bauchweh, wenn ich daran denke. Daher ist eine genaue logistische und architektonische Planung entscheidend, und alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen. Zum Glück arbeiten wir mit einer erfahrenen Wintergartenbaufirma aus Süddeutschland zusammen.

Die Tigerjungen Jambi und Jarum sind Besuchermagneten. Wie geht’s mit der Tigerzucht weiter?

Dreßen: Das ganze Jahr 2009 werden sich die Besucher an der Entwicklung von Jambi und Jarum erfreuen können. Die spielen nämlich so toll hinter den Kulissen, und es wird Zeit, dass das auch die Zoogäste endlich mitbekommen. Sobald das Eis getaut ist, werden sie auf die große Außenanlage gelassen. Wir beginnen jetzt schon nach einer neuen Unterkunft für die beiden für 2010 zu suchen. Noch wurde kein Zuchtstopp ausgesprochen, denn das Zuchtbuch unterliegt einer dynamischen Entwicklung. Wahrscheinlich werden wir mit Sutera und Beludru weiterzüchten können.

Wann wird endlich das Café- und Spielplatzangebot verbessert?

Dreßen: Die Zoofreunde haben in 2008 und 2009 bisher 20000 Euro für neue Spielgeräte bereitgestellt, die wir dieses Jahr installieren werden. Vision ist es, auf dem Gelände des alten Wirtschaftsgebäudes langfristig ein neues großes, attraktives Café mit Außenanbindung zu bauen. Aber das ist, wie gesagt, noch eine Vision.

Herr Heitmann hatte die Idee , den Zoo in eine Aktiengesellschaft zu verwandeln. Was ist daraus geworden?

Dreßen: Ich denke, dass wir mit der gGmbH eine gute Form gefunden haben. Die muss sich die nächsten zehn Jahre erst einmal bewähren. Aber es wird überlegt, einen finanzstarken Investor zu suchen, der auch als Gesellschafter einsteigen könnte. Denn unsere Finanzmittel werden durch die genannten Investitionen bis 2012 verbraucht sein. Unabhängig davon ist es weiterhin unser Ziel, mit dem städtischen Zuschuss auszukommen und wirtschaftlich zu arbeiten.

Wie lautet die Philosophie des Zoos für die nächsten Jahre?

Dreßen: Der Zoo wird ein Artenschutzzentrum. Aber das muss gelebt und mit Inhalt gefüllt werden und nach und nach wachsen. Dabei wird der Bildungsaspekt sowie die Erhaltung der tierischen und pflanzlichen Vielfalt im Vordergrund stehen. Gleichzeitig muss der Parkcharakter erhalten bleiben, denn wir wollen weiterhin ein attraktiver Erholungsraum für die Krefelder und Besucher aus der Region bleiben.

Ihr persönliches Highlight 2008?

Dreßen: Im Zoo gibt es immer mehrere: die Geburt und den tollen Charakter von Thabo, die Zuchterfolge bei den Spaltfußgänsen, die ihre anfänglichen Erziehungsprobleme bravourös gemeistert haben, aber auch der neue Vorstand der Zoofreunde.

Worauf freuen Sie sich 2009 am meisten?

Dreßen: Dass Ende des Jahres hoffentlich die meisten Sanierungen erfolgreich abgeschlossen sind, und wir uns Schritt für Schritt der weiteren Verbesserung der Tierhaltung widmen können.

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