Der DGB warnt vor einem Missbrauch der Stellen bis 400 Euro. Sie machen arbeiten billiger – auf Kosten regulär Beschäftigter.

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Auch die Branche des Gastgewerbes setzt mehr und mehr auf Mini-Jobber. Das verdrängt reguläre Arbeit, warnt der DGB.

Auch die Branche des Gastgewerbes setzt mehr und mehr auf Mini-Jobber. Das verdrängt reguläre Arbeit, warnt der DGB.

dpa

Auch die Branche des Gastgewerbes setzt mehr und mehr auf Mini-Jobber. Das verdrängt reguläre Arbeit, warnt der DGB.

Krefeld. Immer mehr Erwerbstätige aus Krefeld müssen nach Berechnungen der Agentur für Arbeit ihren Lebensunterhalt durch Mini-Jobs bestreiten. So ist die Zahl der Mini-Job-Beschäftigten (bis zu 400 Euro pro Monat) mit Wohnsitz in Krefeld von 2001 bis 2008 um fast 29 Prozent auf 15 747 gestiegen. Entsprechend ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im gleichen Zeitraum um knapp fünf Prozent auf 69 849 gesunken. Damit kommen inzwischen 23 "Mini-Jobber" auf 100 regulär Beschäftigte, während es 2001 nur 17 gewesen sind.

Der DGB-Kreisverbandsvorsitzende Ralf Köpke schließt daraus, dass Mini-Jobs keine zusätzliche Arbeit bringen, sondern reguläre Arbeit verdrängen. Mittlerweile gebe es Branchen wie etwa Handel und Gastgewerbe, die hauptsächlich auf Beschäftigungen mit geringfügigem Einkommen setzen. "Davon kann niemand leben. Solche Jobs bedeuten häufig die Abhängigkeit von Hartz IV", kritisiert er.

Im Rahmen der Hartz-Gesetze dürfe für 400 Euro sogar länger als 15 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Deshalb hätte die Zahl der Mini-Jobs zugelegt. Gleichzeitig seien die Löhne in vielen Branchen gesunken - bis auf Entgelte von unter fünf Euro. Davon seien Frauen besonders stark betroffen.

"Mini-Jobs bedeuten aber nicht nur Mini-Löhne, sondern auch Mini-Renten", sieht Köpke eine weitreichende Verschlechterung der Lebensbedingungen. Er beklagt, dass die Unternehmen dadurch weniger Sozialabgaben zahlen, Rechte der Arbeitnehmer wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall entfallen und auch bezahlte Feiertage seltener gewährt werden.

Der DGB fordere daher, die in Mini-Jobs zerlegte Arbeit wieder in sozial gesicherte Beschäftigung umzuwandeln. Als Sofortmaßnahme solle die Zeitobergrenze von 15 Wochenarbeitsstunden für Mini-Jobs festgeschrieben werden.

Die Zahl der in Krefeld wohnhaften Mini-Job-Beschäftigten ist von 2001 bis 2008 von 12 242 auf 15 747 um fast 29 Prozent gestiegen, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 73 397 auf 69 849 gesunken. Damit entfallen 23 Mini-Jobs auf 100 regulär Beschäftigte (2001: 17 Mini-Jobs). Im Jahr 2008 waren landesweit mit 1,23 Millionen Mini-Job-Beschäftigten 23 Prozent mehr Menschen registriert als 2001 (rund 1 Million). Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag mit 5,7 Millionen Beschäftigten um zwei Prozent unter der Zahl aus dem Jahr 2001 (5,81 Millionen). Damit entfallen im Landesdurchschnitt 22 Mini-Jobs auf 100 regulär Beschäftigte (2001: 17 Mini-Jobs).

Krefeld liegt im Landestrend. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen für NRW den gleichen Trend wie für Krefeld. Landesweit ist die Zahl der geringfügig Beschäftigten von 2001 bis 2008 um 23 Prozent gestiegen während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um knapp zwei Prozent zurückgegangen ist.

Das entspricht aktuell 22 Mini-Jobs auf 100 regulär Beschäftigte im Vergleich zu 17 Mini-Jobs im Jahr 2001. Unterstützung erhält Köpke angesichts von über 1,2 Millionen Mini-Job-Beschäftigten vom Vorsitzenden des DGB in NRW: "Mini-Jobs werden missbraucht, um Arbeit auf Kosten regulär Beschäftigter billiger zu machen", sagt Guntram Schneider. Das könnten sich aber weder die Arbeitnehmer noch das Sozialsystem in Deutschland leisten.

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