Der türkische Adressenhändler Y. belastet den Krefelder William F. schwer.

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Andreas Bischof

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Krefeld. Im Betrugsprozess um die reiche Beute, die der Krefelder William F. (28) im Callcenter-Milieu bei tausenden geprellten Kunden gemacht haben soll, hat ein Ermittler vor dem Krefelder Landgericht die Inkasso-Einkünfte des Adressenhändlers aufgedröselt. Die Bankauszüge zeigen, dass der Angeklagte mehrere Konten in Deutschland führte und insbesondere auf sein Geschäftskonto hunderttausende Euro geflossen waren. Immer wieder wurden große Beträge abgehoben oder auf eines der Privatkonten verschoben. So wurden alleine nach der Festnahme des Angeklagten im Mai 2011 über 400 000 Euro sichergestellt. Insgesamt sei ein Schaden von 1,35 Millionen Euro entstanden.

Die Masche: Insgesamt habe er Daten von mehreren zehntausenden Kunden erworben. Dann habe er die ehemaligen Gewinnspielteilnehmer in ganz Deutschland durch Inkassobüros anschreiben und unter Druck setzen lassen. Dies habe er in betrügerischer Absicht getan, so die Anklage, denn es bestanden keinerlei Forderungen gegen sie. Ihre Adressen hatte der ehemalige Chemielaborant im Callcenter- Milieu gekauft. Als die Angeschriebenen dann immer mehr Mahnungen und Drohungen der Inkasso-Büros in ihren Briefkästen fanden, hielten viele dem Druck nicht stand. Sie zahlten und ermöglichten so William F. einen aufwendigen Lebensstil.

Daten von mehreren Zehntausend Kunden erworben

Seine Verteidiger wollen davon nichts wissen. Ihr Mandant habe nur säumige Zahler kontaktiert und anschreiben lassen. Doch sowohl die Beschwerden der Opfer als auch die bisherigen Zeugenaussagen der Adressenverkäufer sprechen eine andere Sprache.

So belastet der Adressenhändler Y. den Angeklagten schwer. Der Türke war zuvor als Zeuge aus der Türkei geladen worden, aber nicht erschienen. Dennoch wandte er sich per E-Mail an den ermittelnden Polizeibeamten in Krefeld. Er wolle bei den Ermittlungen helfen, so schreibt Y., denn auch er fühle sich betrogen. Tatsächlich habe William F. von ihm zwar Kundenadressen gekauft, aber vorgegeben, er würde den ehemaligen Kunden neue Gewinnspiele anbieten. Von Inkasso wäre keine Rede gewesen. Die Wirklichkeit sah offensichtlich ganz anders aus. Nach und nach habe sich der Angeklagte Datensätze von mehreren zehntausend Kunden erworben.

Aufgeflogen war William F., weil sich hunderte von ehemaligen Gewinnspielteilnehmern bei den Behörden über die permanenten Mahnungen der Inkassofirmen beschwert hatten. Wegen Betruges in großem Stil muss der Angeklagte mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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