Auf dem Wasser und der Schiene wachsen die Umschlagzahlen. Neue Investoren und schwarze Zahlen in Sicht.

Krefeld. Der Krefelder Hafen, einst ein Sorgenkind der Stadt, entwickelt sich prächtig. Mit der anziehenden Konjunktur verbessert sich die Aussicht auf Gewinne. Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführern Elisabeth Lehnen und Rainer Schäfer.

Wie hat sich die Ertragslage des Hafens entwickelt?

Rainer Schäfer: Besser als geplant. Die Verluste werden in diesem und auch im nächsten Jahr nur noch im fünfstelligen Bereich liegen. Im laufenden Geschäft gibt es keine roten Zahlen mehr. Das Unternehmen ist schon jetzt gesund, zwei Jahre früher als erwartet.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen?

Elisabeth Lehnen: Zum Start der neuen Gesellschaft 2008 waren es 38. Jetzt sind es um die 50 - Tendenz steigend.

"Die Ansiedlung von Thyssen-Krupp war wie ein Sechser im Lotto."

Rainer Schäfer, Geschäftsführer

Mit welchen Flächen kann die Gesellschaft arbeiten?

Lehnen: 433.000 Quadratmeter stehen uns zur Verfügung. Etwa 410.000 qm davon hat die Stadt eingebracht. 150.000 qm sind langfristig an Thyssen-Krupp vermietet. Etwa 30.000 qm nimmt der Container-Terminal ein. Die übrigen Flächen warten auf Investoren.

Wie läuft die Vermarktung?

Schäfer: Gut. Mit zwei Unternehmen stehen wir vor dem Abschluss. Damit wächst dem Hafen ein Volumen von 250.000 Tonnen pro Jahr zu. Namen kann ich noch nicht nennen. Eine Ansiedlung wie Thyssen-Krupp ist allerdings nicht dabei. Das war für uns wie ein Sechser im Lotto. So etwas geschieht nur einmal im Leben.

"Wir werden unsere Flächen vermieten, nicht verkaufen."

Elisabeth Lehnen, Geschäftsführerin

Welche Bedeutung hat die neue Hafenringstraße?

2008 hat die Stadt Krefeld 49 Prozent der Hafengesellschaft an die Neuss-Düsseldorfer Häfen verkauft. Dieser strategische Partner verpflichtete sich, alle künftigen Verluste des Hafens zu übernehmen. Im Gegenzug stellte die Stadt der Gesellschaft ihre Grundstücke rund um das Wendebecken zur Verfügung. Vor dem Verkauf lag der jährliche Verlust des Hafens meist zwischen 1,0 und 1,2 Millionen Euro.

2008 betrug der Verlust 620.000 Euro, 2009 waren es 319.000 Euro, 2010 wird der Verlust unter 100.000 Euro liegen. Geplant ist, dass der Hafen ab 2013 Gewinne erwirtschaftet.

Lehnen: Sie ist sehr wichtig. Mit dieser Straße, die vermutlich Ende 2013 fertig wird, stehen uns rund um das südliche Wendebecken weitere 100.000 qm auf hochwasserfreiem Niveau zur Verfügung. Auch hier gilt: Die Flächen werden vermietet, nicht wie früher verkauft. Etwa 1,5 Millionen qm im Hafen gehören privaten Unternehmen. Das soll keinesfalls mehr werden.

Wo erwarten sie Wachstum?

Schäfer: Zum Beispiel im Warenaustausch mit Schweden. Derzeit kommt täglich ein 700 Meter langer Zug aus Malmö im Hafenbahnhof Linn an, der übrigens nicht nur Ikea-Möbel mitbringt. Umgeschlagen werden die Güter im Hafen-Terminal. Mit Industriewaren aller Art fährt der Zug zurück nach Schweden.

Wie sehen die aktuellen Umschlagzahlen aus?

Lehnen: Bis einschließlich Oktober haben wir bei den Schiffsgütern 2,8 Millionen Tonnen erreicht, im Jahresvergleich 25 Prozent mehr. 620.000 Tonnen sind es bei der Bahn, das ist ein Plus von 34 Prozent. Unser Hauptkunde ist nach wie vor der Chemiepark mit einem Anteil von fast 60 Prozent.

Braucht der Hafen das Kohlekraftwerk, um dauerhaft Gewinne zu erwirtschaften?

Schäfer: Nein. Unsere Strategie beruht nicht auf dieser Ansiedlung. Aber wenn wir den Umschlag von 2,4 Millionen Tonnen Kohle im Jahr dazu bekommen, wäre das für uns das Sahnehäubchen.

Welche Perspektiven hat der Hafen?

Schäfer: Glänzende. Der Container-Umschlag wird sich bis zum Jahr 2025 mindestens verdoppeln, vielleicht sogar verdreifachen. Der Hafen Rotterdam erweitert seine Fläche um 1000 Hektar in die Nordsee hinein. 40 Prozent dieser zusätzlichen Mengen werden per Binnenschiff ins Hinterland kommen. Davon werden wir profitieren.

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