Ein Rettungswagen hat im April 16 Minuten bis zum Unfallort benötigt – zu lange.

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Bei Unfällen in Hüls ist der Rettungswagen nicht immer rechtzeitig genug am Unfallort. (Archiv

Bei Unfällen in Hüls ist der Rettungswagen nicht immer rechtzeitig genug am Unfallort. (Archiv

Jörg Knappe

Bei Unfällen in Hüls ist der Rettungswagen nicht immer rechtzeitig genug am Unfallort. (Archiv

Krefeld. Den 3. April wird der Hülser Dietmar S. so schnell nicht vergessen: Gegen 11.30 Uhr war der 67-Jährige an diesem Tag an mit seinem Fahrrad mit einer Frau kollidiert, brauch sich den Unterschenkel.

Zwar riefen Augenzeugen umgehend einen Notarzt, der ließ aber fast 30 Minuten, so der Hülser, auf sich warten. "Die mitfühlenden Worte und freundlichen Gesten der Anwesenden haben mir geholfen", sagt der Hülser. Aber wie kann es sein, dass ein Verletzter so lange auf der Straße liegen kann?

Den Versuch einer Erklärung unternahm Dietmar Meißner, stellvertretender Feuerwehrchef, bei der Sitzung der Bezirksvertretung in dieser Woche. "Sowohl der Einsatzwagen an der Westparkstraße als auch die Fahrzeuge in Gartenstadt und an der Florastraße waren zu diesem Zeitpunkt im Einsatz", schilderte Meißner.

Die Rettungssanitäter kannten sich in der Stadt nicht aus

Wie in diesem Fall üblich, rief die Notfallzentrale die Kollegen in Viersen an. Die schickten einen Wagen aus Schiefbahn, der sich gerade am Helios Klinikum befand. Da er ohne Ortskenntnis mit Navigation fahren musste, schaffte er es erst nach 16 Minuten zum Unfallort - vorgeschrieben sind acht Minuten.

"16 Minuten sind eine Falschaussage. Absoluter Blödsinn, absurd", ist sich Dietmar S., der seit dem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist, sicher. Es habe deutlich länger gedauert. Obendrein wussten die Sanitäter nicht einmal, wo sich das Krankenhaus in Hüls befindet.

Im städtischen Bereich muss ein Rettungswagen in 90 Prozent der Fälle in acht Minuten am Unfallort sein. In ländlichen Gebieten (zum Beispiel Orbroich oder Hülser Berg) in zwölf Minuten. Vor allem durch den zunehmenden Verkehr ist dies immer schwieriger umzusetzen.

Das Aus für die City-Ambulanz (die WZ berichtete exklusiv) noch in diesem Monat wird nach Ansicht von Dietmar Meißner die Situation nicht zusätzlich verschärfen. "Wir haben bereits vor einiger Zeit dafür Vorkehrungen getroffen", sagt Meißner.

Dass es im Norden der Stadt zu lange dauert, bis ein Rettungswagen am Unfallort ist, ist der Stadt seit 2007 bekannt. Zwar wurde im Juli 2008 die neue Rettungswache Nord-Ost in Gartenstadt in Betrieb genommen, seitdem gibt es sechs Rettungswagen in der Stadt.

Für Hüls besteht jedoch weiterhin Handlungsbedarf, sagte Dietmar Meißner den Bezirksvertretern. "Wir werden der Stadt und den Krankenkassen, die für die Übernahme der Kosten verantwortlich sind, vorschlagen, den Rettungswagen von der Westparkstraße in den Süden von Hüls zu verlegen", teilte der stellvertretende Feuerwehrchef mit. Dies hatte Meißner allerdings schon einmal im Juni 2007 angekündigt. Das Vorhaben war gescheitert, weil keine geeigneten Räume zu finden waren.

Auf die Frage von Hans Butzen (SPD), ob es nicht sinnvoll sein, den Wagen an der geplanten neuen Feuerwache an der Venloer Straße zu stationieren, sagte Meißner: "Das macht wenig Sinn, weil es zu nah an der Grenze zu Kempen ist. Der Wagen muss immer auch andere Gebiete der Stadt versorgen."

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